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Hochkarätige Danza Española

Der Funke springt über, wenn sich die Schülerinnen des Tanzcenters Lopez tänzerisch ins Zeug legen. Die anspruchsvolle Profiausbildung erfüllt spanische Standards.

Das charakteristische Steppen von Flamencoschuhen erschallt aus einem Gewerbebau in Embrach. Der Rhythmus bahnt sich seinen Weg durch die offene Tür, vorbei an Paletten und Lastwagen. Das Zürcher Freilager befindet sich um die Ecke. Hinter dem Empfang mit bunt getupften Accessoires und Flamencopostern befinden sich die Unterrichtssäle. Seit 2005 bilden hier die Geschwister Leonor und Marcos Lopez Tänzer nach spanischem Lehrerstandard aus. Das ist einzigartig in der ganzen Schweiz. «Unsere Schüler machen weniger Hobbys, dafür eines richtig», begründet Marcos Lopez das hohe Niveau. Unter den rund 150 Schülerinnen gibt es viele Hobbytänzerinnen, aber auch Aspirantinnen für die Bühne oder die eigene Tanzschule. Die 13-jährige Vanessa könnte eine davon sein. Sie kommt viermal pro Woche zum Unterricht und tanzt seit acht Jahren. «Etwas mit Sport», wolle sie später schon gerne machen, erzählt sie. Den Spanischen Tanz könne sie als Hobby weiterführen, sagt sie bescheiden. Obwohl sie noch nie in Spanien war, tritt sie mit Rock und Fächer auf wie eine junge Señorita. Sie hat wie andere mit Ballett begonnen und sich dann auf den Spanischen Tanz spezialisiert. Das Ziel sei, die nächste Prüfung zu bestehen. Dabei hat ihr Kurs gerade erst wieder eine weitere Stufe auf dem Weg zur Profilaufbahn erreicht. 25 Schü­lerinnen zeigten erfolgreich ihr Können vor einer eigens eingeflogenen spanischen Jury. Gitarristen, Sänger – alles, was es braucht, um eine authentische Stimmung zu kreieren, lässt sich in der Industriestrasse arrangieren. Nach sieben harten Ausbildungsjahren, mit bis zu sechs Tagen Unterricht pro Woche, haben wieder drei Frauen das begehrte Diplom errungen und dürfen es in Madrid entgegennehmen. Marcos Lopez legt Wert darauf, dass sich seine Eleven nicht nur den landläufig bekannten Flamenco aneignen. Gerade weil die Ansprüche an professionelle Tänzer stetig steigen, können sie drei weitere Stile des Spanischen Tanzes erlernen: die Escuela Bolera, regionale Volkstänze und die schwierige Danza Estilizada. Die Arme der Tänzerinnen drehen sich, während die Kasta­gnetten klappern. Lopez klatscht oder singt akzentuiert mit, um die komplizierten Rhythmen anzuzeigen. «Nicht verzweifeln!» und «Seid mutig!», ruft Lopez, wenn die Köpfe sinken. Die erstklassige Haltung ist beim Flamenco Programm und die straff zurückgekämmten Haare erinnern daran, das Haupt immer hoch zu halten. «Dürfen wir es schneller machen?» Die jungen Tänzerinnen brennen darauf, das Tempo zu erhöhen. «Wir machen es zuerst langsam, dafür sauber», bestimmt der Meister. Lopez führt sanft fordernd und bestimmt durch die Lektion. Auch spanische Kommandos mischen sich unter die Anweisungen. «Nicht nur die Füsse!», ermahnt er, wenn die Steppschritte doch mit den Mädchen durchgehen. «Der ganze Körper tanzt.» Mit der jüngeren Schwester Leonor lebt Lopez seit fast 30 Jahren in der Welt des Spanischen Tanzes. Es begann mit dem Spanischen Verein in Arbon. Dort hatten sie den ersten Kontakt mit der Tradition ihres Heimatlandes und lernten bald als Kinderpaar mit drei und sieben Jahren die Schritte. Schon während der Ausbildung in Madrid wussten sie, dass sie unterrichten wollten – und zwar in der Schweiz. Zwar lockten Auftritte in Kompanien, doch Familie und Freunde, die sie hier zurückgelassen hatten, waren ihnen sehr wichtig. «Auftreten können wir auch in der Schweiz», beschlossen sie und gingen ihren eigenen Weg. Zu wenig tanzende Männer Ihre Studenten hätten meist «gemischte Wurzeln»: Schweizerinnen, Italienerinnen; es gebe wenige reine Spanierinnen. Und was ebenfalls fehlt, sind die Jungs. Fünf Tänzer zählt die Schule zurzeit. Lopez lächelt, als er die kleine Garderobe für die Männer und die grosse für die Damen zeigt. Im Vorraum schnurrt eine Nähmaschine. Auch die Mutter ist in den Betrieb eingebunden und näht Kostüme. Lopez’ Unterrichtstag geht heute von 14 bis 21 Uhr. Wo erlebt er die Schweiz? «Unser ganzes Umfeld besteht aus Schweizern», sagt er. «Wir sind integriert.» Was bleibt, sind die Ferien in Spanien, dreimal im Jahr. Dann sucht die Familie Lopez «Erholung und Inspiration» und geniesst Sonne, Strand und Meer. www.hermanos-lopez.ch

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