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«Hotspot» mit Glaswand und Netz gesichert

In den letzten Jahren haben sich die Suizide an der Thurbrücke in Andelfingen gehäuft. Nun hat der Kanton als Eigentümer der Brücke Massnahmen getroffen.

Zwei Strassen führen nebeneinander über die Thurbrücke zwischen Andelfingen und Kleinandelfingen – die Autobahn A4 und die Weinlandstrasse. Seit September war Letztere wegen Bauarbeiten zeitweise nur einspurig befahrbar. Nun sind diese Arbeiten abgeschlossen, wie das kantonale Tiefbauamt am Mittwoch mitgeteilt hat. Offiziell erfolgte die Teilsperrung der Strasse wegen Bauarbeiten unter dem Titel «Lärmschutz» respektive «Instandsetzung». Tatsächlich ging es um bauliche Massnahmen zur Suizidprävention. Die Verantwortlichen des Tiefbauamtes wollten mit dieser Sprachregelung unbedingt verhindern, dass die Thurbrücke vor Abschluss der Massnahmen suizidgefährdete Personen anzieht. Da sich dort die Suizide in den letzten Jahren gehäuft haben, wurde die Brücke als sogenannter Hotspot behandelt (siehe angehängter Artikel). Jeweils massive Reaktionen Um den Sprung von der Brücke in die Tiefe zu erschweren, wurde entlang des Trottoirs der Weinlandstrasse eine 2,5 Meter hohe und 350 Meter lange Glaswand errichtet. Die Wand ist so hoch, dass man sich an ihr nicht hochziehen kann. Ihre Oberfläche ist glatt, und es gibt keine Kanten oder vorspringenden Teile, auf die man stehen könnte. Auf der gegenüberliegenden Seite, zwischen der Weinlandstrasse und der Autobahn, wurde ausserdem ein rund 3,5 Meter breites Netz gespannt. Die diese Woche abgeschlossenen Bauarbeiten begannen Mitte September und kosten voraussichtlich 700 000 Franken. Nach jedem Suizid habe es massive Reaktionen in den beiden Dörfern gegeben, sagen die beiden Gemeindepräsidenten Ueli Frauenfelder (Andelfingen) und Peter May (Kleinandelfingen). Die anklagende Frage lautete jeweils: «Wann wird endlich etwas unternommen?» Auch wenn diese Arbeiten in erster Linie der Suizidprävention dienen, haben sie laut den Verantwortlichen des Kantons dennoch einen gewissen Lärmschutzeffekt. Bauliche Hindernisse helfen Dass man mit baulichen Massnahmen etwas beeinflussen könne, sei die Erfahrung sowohl der Bau- als auch der Suizidfachleute, sagt der ehemalige Strasseninspektor Reto Färber. Aufgrund einiger politischer Vorstösse im Zürcher Kantonsrat habe das Thema Suizide an Brücken «eine gewisse Brisanz entwickelt». Bei den Präventionsmassnahmen an Brücken gehe es wie bei Giften oder Schusswaffen darum, die Zugänglichkeit einzuschränken. Das Aufstellen baulicher Hindernisse sei ein Lösungsangebot, das helfe, eine suizidgefährdete Person von ihrem Vorhaben abzuhalten. Laut mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Stammtischmeinung «Wer springen will, der springt auch» widerlegt. So wollen viele, die die Dargebotene Hand anrufen, eigentlich nicht sterben, aber sie sprechen davon, so nicht mehr leben zu wollen. Ein weiteres widerlegtes Vorurteil lautet: «Über Suizid sprechen ermutigt gerade dazu.» Laut Fachleuten ist das Gegenteil der Fall. Erhält jemand die Gelegenheit, über Ängste und Gefühle zu sprechen, kann dies ein Wendepunkt im eigenen Leben sein.

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