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«Ich habe keine Heizung im Laden, aber ohne Stefanini hätte ich keinen Laden»

Während in Bruno Stefaninis Stiftung ein Machtkampf um ein Milliardenvermögen tobt, hoffen die Ladenbetreiber in der «Steibi» alle auf dasselbe: dass das Mietverhältnis mit Stefaninis Unternehmen gleich bleibt.

Ein rundes Drittel der Liegenschaften in der Steinberggasse gehört Bruno Stefanini persönlich. Das besagt ein mehrseitiger Auszug des Grundbuchamtes, der dem «Landboten» seit dieser Woche vorliegt. Damit ist der Winterthurer Immobilienkönig auch ein Schirmherr über einen Grossteil der Läden und Geschäfte in der Steinberggasse. Wo man auch hineintritt und die Betreiber auf ihren stadt-, ja schweizweit bekannten Vermieter anspricht, wird einem Stefaninis Schirmherrschaft als existenziell beschrieben: «Ohne den fairen Mietzins, den Herr Stefanini verlangt, könnte ich an solcher Altstadtlage gar keinen Laden betreiben», sagt Myrtha Kriemler, die seit sieben Jahren «Hut Art» und Hut-Stilberatung auf die «Steibi» bringt. Im Winter muss Kriemler den knapp 40 Quadratmeter grossen Laden mangels Zentralheizung mit dem Elektroöfeli beheizen. Wenn im seit Jahrzehnten kaum sanierten Gebäude etwas kaputt ist und die Mieter das melden, werde es aber meist sofort durch die Verwaltung erledigt. Vorteil überwiegt Nachteile Was für Kriemler zählt, ist, dass sie ihr «echtes Huthandwerk» anderswo in der Altstadt gar nicht verkaufen könnte, weil sie angesichts mehrfach höherer Mietzinse Preise verlangen müsste, welche ihre Lauf- oder Stammkundschaft kaum mehr bezahlen würde. In ihren Augen spielt Bruno Stefanini eine tragende Rolle dabei, dass es in Winterthur überhaupt noch solche Läden gibt. Wer auch immer den Machtkampf um sein Erbe gewinne: «Ich hoffe fest, dass die Immobilienpolitik in der ‹Steibi› bleibt, wie sie ist.» Ähnlich sehen das auch andere Gewerbetreibende, zum Beispiel die Verkäuferin im Chrüter-Huus gegenüber: «Wir haben zwar nicht einmal warmes Wasser, müssen also jeweils Wasser kochen, bevor wir den Laden putzen», berichtet Silvia Waibel. Und dennoch: Ein Laden, der selbst importierte und zubereitete Teemischungen anbietet, liesse sich bei den meisten anderen Vermietern in der Altstadt wohl kaum betreiben. Auch Waibel findet, dass der Vorteil in Stefaninis Imperium mehr ins Gewicht fällt als die Nachteile: Als kürzlich massenhaft Tauben ihren Kot vor dem Eingang absetzten, weil sie es sich auf dem Gerüst des Nachbargebäudes gemütlich gemacht hatten, genügte ein Anruf bei ­Stefaninis Terresta AG, um das schmutzige Geschäft umgehend zu verlagern. Bei der Altstadt-Coiffeuse, dem Nähatelier oder der Polsterwerkstatt, überall lebt dieselbe Hoffnung: «Hoffentlich blühen uns keine grossen Sanierungen und dar­auffolgende Mietzinserhöhungen; so können wir noch ein paar Jahre bleiben, wo wir sind», sagt stellvertretend Thomas Mink, der im oberen Teil der Steinberggasse seit 1988 seine Polsterwerkstatt betreibt. Mink übernahm einst das Geschäft seines Vaters in der Spitalgasse und ist einer der wenigen, die mit Bruno Stefanini persönlich Kontakt hatten, wenn er ihm gelegentlich Polstermöbel restaurieren durfte. Wie Kriemler glaubt auch Mink, dass der Immobilienkönig und Kunstsammler das Kleingewerbe bewusst gefördert hat, indem er seine Liegenschaften in der Steinberggasse stets nur zurückhaltend gepflegt und verwaltet hat.

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