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Historisches Abfahrtsdebakel

LAKE LOUISE. Aksel Lund Svindal verhindert in der ersten Weltcup-Abfahrt des Winters einen ÖSV-Doppelsieg. Die Schweizer kassierten die grösste Schlappe aller Zeiten.

Vor einem Jahr hatten Didier Cuche und Beat Feuz beim Saisonauftakt in den kanadischen Rocky Mountains für einen Schweizer Doppelsieg gesorgt. Doch ohne den zurückgetretenen Romand und den verletzten Berner setzte es nun eine historische Niederlage ab.

Silvan Zurbriggen war als 24. noch der Schnellste. So weit hinten war der bestklassierte Schweizer Abfahrer im Weltcup noch nie anzutreffen. Das bis anhin schlechteste Ergebnis datiert aus dem Jahr 1995, als Bruno Kernen als bester Swiss-Ski-Fahrer in Kitzbühel auf Platz 21 gelandet war. Das ist ein besonders harter Schlag, vor allem auch wenn man bedenkt, dass in den letzten drei Jahren der beste Schweizer nie schlechter als Vierter war.

Didier Défago erwischte einen ganz schlechten Tag. Schon bei der ersten Zwischenzeit nach 18 Sekunden hatte der Olympiasieger mit 51 Hundertsteln den Rückstand aufgerissen, den er bei seinem 5. Platz im zweiten Training im Ziel auf Aksel Lund Svindals Bestzeit aufgewiesen hatte. Bis zur Rennhälfte ar­bei­te­te er sich zwar vom 48. bis auf den 27. Zwischenrang vor, doch dann wurde er durch einen schweren Fehler wieder nach hinten durchgereicht. «Ich bin mit dem Schuh auf den Schnee gekommen», so Défago. Er kam weit von der Linie ab und verlor den Schwung für die folgende Fläche. Der Romand büsste über 4 Sekunden ein und wurde als 57. Sechstletzter, aber nicht schlechtester Schweizer, denn unmittelbar hinter ihm klassierten sich auch noch Christian Spescha und Tobias Grünenfelder.

Silvan Zurbriggen rangierte wie alle seine Teamkollegen in keinem Teilabschnitt unter den Top 20 und am Ende betrug sein Rückstand über zwei Sekunden. «Einen grossen Fehler habe ich eigentlich nicht begangen, aber bei diesen weichen Verhältnissen war ich einfach schlicht zu langsam. Die einfachen Stellen bereiten mir noch am meisten Mühe. Bei anderen Schneeverhältnissen kann sich die Sache schnell ändern», sagte der Walliser.

Der Glarner Patrick Küng war noch der einzige Schweizer, der einigermassen zufrieden sein durfte. In seinem ersten Rennen nach seinem im Februar erlittenen Kreuzbandriss reichte es ihm als 28. immerhin zu ein paar Weltcuppunkten. «Ich hatte zuletzt Hüftprobleme und zudem auch das Pech, dass bei meiner Fahrt die Sonne hinter den Wolken verschwand. Aber natürlich will auch ich viel weiter vorne sein.»

Einen ratlosen Eindruck hinterliess Carlo Janka (51. Platz). «Zuletzt beim Training in Copper Mountain hatte ich mich auf gutem Weg gewähnt, doch jetzt tappe ich bezüglich der Abstimmung wieder völlig im Dunkeln. Anstatt Lindsey (Vonn, Red.) bei den Herren sollte vielleicht ich langsam bei den Damen starten», machte er auf Twitter in Galgenhumor.

In einer eigenen Liga

Der knapp 30-jährige Norweger Aksel Lund Svindal, der im März die letzte Abfahrt der vergangenen Saison in Lenzerheide gewonnen hatte, nahm dem 23-jährigen Kärntner Max Franz ganze 64 Hundertstel oder 18,25 Meter ab und feierte seinen insgesamt sechsten Abfahrtssieg im Weltcup. Franz fuhr nach dem 13. Rang in Kitzbühel im Januar bei seinem ersten Top-Ten-Platz in einer Abfahrt gleich aufs Podest. Im Super-G war der Neffe des einstigen Abfahrers Werner Franz schon zweimal Fünfter.

Der Amerikaner Marco Sullivan, vor knapp fünf Jahren Sieger in Chamonix, schaffte es mit Nummer 42 aufs Podest, zeitgleich mit dem Österreicher Klaus Kröll, dem Titelverteidiger im Abfahrts-Weltcup. Kröll hatte sich im April beim Motocrossfahren den Fusswurzelknochen im rechten Bein gebrochen und stand erst im Oktober wieder auf den Ski. Für die zweite Überraschung sorgte der Deutsche Tobias Stechert, der mit Startnummer 32 als Fünfter erstmals in die Top Ten fuhr. (red/si)

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