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Hoeness findet viele Nachahmer

berlin. Die Zahl der Selbst- anzeigen ist in Deutschland merklich angestiegen. Der Fall des Präsidenten des FC Bayern München.

Über eine Sache kann sich der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeness, immer noch aufregen. Dass von all den Steuersündern, die sich in diesem Jahr selbst angezeigt haben, nur ein einziger Name bekannt geworden ist. Sein eigener. Daran ändert sich für Hoeness auch mit der neuesten Statistik nichts. Aber wenigstens weiss er jetzt, dass er in grosser Gesellschaft ist. Ausser Hoeness haben sich von Januar bis Juni in Deutschlands Finanzämtern noch 9092 weitere mutmassliche Steuerbetrüger gemeldet – so viele wie nie zuvor. Das ist, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (DPA) bei den Finanzministerien aller 16 Bundesländer ergab, schon recht nah an der Zahl von ganz 2012 (11 824). Wer nach einer Selbstanzeige die gesamte Steuerschuld plus Zinsen nachzahlt, geht unter Umständen straffrei aus.

Spiegel der Vermögensverteilung

Zwischen den 16 Ländern tun sich dabei ziemliche Unterschiede auf. An der Spitze liegt Baden-Württemberg, wo etwa 2360 mutmassliche Betrüger sich meldeten. Auf den weiteren Plätzen folgen Nordrhein-Westfalen (1528) und Bayern (1179). Im Osten sieht es anders aus. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt gab es ganze drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben. Man sieht, dass das Vermögen in Deutschland immer noch sehr ungleichmässig verteilt ist.

Einig sind sich die Experten, dass der Fall Hoeness beim deutschlandweiten Rekord eine Rolle spielt. Seit die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten bekannt wurde – am 20. April –, ging die Zahl nochmals in die Höhe. «Mag sein, dass das der Auslöser war», sagt auch der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken. «Aber der eigentliche Grund ist, dass Ende vergangenen Jahres das Steuerabkommen mit der Schweiz nicht zustande gekommen ist.»

Bis dahin hatten viele Deutsche mit Schwarzgeld in der Schweiz gehofft, ihre Steuerschulden diskret bereinigen zu können – anonym und zu einem Pauschalsatz zwischen 21 und 41 Prozent des angelegten Kapitals. Nach dem Scheitern des Abkommens wuchs hierzulande jedoch die Nervosität. Als weiterer Grund wird der umstrittene Ankauf von sogenannten Steuer-CDs genannt. Die plötzliche Ehrlichkeit sorgt jetzt dafür, dass von den mehr als 90 000 Steuerberatern in Deutschland einige besonders gut zu tun haben. Weil man bei Selbstanzeigen ziemlich viel falsch machen kann, ist das eine Angelegenheit für Spezialisten. Eine Anzeige ist heute viel komplizierter als noch vor einigen Jahren. Durch das Schwarzgeldbekämpfungsgesetz von 2011 sind keine scheibchenweisen Anzeigen mehr möglich. Alles muss sofort auf den Tisch.

Milliarden für den Fiskus

«Was man auf keinen Fall tun sollte, ist, einen Eigenversuch zu starten», warnt Steueranwalt Roland Hoven von der Kanzlei RölfsPartner. «Sich Unterlagen in der Schweiz abzuholen und selber eine Steuererklärung abgeben, das wird mit Sicherheit schiefgehen. Man hat nur einen Schuss. Und der muss sitzen.» Hoven allein hat derzeit 35 Fälle auf dem Schreibtisch. Nicht immer geht es um Riesenvermögen. «Der klassische Fall ist einer ab 100 000 Euro aufwärts», erzählt der 43-Jährige. «Dar­un­ter auch Vermögen, die vor 30 oder 40 Jahren ganz klein begonnen haben.»

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans, einer der fleissigsten Aufkäufer von CDs mit Steuerdaten, rechnet vor, dass der Staat aus deren Auswertung und durch Selbstanzeigen bislang rund drei Milliarden Euro eingenommen hat. Wie viel Geld noch durch die Selbstanzeigen in die Staatskassen fliessen wird, weiss niemand genau. Als sicher gilt jedoch, dass der Betrag in die Milliarden gehen wird.

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