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«Ideal wäre ein Lehrer für alles»

Bildungsdirektorin Regine Aeppli stand am Donnerstag im StadTalk Red und Antwort zu den aktuellen Abstimmungs- vorlagen, ihrer Karriere und dem Schweizer Bildungssystem.

«Frau Aeppli, sind Sie eine Spielernatur?» Mit seiner ersten Frage bringt Moderator René Donzé die Regierungsrätin ins Stocken. Sie outet sich nach ein paar Sekunden Pause als Computerspielerin, die gerne abends vor dem Einschlafen virtuelle Quallen jagt – ins Casino gehe sie allerdings nicht. Nach dem verspielten Einstieg dreht sich das Gespräch in der Coal­mine-Book-Bar aber hauptsächlich um Aepplis politische Karriere.

Seit zehn Jahren ist sie als Bildungsdirektorin des Kantons Zürich Chefin von mehr als 10 000 Lehrerinnen und Lehrern und zuständig für mehr als 200 000 Lernende an Volks-, Hoch- und Berufsschulen. Offensichtlich fühlt sie sich im Schulwesen heute zu Hause und zollt dem Lehrberuf hohen Respekt: «Es ist ein Privileg, eine solch sinnhafte Arbeit ausführen zu können.» Den Weg in dieses Feld fand sie auf Umwegen. Sie hat Jura studiert und hat sich nie als Lehrerin gesehen. «Meine pädagogische Ader ist sehr beschränkt, da können Sie meine Kinder fragen. Eine Exekutivfunktion entspricht mir mehr», sagt sie zu ihrer Berufswahl.

Das Kreuz mit dem Sparen

Bei der Wahl 2003 in den Regierungsrat hatte sie noch keine Präferenz für eine bestimmte Position. Ihr Vater, ehemals Physiklehrer an der Kantonsschule Rychenberg, sagte zu ihrer Wahl als Bildungsdirektorin: «Es ist nicht so einfach mit den Lehrern.» Diese Erfahrung musste Aeppli bald selbst machen, als es 2004 Demonstrationen gegen ihre Sparmassnahmen gab. Lange danach habe sie noch unter einem Generalverdacht gestanden, immer sparen zu wollen. Heute habe sie aber ein gutes Verhältnis zu den Lehrern.

Über die Pisa-Studie kommt die Diskussion auf die Tatsache zu sprechen, dass es beim Wissensstand der Schüler am Ende ihrer Primarschulzeit grosse Unterschiede gibt. Donzé fragt pointiert: «Macht die Schule etwas falsch?» Aeppli sieht den Ursprung dieses Pro­blems im Umfeld der Schüler: «Bildungsferne von zu Hause aus, das ist wie ein Klotz am Bein, und das können Lehrer nicht wettmachen.» An Ideen für eine Optimierung fehlt es der Bildungsdirektorin aber nicht. In jedem Fall ist Aeppli davon überzeugt, dass die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler essenziell für den Lernerfolg ist.

Verzettelung als Problem

Damit kommt sie auf die aktuelle Abstimmung zu sprechen. Unter der Verzettelung mit Teilzeitpensen leide diese Beziehung, zudem werde ein ungeheurer Bedarf an Absprachen generiert, der für die Lehrpersonen eine grosse Belastung darstelle. Ein Klassenlehrer, der alle Fächer unterrichten kann, wäre das Wunschmodell. Allerdings ar­bei­te­te die Pädagogische Hochschule bei der Ausbildung des Lehrpersonals in eine andere Richtung. Etwas verhalten räumt Aeppli ein, dass die Spezialisierung, auf die in den letzten zehn Jahren hingearbeitet wurde, nicht optimal sei.

«Rad nicht neu erfunden»

Thema ist auch der «Lehrplan 21». Damit soll der Bildungsartikel von 2006 umgesetzt werden. Im Vordergrund stehe dabei die Vereinheitlichung der Anzahl an Unterrichtslektionen. Momentan mache der Unterschied an Lektionen am Ende der Primarschulzeit in den verschiedenen Kantonen teilweise über ein Jahr unterrichtete Schulzeit aus. Zudem soll der Lehrplan zukünftig die zu erreichenden Kompetenzen der Schüler definieren und nicht mehr einfach Lernziele vorgeben. Was das genau bedeutet, führt Aeppli nicht aus, sie meint allerdings: «Mit dem Lehrplan 21 wird das Rad nicht neu erfunden, vieles davon ist in den kantonalen Lehrplänen schon heute enthalten.» Die Zuschauerfragen zeigen, wie umstritten die Thematik ist: Die erste Frage zielt auf den Wunsch nach integrativem Unterricht, während sich aus der anderen Ecke jemand nach der Zukunft von Stärkeklassen erkundigt.

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