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«Ich will nicht nur die Kosten senken»

Antimo Perretta ist neuer Axa-Chef und damit Herr über die mitarbeiterstärkste Firma der Stadt. Er sieht die Zukunft der Versicherung im Internet – und hält sich selbst für den besten Kunden.

Herr Perretta, wie viele Versicherungen besitzen Sie?

Antimo Perretta*: Ich habe 13 oder 14 verschiedene Policen. Ich glaube, ich bin bei uns der Privatkunde, der am meisten Versicherungen hat.

Und wann war der letzte Schadenfall?

Puh, da kann ich mich nicht mehr recht erinnern. Es ist lange her. Mein Sohn touchierte aber kürzlich mit dem Auto eine Wand. Er muss die Reparatur allerdings selbst zahlen, weil der Schaden nur 500 Franken beträgt und der Selbstbehalt gerade bei 500 Franken liegt.

Also alles gut für die Versicherung.

Ja (lacht). Im Ernst: Versichert ist man ja nicht für Lappalien, sondern damit man auf der sicheren Seite ist, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert.

Sie sind seit knapp zwei Monaten CEO, aber schon seit 2007 bei Axa. Was ist anders, wenn man Chef ist?

Vieles. Ich habe jetzt mehr mit Finanzzahlen zu tun, ich habe mehr Meetings, und ich bekomme mehr Korrespondenz auf Englisch. Zudem habe ich mehr mit anderen Leuten zu tun, mit der Finanzabteilung zum Beispiel.

Wie viel Macht haben Sie eigentlich als Schweizer Chef? Können Sie Ihren Markt eigenständig gestalten oder sind Sie Handlanger der Pariser Zentrale?

Paris gibt uns einen gewissen Rahmen vor. Innerhalb dieses Rahmens besitzen wir aber sehr viele Freiheiten. Paris will uns nicht in eine Jacke stecken, die uns nicht passt. Man sieht das zum Beispiel an meiner Einsetzung als CEO. Ich bin kein Franzose, sondern komme aus der Region. Ich möchte die Arbeit, die in Winterthur in den letzten Jahren ge­leistet wurde, fortsetzen.

Also keine zentralistische Führung?

Nein. Sehen Sie, ich war ja lange Vertriebschef. Da wusste ich doch nicht, was mein Agent im Appenzell macht. Das musste ich auch nicht wissen, weil ich in einem System gearbeitet habe, das funktionierte, zusammen mit Menschen, denen ich vertraute.

Der Einfluss des Schweizer Managements ist aber begrenzt. Ihr Vorgänger, Philippe Egger, wollte den Zusatz «Winterthur» aus dem Namen streichen, doch Paris untersagte es ihm.

Ich bin froh, dass wir «Axa Winterthur» belassen haben. Wir würden ja nicht effizienter, wenn wir diese Bezeichnung wegliessen. Wir würden aber etwas verlieren: eine eta­blier­te, bekannte Marke und ein Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt und der Schweiz. Allerdings ist es schon so, dass Axa grundsätzlich eine Ein-Marken-Strategie verfolgt.

Ihr Vorgänger galt als Rappenspalter. Angeblich nutzte er nicht einmal einen Firmen­wagen. Sind Sie da anders?

Nein, ich handhabe das gleich. Philippe Egger machte dies so, weil er überzeugt war, dass es einer Firma nur dann gut gehen kann, wenn sie effizient organisiert ist. Und als Chef muss man mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist auch meine Philosophie. Ich möchte aber nicht, dass man in fünf Jahren in der Zeitung liest, ich hätte nur die Kosten gesenkt. Ich möchte auch eine Vision realisieren. Ich möchte Axa entwickeln.

Was wollen Sie genau tun?

Es ist wichtig, dass wir Trends früh­zeitig erkennen. Dann können wir die Firma so aufstellen, dass sie bereit ist, wenn die Kunden ihr Verhalten ändern. Ein solcher Trend ist die digitale Transformation. Wir werden dieses Jahr eine Kundenplattform aufschalten, mit der die Kunden ganz leicht über Internet mit uns in Kontakt treten können.

Im Moment ist das Onlinegeschäft noch ein kleines Business für Sie.

Es geht nicht nur um Onlineabschlüsse. Es geht auch darum, dass Kunden uns zum Beispiel leicht einen Schaden melden können, etwa mit dem iPad. Der digitale Weg ist ein ganz neuer Weg, um mit den Kunden zu interagieren.

Der Markt ist gesättigt, wie man sagt. Die Leute brauchen ja nicht zwei Versicherungen für das gleiche Auto. Können Sie überhaupt noch wachsen?

Natürlich. Man kann immer wachsen. Ich habe Ihnen ja gesagt, wie viele Versicherungen ich selbst besitze (lacht). Es gibt auch neue Produkte wie zum Beispiel Handy­versicherungen. Zudem möchten wir, dass unsere Kunden möglichst viele ihrer Versicherungen bei uns haben.

Letztes Jahr nahm Axa mehr Prämien ein. Der Gewinn ging aber zurück. Wo ist das zusätzliche Geld denn hingeflossen?

Es ist nicht so, dass irgendwohin Geld abgeflossen wäre. Der Gewinn ist leicht zurückgegangen, weil wir bei unseren Anlagen mit den tiefen Zinsen zu kämpfen hatten und dar­um eine kleinere Rendite erzielen konnten.

Hatten Sie nicht auch höhere Kosten?

Nein, wir haben die Ausgaben erneut gesenkt. Bei uns läuft noch bis 2015 ein Effizienz­programm. Damit wollen wir innert fünf Jahren die Kosten um 150 Millionen Franken senken.

Im Moment ist die Axa mit etwa 3000 Mitarbeitern der klar grösste private Arbeitgeber der Stadt. Bleibt das so, oder können Sie da noch sparen?

Es ist kein grösserer Personalabbau vorgesehen. Winterthur ist unser wichtigster Platz, wir wollen hier bleiben und von hier aus unser Geschäft betreiben. Kosten sparen kann man ja nicht nur mit einem Abbau. Man kann auch Prozesse optimieren. Wenn die Schadenerfassung online erledigt wird, spart das zum Beispiel Zeit und Mittel. Man kann auch effizienter werden, wenn man das Geschäftsvolumen steigert. Dann kann man mehr Volumen mit den gleichen Systemen und den gleichen Mitarbeitern bewältigen.

* Antimo Perretta ist seit Januar CEO von Axa Winterthur, wo er zuvor die Sparten Kollektiv­leben und Distribution leitete. Der 51-Jährige ist schweizerisch-italienischer Doppelbürger. Er ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Herrliberg.

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