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Im Innern der Grossbaustelle

Der Rohbau steht, jetzt beginnen in den Archhöfen die Innenausbauten. Der Projektleiter bastelt am Mieterpuzzle, um die hybriden Kunden von heute in die oberen Stockwerke zu locken.

Von den Wohnungen in der obersten Etage wird man einen Panoramablick haben – auf die Dächer der Altstadt auf der einen oder auf den Heiligberg und das Schulhaus auf der anderen Seite. Was die 68 Apartments im Zen­trum kosten werden, wenn sie wie geplant am 1. Juni 2013 bezogen werden, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Noch sind die Wohnungen nur Höhlen aus Beton. Was sie am Markt wirklich wert sind, lässt sich erst bestimmen, wenn die Wohnungen mit ihren extravaganten Grundrissen ausgebaut sind – oder, wie es Pascal Welti ausdrückt: «Wir müssen das angedachte Pricing dann noch verifizieren.» Von 2000 bis 4000 Franken Welti ist der Gesamtleiter des Projekts Archhöfe. Er verhandelt mit den Ladenketten, er wird die Wohnungen an den Mann und an die Frau bringen. «Ein grosser Teil wird wohl zwischen 2000 und 3000 Franken monatlich kosten», sagt er dann doch noch. Einige 1½-Zimmer-Wohnungen wird es auch für unter 2000 Franken geben. Für grosse 4½- und 5½-Zimmer-Wohnungen ist mit über 4000 Franken zu rechnen. Jede Wohnung ist einzigartig, was mit den zwei grossen Innenhöfen und dem Dach des Baukörpers zu tun hat, das auf allen Seiten abgeschrägt ist und die Archhöfe zu einem komplexen Kubus mit unterschiedlich steilen Zimmerdecken macht. Von innen erinnert das an Kletterwände – ein Paradies für Boulder-Fans mit dickem Portemonnaie. «Hochgezogene» Konsumenten Welti, der beim Bau des Sihlcity in Zürich mitgewirkt hat und in Winterthur nun die Gesamtverantwortung trägt, macht bei der Besichtigung einen zufriedenen Eindruck, obwohl sich die Bauzeit infolge des Bahnhofplatzumbaus um zwei Monate verlängert. Von den Ladenflächen im Erdgeschoss und in den beiden ersten Obergeschossen sind 80 Prozent vermietet. Für die dar­überliegende Büroetage wünscht sich Welti ein Fitnesscenter und Arztpraxen als Mieter. Das sind Nutzer, die Leben bringen und die «Leute hochziehen» im Einkaufszentrum. Denn je weiter oben die Lage, desto schlechter ist sie. Aldi wird sich im zweiten Obergeschoss befinden. Dort ist die Quadratmetermiete niedriger, und auch der deutsche Discounter wird Leute «nach oben bringen», hofft der Vermieter. Im Erdgeschoss und im ersten OG werden Zara und Esprit einziehen, zwei Kleiderketten, die Lingerie Initmissimi und Trend-Gastrobetriebe wie das Cha chà oder das Negishi – Thai und Sushi. Welti hat keine Zweifel, dass das alles mit dem Discounter zusammenpasst. «Wir gehen heute vom hy- briden Kunden aus.» Gemeint sind Leute, die im Aldi ein billiges Olivenöl und dann in einem Modehaus ein teures T-Shirt kaufen. Von aussen die Essenden sehen Prägendstes architektonisches Merkmal des Einkaufszentrums wird das 20 mal 6 Meter grosse Fenster zum Bahnhofplatz hin. Welti spricht vom «Stadtfenster». Dahinter werden die Tische und Stühle der Restaurants stehen. Ein Kleiderladen hätte für die gleiche Fläche mehr bezahlt, sagt Welti. Man habe aber der Gastronomie den Vorzug gegeben, damit das Einkaufszentrum auch nachts von aussen belebt aussehe. Das Kommunikationsziel ist dabei deutlich heraushörbar: Nach der langen und nicht immer glücklichen Vorgeschichte soll der Bau auf dem Archareal ein positives Image erhalten. Die Chancen, dass das Einkaufszentrum nach der Eröffnung im August 2013 von der Öffentlichkeit gut angenommen wird und die Diskussionen um den Aldi vergessen gehen, sind intakt. Im Gegensatz zu anderen Konsumtempeln werden die Archhöfe kein trister, geschlossener Bunker ohne Bezug nach draussen. Rundherum ziehen sich grosse Fenster. Die Fassade ist schön materialisiert. An der Archstrasse kann man den Endausbau bereits betrachten. Hier wurden die Fassadenarbeiten vorgezogen. Denn nächste Woche, nach dem Albanifest, beginnt der Umbau des Busbahnhofs und die Archstrasse wird von Stadtbus als Haltestelle benötigt. Der Rundgang mit Welti endet im Untergeschoss. Hier steht die Haustechnik mit den gewaltigen Lüftungsanlagen des Miner­gie­-Baus. Der Kanal, durch den die Aussenluft ins Innere geführt wird, misst 2,3 Meter auf 6,3 Meter, was viel über die Dimensionen der Archhöfe aussagt. Angesogen wird die Luft an der Meisenstrasse, dort also, wo bis vor Kurzem noch die Drogen-anlaufstelle war und nicht nur Tabakrauch in den Himmel stieg. Sorgen, dass einem beim Vorbeigehen bald die Kappe vom Kopf gesaugt wird, braucht man sich gemäss Welti übrigens nicht zu machen. Die Öffnung des Riesenrohrs befindet sich 3 Meter über Boden.

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