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Hitmaschine ohne Heimat

zürich. R&B-Sänger und Songwriter Bruno Mars war im ausverkauften Hallenstadion auf der Suche. Nicht umsonst: Er fand Ohrwürmer und ein zufriedenes Publikum.

Die Urwaldtrommeln dröhnen, der Vorhang mit den goldenen Palmen fällt. Und als käme er gerade aus einer Waikiki-Lounge, eröffnet Bruno Mars mit Panamahut und brauner Weste die Reise in den «Moonshine Jungle»– so der Name der zweiten grossen Welttournee des 28-jährigen Amerikaners. Der Regenwald-Bezug tritt dann aber gleich in den Hintergrund, und die Bühne verwandelt sich bis zum Schluss des Mittwochabends in eine 1979er-Jahre Disco inklusive gigantischer Discokugel. Auf der Tanzfläche tummeln sich die Musiker wie zufällige Gäste einer Party. Doch die harzt am Anfang ein wenig, da der Abend mit zwei eher schwachen Songs eröffnet wird: «Moonshine» ist viel zu bombastisch inszeniert, während «Natalie» monoton dahintreibt. Das gut gelaunte Publikum im ausverkauften Hallenstation, das schon das Aufhängen des Vorhangs in der Umbaupause nach der Vorgruppe bekreischt hatte, jubelt auch jetzt lautstark über jeden kleinen Tanzschritt des Frontmanns. Das Ausharren lohnt sich: Denn danach gibt Bruno Mars mit dem funkigen Discoknaller «Treasure» gleich so richtig Gas. Schon tanzt das junge, überwiegend weibliche Publikum los. Damit die 13 000 Fans damit ja nicht aufhören, feuert der Sänger gleich ein paar seiner aus dem Radio bekannten Nummern ab. Erstaunlich: Obwohl erst rund drei Jahre so richtig im Geschäft, hat Bruno Mars als Interpret und als Komponist für andere schon mehr als ein halbes Dutzend richtig grosser Hits vorzuweisen. Ein wenig von allem Den Anfang macht der Song «Billionaire» mit dem mitreissenden Offbeat, den Bruno Mars für Travie McCoy geschrieben hat, danach das schnulzige «Marry You». Der auf Hawaii geborene Sohn einer Philippina und eines Puertoricaners hat bald schon die ganze amerikanische Popkultur zitiert. Ein wenig Gospel, ein bisschen Reggae, eine Prise Rhythm and Blues und ein paar rockige Einflüsse. Und als er bei «Pony», im Original von Ginuwine, von einem einzelnen Scheinwerfer von oben beleuchtet wird, erinnert er mit Hut und präzisen Tanzschritten ganz bewusst an den frühen Michael Jackson in der goldenen Zeit des Soul. Ein wenig heimatlos wirkt Bruno Mars trotzdem auf der für Stadionverhältnisse kleinen Bühne. Diese wird ähnlich wild mit Lichteffekten angestrahlt, wie die Musiker durch die Stile springen. Doch der junge Amerikaner verliert sich nicht im Durcheinander: Seine Ohrwürmer, klassisches Entertainment und eingängige Melodien, präzise gesungen und meist wirkungsvoll instrumentiert, halten den Abend zusammen und bieten auch dem Publikum ein wenig Heimat. Mit den Hits im Rücken gibt sich Bruno Mars als bescheidener, sympathischer Superstar. Raum für Spielereien oder Spontanes bleibt allerdings bei all der inszenierten Lockerheit kaum. Der coole Auftritt bleibt bis ins Details kontrolliert und berechenbar. So sind etwa auf der ganzen Tour keine Fotografen zugelassen – nur die Tausende Handykameras im Publikum kann das Management nicht verbieten. Trotzdem läuft die Hitmaschine nicht immer wie geschmiert: Ausgerechnet bei der Up-tempo-Ballade «Grenade», nicht nur in der Schweiz wochenlang auf Platz 1 der Charts, hämmern Bass und Schlagzeug alle Feinheiten platt. Zum Glück endet der Abend aber versöhnlich und bietet weiteren eingängigen Popsongs ein Zuhause: «Just the Way You Are» wird zur Hymne, die das ganze Hallenstadion mitsingt, und das energiegeladene «Locked out of Heaven» bringt die Menge unter goldenem Glitterregen aus der Konfettikanone zum Tanzen.

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