Zum Hauptinhalt springen

Hotel als Versuchslabor

Beim Umbau der Gästezimmer überlässt das Park-Hotel nichts dem Zufall. Mit zwei Muster­zimmern wurden die Vorlieben der Businesskunden bis ins Detail untersucht. Noch laufen die Abklärungen zur präferierten Härte der Matratzen.

Ein Bett, ein Flipchart, und das alles auf der Terrasse. Die Installation des Park-Hotels mutet auf den ersten Blick eher ungewöhnlich an. Ihr Sinn erschliesst sich aber schnell. Es handelt sich um eine praktisch ausgelegte Kundenumfrage. Gäste des Hotels sollen auf dem Bett kurz Probe liegen und dann ihre Meinung zur Matratze auf dem Flipchart eintragen. Sie entscheiden damit über nichts weniger als den zukünftigen Liegekomfort in den 73 Zimmern des 4-Sterne-Hauses. Zwei Taschenfederkernmatratzen befinden sich in der Endauswahl, es geht nun nur noch um die Frage der Härte. Das Casting macht deutlich, welchen Stellenwert die Matratze in Hotelzimmern hat. Sie ist für Gäste eines der wichtigsten, aber nicht das wichtigste Wohlfühlkriterium. Ein sauberes, modernes Bad und angenehmes Licht im Zimmer sind sogar noch wichtiger, wie die Hotelleriebranche aus Befragungen weiss. Wobei alles auch eine Frage der Klientel ist. Das Park-Hotel lebt vor allem von der Businesskundschaft, und die ist bekanntlich am Morgen in Eile. Für die Bäder heisst das: Die Badewannen kommen raus. Stattdessen gibt es in den neuen Zimmern grosse Duschen. Und damit die Geschäftskundschaft den Laptop ohne Umschweife nutzen kann, ist der WLAN-Zugang kostenlos und die Steckdosen sind mit allen europäischen Normen kompatibel. Die Frage der Duschtür Wie die Zimmer im Endausbau aussehen sollen, hat die Hotelleitung bis ins kleinste Detail per Experiment untersucht. Sie liess dafür zwei nicht identische Musterzimmer bauen, die seit Anfang Jahr von den Kunden gebucht, bewohnt und bewertet werden können. Der Gast ist in diesem Modell Labormaus und Experimentator in einer Person. Viele Gäste hätten sich gerne dar­auf eingelassen, sagt Hoteldirektorin Martina Miciecki. Die Resultate seien aussagekräftig. Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine Duschtür an Scharnieren, die auf- und zuschwingt, kommt besser an als eine Schiebetür. Mit in die Bewertung eingeflossen ist auch die Meinung des Personals. Was den Betrieb stört oder verkompliziert, wurde aussortiert. Und auch Messungen wurden in und um die Musterzimmer gemacht. Parkett beispielsweise erwies sich als zu problematisch, weil es im Gebäude den Schall zu stark überträgt. Der Businesskunde wohnt im Park-Hotel dar­um auch in Zukunft in der Teppichetage. Ein geschütztes Gebäude Die Hotelleitung ist guter Dinge, dass sich der Aufwand am Ende auszahlt. «Wir investieren lieber einmal richtig, als später nachbessern zu müssen», sagt Eva Heller. Sie präsidiert die Managementgesellschaft, die als Bindeglied zu den Eigentümern über dem Hotel steht. Das Park-Hotel gehört seit 2003 einer kleinen Gruppe von Privatpersonen, die das Haus der Credit Suisse abkaufte, die Bank ihrerseits war über den seinerzeitigen Kauf der Winterthur-Versicherungen zu dem Hotel gekommen. Wie viel der Umbau kostet, möchten die Eigentümer nicht kommunizieren. Die Totalsanierung, so viel ist aber gewiss, ist kein Pappenstiel. Das Gebäude aus den Fünfzigerjahren steht unter Denkmalschutz. Das verlangt nach einer sanften Hand. Das Park-Hotel fand diese in der Person des Winterthurer Architekten Ernst Zollinger. Dieser hatte im Park-Hotel 2005 bereits die Bar und das Restaurant umgebaut. In seinem Palmarès finden sich viele prominente Projekte, wie die Sanierung des Casinotheaters, der Alten Kaserne oder der Villa Sträuli. «Umbauen ist das letzte Experiment, das es auf der Welt gibt», zitiert Zollinger ein Bonmot des italienischen Architekten Renzo Piano. In einem alten Gebäude treffe man immer wieder auf unvorhergesehene Problemstellungen. Kompliziert sei vor allem die Erneuerung der Haustechnik, die auch eine energetische Verbesserung bringen soll. Auf dem Dach wird dafür eine Lüftungsanlage mit Ener­gie­rückgewinnung montiert. In den Zimmern gibt es neu sogenannte Klimakonvektoren, die individuelles Heizen oder auch eine leichte Kühlung ermöglichen – die aber nicht mit Klimaanlagen zu verwechseln sind. Diese würden aus energetischen Gründen gar nicht bewilligt, sagt Zollinger. Unbemerkte Bauarbeiten Während des Umbaus, der noch bis Mitte nächsten Jahres dauert, wurde und wird das Hotel weiter genutzt. Die Hälfte der Zimmer ist immer in Betrieb. «Das ist vielleicht die grösste Herausforderung, den Umbau so zu machen, dass die Gäste nichts mitbekommen», sagt Zollinger. Dies umso mehr, als nicht etagenweise, sondern – etwa wegen der Wasserleitungen – in vertikalen Blöcken umgebaut wird. Gearbeitet wird deshalb nur zu Bürozeiten. Und damit die Handwerker nicht durch die Lobby anrücken, wurde extra aussen am Gebäude ein provisorisches Treppenhaus gebaut. Auch dieses Experiment sei geglückt, versichert Hoteldirektorin Miciecki. «Wir haben praktisch keine Gästebeschwerden.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch