Zum Hauptinhalt springen

«Ich hätte nie gedacht, dass ich 100 werde»

Morgen wird Klara Kilchenmann 100 Jahre alt. «Ich bin zufrieden, ich hatte ein schönes Leben», sagt die gebürtige Dättlikerin. Sie hat 29 Urenkel, lebt in Pfungen und führt nach wie vor einen eigenen Haushalt.

«Bitte treten Sie ein.» Die,ältere , die dies sagt, heisst Klara Kilchenmann und wird morgen 100 Jahre alt. Auf dem Esstisch steht eine . heute Morgen . Die Seniorin zeigt im Vorbeigehen das Produkt ihrer Arbeit: eine ,mit orangem Kreuzstich zusammengenäht. «Die Stoffteile habe ich aus einer alten Cordhose.» Wenn der ehemaligen Schneiderin langweilig wird, greift sie jeweils zur Nähmaschine. Däumchen drehen ist nicht ihr Ding. Die und Urgrossmutter von Urenkeln liest auch gern die Tageszeitung, wenn sie nicht gerade mit einem Mitglied ihrer grossen Familie beschäftigt ist. «Ich gehe auch jeden Tag auf einen grösseren Spaziergang.» Dann zieht es sie Richtung Wald, wo sie sich schon als Kind gern und oft aufhielt. «Als Vierjährige lief ich zum ersten Mal allein den Irchel hinauf», erinnert sich die gebürtige Dättlikerin, die am 4. Dezember 1913 zur Welt kam und mit zwei Schwestern im Obergeschoss der alten «Traube» aufgewachsen ist. «Ich habe als Mädchen immer Blümchen gesucht.» Auf einer grossen Wiese entdeckte sie eines Tages zum Erstaunen ihres Vaters Enziane. «Wo findest du die nur immer?», habe er gefragt. Heute läuft Klara Kilchenmann zwar nicht mehr den Irchel hinauf. Für ihre 99 Jahre ist sie aber immer noch gut zu Fuss: «Ich nehme halt zur Entlastung den Rollator mit, denn ich habe schon etwas Arthrose in den Knien», räumt sie ein. Morgen, an ihrem hohen runden Geburtstag, werden ihre beiden Töchter und die zwei Söhne sie zum Frühstück besuchen. «Ich muss dann gar nichts machen.» Und später trifft sich die ganze Gesellschaft zum Abendessen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so alt werde», sagt Klara Kilchenmann lachend. «Denn als Kind war ich oft krank und habe immer gehustet.» Der Herzklappenfehler, der dafür verantwortlich war, wurde erst entdeckt, als sie 85 Jahre alt war. Die Medizin konnte helfen. Heute erfreut sich die vitale 99-Jährige, die problemlos als 80-Jährige oder sogar als Mittsiebzigerin durchgehen könnte, guter Gesundheit. «Ich habe erstaunlicherweise alle überlebt», sagt sie – und meint damit vor allem ihren Mann und die beiden Schwestern, von denen die eine älter und die andere jünger war. Ihren Mann, einen Wirtssohn aus Brütten und späteren Werkmeister, heiratete sie . «Ich war damals 25 Jahre alt, wir zogen dann nach Pfungen.» Die beiden Eheleute hatten es gut miteinander. 1982 musste Klara Kilchenmann schmerzlich miterleben, wie das Herz ihres Gatten versagte. «Das werde ich nie mehr vergessen.» «Ich lebe einfach» Das Altersheim war für sie bisher kein Thema. «Ich würde aber schon gehen, wenn ich nicht mehr mag.» Das Geheimnis ihrer aussergewöhnlichen Vitalität beschreibt sie so: «Ich mache nichts Besonderes, ich lebe einfach.» Wenn man mit sich selbst zufrieden sei und sich nicht in die Angelegenheit anderer einmische, gehe es einem besser. «Das Leben ist ja sowieso nicht einfach, man muss einfach damit klarkommen.» Klara Kilchenmanns Grosseltern führten die «Traube», zu der neben einem Landwirtschaftsbetrieb auch eine Bäckerei gehörte. In der Familie habe sie sich eher als Aussenseiterin gefühlt, erinnert sich die Seniorin. «Ich ging lieber Blümchen pflücken, während meine Schwestern gern auf der Strasse spielten.» Ihre Grossmutter, die Wirtin Elisabeth Müller-Wegmann, verstand die kleine Klara. «Mit ihr verband mich sehr viel», schwärmt Klara Kilchenmann. Noch heute denke sie jeden Tag an ihre Grossmutter. Nach der Schulzeit ar­bei­te­te die 14-Jährige zwei Jahre lang in einer Teigwarenfabrik. «Doch ich wollte eigentlich Schneiderin werden.» Dass sie diesen Beruf schliesslich in Töss erlernen durfte, war auf der ganzen Linie ihr eigenes Verdienst. «Von zu Hause erhielt ich keine Unterstützung.» Trotz dieses Wermutstropfens blickt die Jubilarin zufrieden auf die letzten 100 Jahre zurück. «Ich habe ein schönes Leben gehabt und darf es mit meiner grossen Familie immer noch geniessen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch