Zum Hauptinhalt springen

Im Gleichschritt in die Niederlage

Zürich/Basel. Zuerst GC 0:2 gegen Thun, dann der FCB gar 0:3 gegen Luzern: Die beiden Super-League-Ersten erlitten Heimniederlagen, die unbestritten verdient waren.

Am Samstagabend musste die GC-­Gemeinde das 0:2 gegen Thun als schmerzliche Niederlage nach einer der schwächsten Leistungen der Saison registrieren. Und die Gefahr sehen, dieser Nuller wachse sich tags dar­auf gar zu einer Art Vorentscheidung im Titelkampf aus, wenn der FCB mit dem budgetierten Heimsieg gegen den FC Luzern die Reserve auf GC auf sechs Punkte ausdehnen würde. Aber dann leisteten sich die Basler ihrerseits einen Ausrutscher, und es lief auch der Match in St. Gallen für GC. Dort verpasste der FCSG die Gelegenheit, bis auf einen Punkt an den Zweiten heranzurücken. Er verlor gegen den FCZ 1:2.

Man muss sagen, die beiden Spitzenteams aus Basel und Zürich seien im Gleichschritt in die Heimniederlage marschiert, die für den FCB die erste unter Murat Yakin war, für GC die zweite der Saison seit jener im Startmatch gegen Sion. Im Letzigrund wie zu St. Jakob begann der Gast besser, als aggressivere, eindeutig präsentere Mannschaft. Thuner wie Luzerner gingen auch in Führung, die Luzerner bis zur Pause gar 2:0. Dafür waren die Thuner später souveräner und abgeklärter, als es zuerst dar­um ging, den Vorsprung auf 2:0 auszubauen und dann zu halten. Die Luzerner gerieten, ehe ihnen das 3:0 glückte, vorübergehend doch stark unter Druck.

Forte: «Härter arbeiten»

Unbestritten war, dass Uli Forte von den Grasshoppers und Murat Yakin den Sieg des Gegners als «verdient» bezeichneten. Im Falle der Grasshoppers zeigt die Tendenz ohnehin, dass sie nicht mehr annähernd in der Verfassung der Vorrunde sind: mit nur zwei Siegen in den letzten sieben Pflichtspielen, beide in Meisterschaft und Cup gegen den FCZ. Forte will von Titelkampf und Meisterschaft ohnehin nichts wissen. Er sagt vielmehr: «Wir müssen einfach wieder in die Spur finden, die Leistung muss wieder besser werden.»

Der Trainer hat festgestellt, dass der Mannschaft die Dinge nicht mehr so leicht von der Hand gehen wie im Herbst. «Da liefs fast von allein, jetzt harzts», sagt er – jetzt, da gegen Thun beide Tore im Gegenzug auf eigene Chancen fielen. Das Gegenmittel: «Wenn es einem nicht rund läuft, dann muss man noch mehr machen, noch härter arbeiten.» Oder in andern Worten: «Wir müssen wieder ans Limit gehen.» Er war offensichtlich nicht davon überzeugt, sein Team habe dies gegen Thun getan.

Im Falle des FCB ist die Ursache der zumal in ihrer Deutlichkeit überraschenden Niederlage klar: Die Mannschaft zeigt Spuren der Anstrengungen in gleich drei Wettbewerben mit bisher 53 Pflichtspielen. Da hilft auch die Rotation nicht immer, wie diesmal mit vier Neuen im Vergleich zum Match gegen Chelsea. «Das hat leider nicht die erhoffte Wirkung gebracht», sagt Yakin. Aber auch: «Man muss es auch mal akzeptieren, wenn der Gegner besser war. Wir haben heute gesehen, dass es auch für uns nicht einfach ist, bei diesem strengen Programm immer auf höchstem Niveau zu spielen.»

So war der defensive Mittelfeldspieler Fabian Frei noch torgefährlichster Mann. Raul Bobadilla, dem es an Frische nicht fehlen kann, war als Stell­vertreter des angeschlagenen Captains Marco Streller als Sturmspitze zwar sehr bemüht, aber ausgesprochen erfolglos.

Müssen die Spitzenteams also im Nachhinein als positiv sehen, dass der Status quo erhalten blieb, können sich Thuner und Luzerner dar­über freuen, hoch gesteckte Tagesziele erreicht zu haben. Die Berner sind mit nun 13 Punkten aus den letzten fünf Spielen ein ernsthafter Anwärter auf Platz 5 und damit den letzten Europacuprang; der FCL hat mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen unter Carlos Bernegger doch einige Distanz zum Tabellenletzten Servette gelegt und Platz 8 erklommen.

Zurückhaltung im Sieg

Thun war in Zürich während drei Vierteln der Spielzeit die bessere Mannschaft, nur in den zweiten 20, 25 Minuten waren die Grasshoppers mindestens gleichwertig. In dieser Zeit hätte auch das 1:0 für sie fallen können, aber typisch war: Kaum hatte Amir Abrashi allein vor Thuns Torhüter Guillaume Faivre das 1:0 verpasst, fiel im Gegenstoss durch einen 18-Meter-Hocheckschuss Renato Steffens das 0:1. Ähnlich war die Entstehung des 0:2.

Thuns Trainer Urs Fischer blieb eingedenk solcher Si­tua­tio­nen zurückhaltend, hatte aber doch einen vor allem in der zweiten Halbzeit «sehr abgeklärten, souveränen FC Thun» gesehen. Aber er hat auch nicht vergessen, «dass wir vor fünf Wochen noch den Druck Servettes spürten – und jetzt reden alle vom Europacup.» Jetzt spürt eben der Tabellenfünfte FCZ den Druck der Thuner …

Der FCL wiederum ist zu loben, sich unter Bernegger von Spiel zu Spiel gesteigert zu haben. Von einer nur vom Resultat aufgehellten, grundsätzlich aber schwachen Leistung beim 1:0 gegen Lausanne über eine gute beim 1:1 gegen GC bis hin zu einer ziemlich überzeugenden nun in Basel. Eine klare Linie und zunehmendes Selbstbewusstsein prägten die Vorstellung der Luzerner in Basel, aber auch jenes «Spielglück», das Realist Fischer zur Vorstellung seiner Thuner in Zürich nicht zu erwähnen vergass.

Auch Bernegger vermied es, nach seinem Triumph an alter Wirkungsstätte mit dem Lob zu übertreiben. Er freute sich, wie sich der freundlich empfangene Sportchef Alex Frei freute. Aber er weiss, dass der Weg weit länger ist als nur drei Spiele. (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch