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«Ich baue nicht auf Hierarchien»

Der Nachfolger von René Prêtre am Kinderspital heisst Michael Hübler. Der 50-Jährige aus Berlin hat schon über 6000 Herzen operiert und gilt als Koryphäe. Er bringt zwei seiner Assistenten mit ins Team.

Was reizte Sie, vom Herzzentrum Berlin ans Kinderspital zu kommen?

Michael Hübler: Zürich hat in der Schweiz und in Europa einen ausgezeichneten Ruf in der Kinderherzchirurgie. Es gibt eine lange Liste berühmter Kinderherzchirurgen. Ich bin stolz, in diese Reihe eintreten zu können.

Sie waren zuvor stellvertretender Klinikleiter am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Sehen Sie die neue Stelle als Chefarzt der Kinderherzchirurgie als beruflichen Aufstieg?

Durchaus. Irgendwann muss man eine solche Abteilung selbst organisiert und die Aufgaben selbst verteilt haben. Ich habe mittlerweile so viel Erfahrung gesammelt, dass die neue Stelle eine sehr schöne Herausforderung für mich ist.

Verdienen Sie hier mehr oder weniger als in Berlin?

Ungefähr gleich viel, wenn man die höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz mit einberechnet.

Sie bringen zwei Assistenzärzte aus Deutschland mit. Warum?

Im Juni und im Juli laufen am Kinderspital zwei Anstellungen von Assistenzärzten aus. Diese waren befristet und müssten ohnehin neu besetzt werden, um das Funktionieren der Abteilung zu gewährleisten.

Hätten Sie in der Schweiz keine brauchbaren Assistenzärzte gefunden?

(Schmunzelt) Die Vorgänger dieser beiden Personen, die ich ersetzen werde, sind auch keine Schweizer, sondern Deutsche.

Ein Indiz dafür, dass die Schweiz zu wenig Ärztenachwuchs ausbildet.

Das scheint so.

Deutsche Ärzte stehen im Ruf, grossen Wert auf Hierarchien zu legen. Können Sie dies bestätigen?

Die alten Kader in Deutschland haben ein sehr hierarchisches System unterhalten. Ich glaube, die neue Generation ist da anders. In der Kinderherzchirurgie kommt es extrem auf Teamarbeit an. Der Kinderherzchirurg ist nur so gut wie der Kinderkardiologe oder der Kardiotechniker. Ich bin nicht die Person, die sehr auf hierarchische Strukturen baut. Ich möchte die Leute selbstständig arbeiten lassen und ihnen Verantwortung übertragen, sodass sie motiviert sind und ihre Leistung optimal bringen können.

Sie beginnen offiziell am 1. Juli, sind aber schon seit einigen Tagen hier am Kinderspital und schnuppern. Ihr erster Eindruck?

Ich sehe, dass alles sehr gut organisiert ist und es hier ganz hervorragende Menschen gibt, die mit ihren Aufgaben vertraut sind. Zudem sehe ich interessante Forschungsbereiche am Kinderspital.

Und etwas beengte Platzverhältnisse.

Ja, aber ich glaube, es gibt Möglichkeiten, zu optimieren. Indem man zum Beispiel eine speziell auf die Bedürfnisse von herzkranken Kinder abgestimmte Abteilung einrichtet.

Was ist hier weniger gut als in Berlin?

Im Herzzentrum Berlin bestand ein Vorteil darin, dass auch maschinelle Ressourcen aus der Herzchirurgie für Erwachsene zur Verfügung standen. Im Gegensatz dazu sind hier sehr viele Spezialisten an Ort und Stelle. Etwa Fachleute für Lungen oder Kinderchirurgie, die wir in Berlin meist von extern holen mussten.

Was haben Sie für ein Verhältnis zur Kinderherzchirurgie?

Sie ist meine Passion. Man bringt 80 bis 100 Stunden in der Woche in der Klinik zu. Man leidet mit. Und wenn es einem Kind nicht gut geht, ist man rund um die Uhr damit beschäftigt, die Si­tua­tion zu verbessern. Die Kinderherz-chirurgie ist zudem ein Gebiet, das sich schnell entwickelt, sodass man sich ständig damit beschäftigen muss.

Wie funktioniert die Zunft der Kinderherzchirurgen?

Sie ist klein. In der Schweiz und in Deutschland gibt es nur ganz wenige. Jeder kennt den andern und vergleicht sich. Es herrscht Konkurrenz, aber im positiven Sinn.

Spüren Sie einen Erwartungsdruck als Nachfolger eines Stars wie Prêtre?

Ich darf sagen, dass ich in Berlin mit sehr grossem Erfolg operiert und gearbeitet habe. Nach rund 6000 Herzoperationen ist mein Spektrum so gross, dass ich in medizinischer Hinsicht keine Bedenken habe, die Qualität halten zu können, die Herr Prêtre produziert hat.

Sie sind in Deutschland so berühmt wie Herr Prêtre in der Schweiz?

Das kann man so sagen.

Sie sind mit Ihrer Frau, die auch Herzchirurgin ist, nach Zürich gezogen.

Sucht sie sich nun auch einen Job hier?

Sie ist noch ganz mit der ganzen Umstellung beschäftigt und wird sich im Laufe des nächsten halben Jahres umsehen. Es gibt ja einige herzchirurgische Einrichtungen in Zürich.

Stört es Sie, dass die Spitalleitung nicht will, dass Ihre Frau als Herzchirurgin in Ihrem Team arbeitet?

Nein, es gibt personelle Überschneidungen, die man besser vermeidet. In Berlin waren wir zwar beide am Herzzentrum angestellt, ar­bei­te­ten aber in verschiedenen Abteilungen.

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