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Hüten und treiben bis zum Sieg

Kein Bellen, höchste Konzentration – dann gestreckter Galopp: In Andelfingen trieben am Wochenende die besten Hütehunde um die Wette Schafe zusammen oder «shadeten» sie auseinander.

Die Hunde am Rand des Wettkampfgeländes beobachten das Geschehen gebannt und mit aufmerksam aufgerichteten Ohren. Zusammen mit ihren Haltern sitzen sie neben einer eingezäunten Wiese in Andelfingen, dem Austragungsort der diesjährigen Schweizer Meisterschaft der Hütehunde. Im Parcours herrscht höchste Konzentration. 15 Minuten hat jedes Team Zeit für die Prüfung. Zu den Aufgaben gehört, dass der Hundeführer sein Tier losschickt, um eine kleine Schafherde, die 350 Meter entfernt wartet, abzuholen und zu ihm zu treiben. Den Weg zu den Schafen absolvieren die Hunde im gestreckten Galopp. Danach ist ruhiges Arbeiten gefordert. «Ein guter Hirtenhund nimmt mit einer Herde Kontakt auf und treibt diese danach ruhig und mit gebührendem Abstand vor sich her», erklärt Martin Venzin, der das Geschehen als Speaker fürs Publikum kommentiert. Keiner der Hunde bellt, während er seine Aufgaben ausführt. Mit einem Tier aus der Herde Körperkontakt aufzunehmen, ist ihm verboten, wer beisst, wird disqualifiziert. So machen die Hunde denn auch einen weiten Bogen, um die Schafe einzukreisen und um diese danach dazu zu bringen, in gemächlichem Tempo vor ihnen herzutraben. Derweil bewegen sich die Hunde im Zickzack hinter der Herde, kreisen sie ein und treiben sie mal von links, mal von rechts vorwärts. «Zwei harte Hunde aus Irland» Dirigiert und choreografiert wird das Ganze vom Hundeführer, der seinem Hund mit Hilfe von speziellen Pfiffen und mit seiner Stimme Anweisungen gibt. Mal bringen die beiden die Schafe dazu, auf direktem Weg zum Hirten zu laufen, mal absolviert die Herde einen Slalom um verschiedene Gatter herum oder lässt sich in ein Gehege treiben. Zwei Richter beurteilen das Ganze. Simon Mosse und Pat Murphy seien «zwei harte Hunde aus Irland», wie Heinz Höneisen von der Swiss Sheep Dog Society Weinland sagt. Beide sind inzwischen über 60 und bereits seit der frühen Kindheit immer mit Schafen und Herdenhunden zusammen gewesen. Für eine Tagesgage von rund 150 Franken beurteilen die zwei das Geschehen auf dem Platz während der drei Tage und händigen jedem Teilnehmer am Ende seines Parcours ein detailliertes Protokoll aus. Volle Kon­zen­tra­tion sei bei dem Amt gefragt, sagt Höneisen. Schliesslich sässen beim Zaun lauter inoffizielle Co-Richter. Damit sind die Zuschauer gemeint, von welchen etliche selber im Hirtenhundewesen aktiv sind.

Nach dem zusammentreiben und «shaden» ab in den Badezuber

Ein ehemaliger Richter aus dem Publikum regt sich auch prompt über das Niveau der Schafe auf, die sich sehr schlecht «shaden», also voneinander trennen lassen. Bei schottischen Schafen, welche in grösseren Gruppen leben, sei dies nicht so ein Problem. Tatsächlich gehöre das Trennen bestimmter Tiere von der Gruppe zu den schwierigsten Aufgaben, so Venzin. «Jedes Schaf läuft instinktiv sofort wieder zu seiner Herde zurück.» Das liege nicht daran, dass die Tiere einander so gut mögen. Vielmehr wüssten sie, dass die Überlebenschance in der Herde am grössten sei. Neben dem Fachpublikum zog der Anlass vor allem Familien mit Kindern an, die das Geschehen aus ihrer Perspektive beobachteten. «Ui, jetzt rennt dem der Hund davon», ruft ein Kind. Und tatsächlich verschwindet die Hündin ­Chicci, nachdem sie ihrem Hirten ein paar Schafe gebracht hat, in gestrecktem Galopp einfach so von der Bildfläche. Unbeirrt stösst der Hundeführer weiter seine Pfiffe aus, und nach einer Weile kehrt Chicci mit einer weiteren Herde zurück. Anstrengend sei so ein 15-minütiger Parcours für die gut trainierten Collies nicht, sagt Höneisen. Dennoch stürzen sich sämtliche Hunde nach dem Wettbewerb mit Begeisterung in den Badezuber, der extra für sie bereitsteht. Eine Hündin pinkelt sogar vor lauter Erleichterung ins Wasser. Ein Helfer wechselt den Inhalt der Wanne aus, um dem nächsten Benutzer ein sauberes Bad zu garantieren. Auch für die Schafe ist der Spuk nach dem Parcours wieder vorbei. 350 Tiere stehen für den Wettkampf zur Verfügung, jedes wird, wie vom Gesetz vorgeschrieben, nur ein- bis zweimal am Tag eingesetzt. Am Ende ihres Auftritts werden sie vom Hund vom Feld getrieben. Ein Transporter bringt sie zur nächsten Weide.

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