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Im Fall Mörgeli haben viele versagt

Rund um die Entlassung von Christoph Mörgeli an der Universität Zürich haben die meisten Beteiligten versagt. Zu diesem Schluss kommt die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit, die gestern ihren Bericht vorgestellt hat.

Um die Ereignisse am Medizinhistorischen Institut aufzuklären, hat die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit (ABG) im letzten halben Jahr alle Involvierten teilweise mehrmals befragt. Den daraus entstandenen Bericht hat die Kommission einstimmig abgesegnet und gestern den Medien präsentiert.

Nach Meinung der ABG tragen in erster Linie die obersten Führungsorgane der Universität die Verantwortung für die Eskalation rund die Entlassung Mörgelis. Insbesondere die Rolle der Präsidentin des Universitätsrates, SP-Regierungsrätin Regine Aeppli. erscheint zweifelhaft. Sie soll die Kündigung Mörgelis angeordnet und damit ihre Kompetenzen überschritten haben.

Führung vernachlässigt

Der Bericht macht ebenso klar, dass lange vor der Entlassung des Kurators und SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli schwere Fehler begangen wurden. So habe der frühere Leiter des Instituts, Beat Rüttimann, kaum Interesse am Bereich Medizinalgeschichte und am Medizinhistorischen Museum gezeigt und die Führung seines Mitarbeiters stark vernachlässigt.

Iris Ritzmann, die später die Leitung interimistisch innehatte, erkannte die Defizite, konnte sie aber nicht beseitigen. Als Flurin Condrau im Februar 2011 die Leitung übernahm, bemängelte er den Zustand der Sammlung sowie die Leistungen Mörgelis. Seine Beanstandungen wurden jedoch nicht gehört, weder von Dekan Klaus Grätz noch von Prorektor Daniel Wyler. Ebenso, heisst es weiter im Bericht, schien niemand die Brisanz um die Person Mörgeli im Zusammenhang mit der steigenden Gefahr der Eskalation erkennen zu wollen.

Nach einem ersten Mitarbeitergespräch mit Mörgeli im Februar 2012 gleiste Condrau eine Zielvereinbarung auf. Würde diese bis im September nicht erreicht, sollte eine sechsmonatige Bewährungsfrist in Kraft treten. Dies beurteile die ABG als richtiges Vorgehen. Es sei jedoch «ungeschickt», dass Condrau in Gesprächen verlauten liess, Mörgeli werde die vereinbarten Ziele nicht erreichen. Iris Ritzmann wird vorgeworfen, dies gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bekannt gemacht zu haben.

Aussage gegen Aussage

Nach der Publikation kam es zu einer Sitzung mit Regine Aeppli, Rektor Andreas Fischer und einer Personalverantwortlichen. Darin soll Aeppli die Kündigung Mörgelis angeordnet haben. Aeppli bestreitet dies.

Gemäss der ABG falle auf, dass sich die Aussagen des Rektors und der Personalverantwortlichen decken und es keinen Grund gebe, dass diese die Unwahrheit sagen sollten. Weiter kritisiert der Bericht eine Aussage Aepplis gegenüber der «Rundschau». Im Verlauf des Interviews sprach sie von einer Bewährungsfrist von sechs Monaten, die man Mörgeli auferlegt habe. Kritik übt die ABG zudem am Vorgehen des Universitätsratsmitglieds Kathy Riklin, die in ihrer Eigenschaft als CVP-Nationalrätin wiederholt gegenüber Medien das Verhalten Mörgelis beanstandete.

Zu Mörgeli und Ritzmann äusserte sich die ABG nicht weiter. Sie wolle nicht in laufende gerichtliche Verfahren eingreifen. Die Kommission gab jedoch Empfehlungen. Unter anderem regt sie an, die Kommunikationsverantwortlichen künftig in die Entscheidungsfindung einzubeziehen und die Universitätsleitung als Kollegialbehörde zu stärken. Letzteres hat die Führung der Uni bereits angeordnet. Heinz Zürcher

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