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«Il pioniere» gibt auf und startet neu

Als Restaurantpionier beim Eulachpark gestartet, muss Gerardo Prezio sein Gerry’s nach knapp zwei Jahren wieder aufgeben. Die Interessenten stehen Schlange.

Der 17. März 1980 und der 29. September 2012 sind zwei Daten, die sich tief in Gerardo Prezios Gedächtnis eingeprägt haben. Vor über 35 Jahren landete der gebürtige Kalabrier erstmals in Winterthur, zunächst für einen kurzen Zwischenhalt. Zu acht waren er und Kollegen mit vier Vespas in Süditalien «losgehottert». Ziel: Deutschland. Wenig später kam Prezio wieder in die Schweiz und blieb. Seit März 1980 ist er in Winterthur registriert. 32 Jahre später verwirklichte er hier einen lange gehegten Traum – und machte sich damit unverhofft zum Pionier. Im September vor zwei Jahren eröffnete Prezio seine Gerry’s Bar, eine kleine Pizzeria mit Blick auf den Eulachpark. Er war der Erste, der dem neuen Wohnquartier in Neuhegi – nach langem Warten (siehe Box) – mit seinem Lokal neues Leben einhauchte. «Es lief verhalten an, danach aber immer besser», sagt Prezio und schmunzelt. Er sei zufrieden gewesen. Schmerzverzerrt ist sein Gesicht erst, als er sich setzt. Vor wenigen Monaten hatte der 58-Jährige seinen dritten Bandscheibenvorfall. «Dass ich nicht mehr 12 Stunden täglich wirten kann, war schnell klar», sagt er. Das Gerry’s ist inzwischen auf mehreren Immobilienportalen für 380 000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Kaffeebohnen neben Wandverkleidung Lieber wäre es Prezio, er könnte die Pizzeria verpachten statt verkaufen. «So wäre garantiert, dass sie ihren Charakter behält», sagt er. Der neue Pächter solle das ­Lokal mit neuen Ideen bereichern, nicht verramschen. «Ein 08/15-Schnellimbiss, das täte weh.» Findet er bis Mitte August keinen geeigneten Pächter, verkauft er dennoch. Der Standort scheint attraktiv. Innert zwei Wochen meldeten sich zwölf interessierte Pächter und zwei Käufer. Sie würden nicht die Katze im Sack kaufen. Rund 80 Gäste pro Tag besuchen das Gerry’s heute. Prezio kann auf eine treue Stammkundschaft aus den Industriebetrieben zählen. Bei Sulzer Services arbeitete er 17 Jahre lang als Hauswart, ­zuletzt als leitender. Man kennt «Gerry» an der Sulzer-Allee. Mit der Vegibeiz Ida und dem Restaurant in der Halle 710, das inzwischen auch «Pizza über d?Gass» verkauft, ist die Konkurrenz aber gewachsen. Davon ­erdrückt worden sei er aber keineswegs, beteuert Prezio. «Gerry» geht nicht mit Groll, eher mit Wehmut. Mit dem Schicksal hadern mag er aber nicht. «C’est la vie!», sagt der Kalabrier. Ein neues Projekt hat er längst ­angestossen: Der Quartierladen, in dem er Kaffee, Olivenöl und Paneele anbietet, ein Wandverkleidungs-Klicksystem, wird schon bald öffnen – gleich um die Ecke des Gerry’s. Till Hirsekorn Wer in Winterthurs grösstem Park essen wollte, musste sich lange Zeit mit einem Imbiss aus der eigenen Tupperware begnügen. Erstes temporäres Gastro-Angebot im Quartier war Ende 2011 die Baustellenbeiz «Mabuhay», während das Mehrgenerationenhaus Giesserei gebaut wurde. Die Hoffnungen ruhten auf der im Juni 2012 neu eröffneten Halle 710, wo man ein Restaurant miteingebaut hatte – vergebens. Die Stadt hatte keinen Pächter gefunden. Drei Monate später eröffnete Gerardo Prezio an der Ida-Sträuli-Strasse seine Pizzeria «Gerry's Bar». Im August und September 2013 kriegte er gleich zweifach Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft. In der Halle 710 stieg der neue Wirt Suad Zalic mit «gutbürgerlicher Küche» ein und bietet inzwischen auch Pizza an. In der Giesserei öffnete das Restaurant Ida und verlieh sich eine ganz eigene Würze: Viel Bio, Kollektiv vor Hierarchie und dem bewusster Verzicht auf Werbung. Dennoch lockt es mit seiner «regionalen, saisonalen Küche» ein buntes, nicht nur rotes, Publikum an. Wer das «Gerry's» m August übernimmt oder neu pachtet, ist noch offen. hit

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