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Hilfswerke bitten um mehr Geld für Syrien

Bern. Mitarbeiter des Bundes und der Schweizer Hilfswerke sind teilweise schon seit Monaten im Grenzgebiet zu Syrien im Einsatz, um insbesondere in Not geratenen Flüchtlingsfamilien zu helfen. Doch der Bedarf an Unterstützung wächst – und das Geld ist knapp.

Angesichts der prekären Versorgungslage in Syrien sind immer mehr Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Uno hat sich zum Ziel gesetzt, noch in diesem Monat 850 000 Notleidende mit Lebensmittelrationen zu versorgen. Dafür werden 180 Millionen Dollar benötigt. Laut Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sind bis heute aber nur 40 Prozent des Betrags finanziert. Sorgen bereitet der Uno aber auch der Flüchtlingsstrom aus Syrien, der weiter anschwillt. Das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat bis am vergangenen Dienstag rund 160 000 Menschen gezählt, die ihr Heimatland Syrien verlassen mussten. «Unsere Zahlen entsprechen allerdings nicht der Gesamtzahl syrischer Flüchtlinge in den Nachbarländern», sagt Uno-Hochkommissar Adrian Edwards. Denn die Flüchtlinge scheuten sich oft davor, sich registrieren zu lassen. Von den regi- strierten Flüchtlingen halten sich laut UNHCR-Angaben 60 000 in der Türkei auf. In Jordanien befinden sich 46 000, im Libanon 38 000 und im Irak sind rund 14 000 aus Syrien geflüchtete Personen registriert. «Den Familien fehlt es an allem» Die Situation der vom Bürgerkrieg oft traumatisierten syrischen Flüchtlinge, wird von den vor Ort tätigen Schweizer Hilfswerken als «sehr ernst» bezeichnet. «Den Familien fehlt es an allem», sagt Regula Hafner von Caritas Schweiz. «Die schwindenden Ersparnisse der Familien und das Überstrapazieren der Gastfamilien steigern die Bedürfnisse an Unterstützung.» Im Libanon sei insbesondere ein Beitrag an die Mieten sehr dringend, da die Regierung nach wie vor keine Flüchtlingslager plane. Caritas Schweiz leistet seit Mitte April Nothilfe im Grenzgebiet zu Syrien. Gemeinsam mit ihren Partnern, Caritas Libanon und Caritas Jordanien, werden über 3000 syrische Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Hygiene- und Babyartikeln, Kleidung und Unterwäsche sowie Decken und Handtüchern unterstützt. Die Flüchtlinge erhalten zudem Gutscheine, um die Kosten für die Unterkunft oder notwendige ärztliche Behandlungen bezahlen zu können. Die Kosten für die aktuellen Nothilfeprojekte der Caritas belaufen sich derzeit auf über 380 000 Franken. Weitere Projekte sind in Planung. «Sowohl die Projektausweitung als auch die Folgephase sind jedoch von weiteren Mitteln abhängig», betont Hafner. Finanzielle Unterstützung erhält Caritas Schweiz unter anderem von der Spendensammelorganisation Glückskette. Seit dem 2. August hat die Schweizer Stiftung ihren Spendenaufruf für Syrien verstärkt, «weil sich die Situation weiter verschärft hat». Innerhalb von zwei Wochen sind bei der Glückskette (Stand gestern Freitag) über 611 000 Franken eingegangen. Ob und wann die Glückskette einen offiziellen Sammeltag für Syrien durchführen wird, «ist derzeit noch in Abklärung», sagt Glückskette-Sprecherin Daniela Toupane auf Anfrage. Wasser und Kinderspielzeug Seit einigen Tagen bittet auch Unicef Schweiz «dringend um Spenden» für syrische Kinder. «Unicef ist mit einem eigentlichen Wettlauf gegen die Zeit konfrontiert, um alles Notwendige für die betroffenen Flüchtlingsfamilien bereitzustellen», konstatiert Geschäftsleiterin Elsbeth Müller. Insbesondere gehe es jetzt darum, ein Flüchtlingslager in Nord-Jordanien rasch für eine Kapazität von bis zu 150 000 Menschen auszubauen. Unicef richtet dort sanitäre Anlagen ein, stellt die Versorgung mit Trinkwasser sicher und verteilt Hygieneartikel, Kochgeschirr, Kanister und Decken, Kinderspielzeug und anderes Notmaterial. Mitarbeiter von Unicef schulen zudem das Gesundheitspersonal darin, den Ernährungszustand von Flüchtlingskindern zu kontrollieren, um Anzeichen von Mangelernährung oder Krankheiten rechtzeitig zu erkennen. In Syrien selber ist derzeit vor allem das Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tätig. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt das IKRK mit finanziellen Beiträgen für Nothilfe in Form von Lebensmittelpaketen und Medikamenten. In den umliegenden Ländern konzentriert sich das SRK in erster Linie auf Jordanien. Man steht dabei in engem Kontakt mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Mitte Juli hat die Deza das bisherige «Syrien-Budget» um 2 Millionen auf 10,5 Millionen Franken aufgestockt. Mit Direktaktionen hilft die Deza unter anderem 500 sorgfältig ausgewählten Gastfamilien im Norden Libanons, die jeweils mehrere syrische Flüchtlinge aufnehmen. Die Familien erhalten pro Monat 170 bis 340 Dollar.

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