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«Ich habe ja keine Deadline»

Als Bub stiess er mit dem Blaue Bähnli zusammen, was eine Neugeburt war. Am Sonntag feiert der Mummenschanz-Mitbegründer Bernie Schürch seinen 70. Geburtstag.

Seinen Rücktritt aus der weltberühmten Maskentheater-Truppe hat Bernie Schürch in keinem Moment bereut. Aus den 41 Jahren mit Mummenschanz habe er eine «Hutte» voller schöner Erlebnisse und Anekdoten zusammengetragen. Einen Teil davon möchte er zu einer Romanbiografie verarbeiten. «Keine normale Autobiografie, das wäre ja langweilig» – vielmehr stellt er sich etwas Erzählfreudiges vor, «auch mit ein bisschen Übertreibung». Einen fähigen Co-Autor sucht er noch, aber das hat Zeit. «Ich habe ja keine Deadline.»

Berchtold «Bernie» Schürch kam am 3. August 1944 als jüngstes von fünf Geschwistern in Thun zur Welt. Als Kleinkind litt er unter einem starken Ekzem, zeitweise wurden ihm die Hände verbunden und die Arme fixiert, damit er sich nicht blutig kratzen konnte. Den damals unterdrückten Spieltrieb lebte er später als Pantomime aus, wie er sagt. Ebenfalls prägend war ein Zusammenstoss des 13-Jährigen mit dem Blaue Bähnli, dem Tram nach Worb. Als er nach zwei Tagen aus dem Koma erwachte, sei das für ihn wie eine Neugeburt gewesen. Ein paar Monate später wusste er auch, wozu er neu geboren worden war: Im Stadttheater Bern sah er den Pantomimen Marcel Marceau und wusste: «Das will ich auch machen.»

Auf dem Broadway

Zur Beruhigung der Eltern machte er aber zunächst eine kaufmännische Lehre. 1966 schrieb er sich in der Schauspielschule Bern ein und trat mit den Berner Pantomimen und dem Cabaret Zahnstocher auf. Zwei Jahre später ging er nach Paris in die Theater- und Bewegungsschule von Jacques Lecoq. Dort traf er auf den Zürcher Andres Bossard, mit dem er immer mehr wortlose, rein visuelle Ausdrucksformen erprobte.

Die beiden gründeten im Jahr 1972 zusammen mit Floriana Frassetto die Gruppe Mummenschanz, um am Theaterfestival in Avignon aufzutreten. Es folgten Tourneen durch Europa, Nord- und Südamerika und als vorläufiger Höhepunkt Programme am New Yorker Bijou Theatre am Broadway. 1977, anlässlich der 200. Vorstellung, erhielt die Schweizer Truppe eine Ehrenurkunde der Stadt New York. Die Reklame für Mummenschanz ging sogar in die Filmgeschichte ein: In Woody Allens «Manhattan» ist sie kurz zu sehen.

Auch nach dem Tod von Andres Bossard 1992 wurde Mummenschanz mit Erfolg weitergeführt. Lange Diskussionen hat es auch gegeben, als Bernie Schürch dem En­sem­ble 2009 wegen körperlicher Gebrechen, die auf die akrobatische Belastung zurückzuführen sind, seinen Rücktritt ankündigte. Ersetzt wurde er vom Zürcher Tänzer und Choreografen Philipp Egli. Irene Widmer, sda

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