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Hundert Jahre alt und immer noch topfit

Vor kurzem feierte der kerngesunde Damenturnverein Seen sein hundertjähriges Bestehen mit einem grossen Festanlass. Mitgliederschwund – wie andere Vereine – kennen die Seemer Turnerinnen nicht.

Der Damenturnverein Seen ist ein grosser und gesunder Verein. In verschiedenen Riegen turnen etwa 180 Frauen jeden Alters aktiv mit, zwei Drittel davon in der Meitliriege: Die 7- bis 17-Jährigen bewegen sich in vier verschiedenen Alterskategorien zu einem Allroundprogramm mit Gymnastik, Geräteturnen und Spiel. Die Frauenriege eins zählt etwa 20 Teilnehmerinnen ab 40 Jahren; diese betreiben eher Gymnastik und turnen (nicht zuletzt wegen der Verletzungsgefahr) seltener an Geräten, während es die 30 Frauen ab 50 Jahren bei der Frauenriege zwei «noch etwas gemütlicher» nehmen: Ihnen geht es mehr darum, fit zu bleiben. Tief verwurzelt im «Dorf» Das trifft auch auf die Seniorinnen ab 65 Jahren zu, die immer noch eine Gruppe von 20 Personen bilden: «Die Älteste wird 90 und turnt noch jeden Dienstag!», erzählt Riegenleiterin Jolanda Flükiger. Neben der Erhaltung der Beweglichkeit geht es ihnen auch darum, sich einmal pro Woche zu treffen und auszutauschen. Denn für viele sei das Soziale ein wichtiger Grund, dem DTV ein Leben lang treu zu bleiben: «Auch ich spreche immer von ‹meinen Frauen›, denn wir sind alle gut befreundet», sagt sie. Der DTV erfüllt eine wichtige soziale Funktion und sorgt für die Verbundenheit mit dem Wohnort. Denn noch immer sind die meisten Turnerinnen aus Seen. Trotz dieses integrativen Moments gebe es kaum zugezogene Frauen aus fremden Kulturen, was Jolanda Flükiger bedauert – aber auch verstehen kann: «Sie haben oft ein anderes Körperverständnis.» Junge Mitglieder zu finden, ist schwierig Nachwuchssorgen hat der DTV keine, das Problem ist eher die Lücke, die nach dem Ausscheiden aus der Meitliriege, also zwischen 18 und 30 Jahren, entsteht: «Die Jungen während dieser Zeitspanne an den Verein zu binden, gelingt nur, wenn man eine ‹mitreissende› Riegenleiterin hat», sagt Flükiger. Und junge Frauen zu finden, die sich dafür engagieren und verpflichten wollen, sei heutzutage schwierig. Dass die vielen Trendsportarten eine Konkurrenz darstellen, glaubt sie hingegen eher nicht: «Wer Fussball spielen oder Jazztanz machen will, tut das meistens noch zusätzlich», sagt sie. Spezialistinnen oder Talente würden sowieso den Verein wechseln. Neben dem wöchentlichen Turnen ist der zu erbringende Zeitaufwand bescheiden: Nur Mädchen- und Frauenriege eins besuchen jährlich ein Turnfest; dafür gehen alle Riegen für ein Wochenende auf Turnfahrt. Gemeinsam mit der Männerriege wird bei der Seemer Dorfet jeweils eine Beiz betrieben und alle zwei Jahre eine Abendunterhaltung organisiert. Je nach Riege kommen noch Klausabend, Schlussstunde oder weitere «kleine Geselligkeiten» dazu. Keulenschwingen ist passé Ein normales Damenriegen-Training besteht aus Aufwärmprogramm, konditionsförderndem Spiel (z. B. dem guten, alten Völkerball) und Gymnastik – die heute unter den Begriff «fit and fun» fällt: «Da hat sich einiges geändert: Wir studieren Bewegungsfolgen zu Musik ein – modern, schnell, langsam – einfach quer durch den Garten», erklärt die Riegenleiterin. Es ist ein Mix aus verschiedenen sportiven Elementen, beeinflusst von aktuellen Trends. Auch sie als Leiterin muss dranbleiben: Um sich zu inspirieren, besucht sie Kurse wie etwa «Dance Moves» – und obwohl ihr das auch Spass macht, glaubt sie nicht, dass sie ihrem Verein abtrünnig wird: «Abspringen ist unmöglich – was würde denn aus meinen Frauen werden?» Der Abschluss des Turnabends gilt dem Dehnen, Herunterkommen, Abkühlen. Auch im wörtlichen Sinne, denn danach geht man «eis go zie» – in Seen natürlich, wobei im Turnus alle «Dorfbeizen» berücksichtigt werden. www.tvseen.ch

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