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Holzbeige befeuerte schwelenden Streit

Die Schlichtung beim Friedensrichter scheiterte. Daher haben sich die zwei zerstrittenen Nachbarn vor dem Bezirksrichter wieder getroffen. Der mahnte sie, sich zu besinnen.

Mit jedem sich öffnenden Adventsfenster wächst die Vorfreude auf Weihnachten. Anders in einem Weinländer Dorf: Nachdem ein Hausbesitzer an einer Fassade drei zugemauerte Fenster wieder geöffnet hatte, schichtete der Nachbar vor ihnen eine Holzbeige als Sichtschutz auf. Daraufhin eskalierte der seit Jahren schwelende Nachbarschaftsstreit, der am Montag mit der Verhandlung am Bezirksgericht Andelfingen einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die Schlichtungsverhandlung beim Friedensrichteramt war diesen Sommer gescheitert. Am Bezirksgericht Andelfingen verständigten sich die Streitparteien nach drei Stunden darauf, die Si­tua­tion im nächsten Frühjahr vor Ort zusammen mit Gerichtspräsident Lorenz Schreiber in Augenschein zu nehmen. Direkt danach sollen in einer Vergleichsverhandlung allseits akzeptable Lösungen gesucht werden. Falsch geneigtes Wellblech Da die Kläger in ihrem Hobbyraum in der alten Scheune mehr Licht wollten, brachen sie 2011 die Backsteine aus den zugemauerten Fensterrahmen heraus. Der Beklagte fühlte sich daraufhin auf seinem Sitzplatz ständig beobachtet, sodass er Holz vor den Fenstern aufschichtete. Die Holzbeige deckte er mit einem Wellblech ab. Dieses Blech war aber so zur Fassade hin geneigt, dass das Regenwasser zwischen der Beige und der Mauer hinunterfloss. Dadurch, so die Kläger, seien an ihrer Fassade Feuchtigkeitsschäden entstanden. Vor Gericht verlangten sie, dass der Beklagte die Holzbeige entfernt und die Kosten für die Sanierung der Fassade übernimmt. Ein Strafverfahren war eingestellt worden, da nicht zu beweisen war, ob die Beige aufgeschichtet wurde, um diesen Schaden anzurichten. Die fehlende Dachrinne sei in Wahrheit der Grund für die Feuchtigkeitsschäden an der Fassade, entgegnete der Anwalt des Beklagten. Zudem gebe es auch Schäden oberhalb der Holzbeige. Die verfleckte Fassade sei seit Jahrzehnten nicht saniert worden. «Psychologischer Zündstoff» Ob grenznahe Bäume, üble Beschimpfungen oder tätliche Angriffe: In einem nicht enden wollenden Hin und Her schoben sich die Streitparteien die Vorwürfe gegenseitig zu. Grundlos sei der eine mit einer Dachlatte auf den andern losgegangen. Nein, umgekehrt, so der eine: Der andere sei zuerst mit einem Holzblock auf ihn los. Gestreckter Mittelfinger, abgeschlagener Fingernagel, aufgehetzte Hunde, nachgeworfener Dachziegel, polternde Fäuste oder ein Katzenohr, das mit einem Schweissbrenner verbrannt worden sein soll: Geduldig hörte sich Gerichtspräsident Lorenz Schreiber die Vorwürfe beider Seiten an. «Es ist eine hochkomplexe Angelegenheit mit viel psychologischem Zündstoff.» Doch ohne einen «Waffenstillstand» könne man nicht verhandeln. Das gelte in der kleinen Welt ebenso wie in der grossen. Bis zur Vergleichsverhandlung im Frühjahr riet er den beiden Streitparteien dringend von weiteren bösen Worten und Taten ab. «Belasten Sie diese Zeit nicht neu.» Über Weihnachten und Neujahr sei ein guter Zeitpunkt, um sich Gedanken zu machen, ob man im neuen Jahr etwas ändern will.

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