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«Ich muss grad etwas spielen»

Regula Nyffenegger kann derzeit keine fünf Minuten ungestört Radio hören. Trotzdem findet sie: Die ganze Situation hat auch gute Seiten.

Aufgezeichnet von Delia Bachmann
Regula Nyffenegger ist Buchhalterin und hat zwei Söhne: Ron (7) besucht die erste Klasse, Marlon (3) geht in die Spielgruppe.
Regula Nyffenegger ist Buchhalterin und hat zwei Söhne: Ron (7) besucht die erste Klasse, Marlon (3) geht in die Spielgruppe.
PD

«Mein Sohn Ron (7) geht in die erste Klasse. Letzten Mittwoch bekam er die ersten Miniaufgaben, etwa zehn Minuten pro Tag, um sich an die Situation zu gewöhnen. Seit dieser Woche hat er nun Zugang zur Lernplattform Schabi (Schule am Bildschirm). Da sitzt er jetzt etwa eine Stunde pro Tag davor, bis er ausflippt. Es ärgert ihn, dass er Aufgaben machen muss und sein kleiner Bruder Marlon (3) nicht. Der Kleine versteht wiederum nicht, warum der grosse Bruder nicht mit ihm spielen kann.

Die Ufzgi hat Ron eigentlich gut akzeptiert, aber er ist noch im Ferienmodus. Es dauert, bis er sich hinsetzt. «Ich muss grad etwas spielen», sagt er dann. Und das auch noch, wenn ich ihn eine halbe Stunde später erneut frage. Am schwierigsten ist es, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Heute habe ich versucht, fünf Minuten lang Radio zu hören, um zu erfahren, was draussen in der Welt los ist. Vergeblich. Sie haben sich schon daran gewöhnt, dass ich jetzt ständig auf Abruf bin. Schwierig ist das Einkaufen. Weil die Kinder alles anfassen, will ich sie nicht mitnehmen. Oft geht mein Mann, der als selbstständiger Grafiker arbeitet. Er hat auch weniger zu tun, weil in der Zeit keine neuen Aufträge reinkommen. Statt den Grosseltern passt nun er an den zwei Tagen, an denen ich in einem Treuhandbüro arbeite, auf die Kinder auf. Zwar machen wir uns Sorgen um die Eltern und die Wirtschaft. Das Ausbrechen aus dem Alltagstrott hat aber auch schöne Seiten: Wir sind als Familie näher zusammengerückt.»

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