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Im Internet mehren sich die Geldbetrügereien

Fingierte Erbschaften, kopierte Firmen, falsche Auktionen: Internetbetrüger werden immer dreister, klüger – und aktiver: Die Meldungen über kriminelle Aktivitäten nehmen deutlich zu. Erstmals dominierten dabei Betrügereien ge­gen­über Kinderpornografie.

Thomas H. bekommt ein E-Mail. Von einer Anwaltskanzlei, vermeintlich. Eine entfernte Verwandte habe eine Erbschaft hinterlegt, schreiben sie. Um diese zu bekommen, zahlt Thomas H. administrative Kosten. Doch eine Erbschaft existiert ebenso wenig wie die Kanzlei. Das Geld ist weg. Internetbetrügereien wie diese kommen häufig vor. Häufiger als je zuvor, wenn man die neusten Zahlen der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) anschaut: 9208 Meldungen über kriminelle Aktivitäten im Internet gingen dort 2013 ein – das sind beinahe 1000 mehr als im Vorjahr. «Die Meldungen zeigen lediglich die Wahrnehmung in der Gesellschaft. Sie sind nicht unbedingt repräsentativ», relativiert zwar Thomas Walther, Kommissariatsleiter Kobik im Bundesamt für Polizei (Fedpol). Was dennoch klar ist: Eine deutliche Steigerung ist auszumachen insbesondere bei Finanzbetrügereien; sie machten mit 61 Prozent erstmals mehr Meldungen aus als pornografisches Material. 2009 waren es noch weniger als 10 Prozent. Beliebt ist das Phishing, wo Kriminelle mit nachgestellten Webseiten an Kreditkarten- und Bankdaten heranzukommen versuchen. Programme, welche den Computer blockieren und erst gegen ein Lösegeld wieder entfernt werden, sind ebenso beliebt wie Betrugsversuche auf Auktions- und Kleinanzeigenplattformen oder Betrügereien per E-Mail: Bürger werden dazu gebracht, Anzahlungen zu leisten, welche sie nie mehr zu Gesicht bekommen. «Dabei gehen die Betrüger immer raffinierter vor», sagt Thomas Walther und liefert gleich ein aktuelles Beispiel: Betrüger tarnen sich als Bundesamt für Ener­gie­ und ködern Bürger mit einer angeblichen Rückerstattung von 165 Franken. Über eine echt aussehende Internetseite wird dann dafür nicht nur die Anschrift verlangt, sondern auch die Kreditkartennummer. Professioneller Betrug «Mails sind oft in vertrauenswürdigem Ton geschrieben, gefälschte Webseiten kaum zu unterscheiden von den Originalen und Auktionsplattformen auf den ersten Blick seriös gemacht», sagt Chantal Billaud, die stellvertretende Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention. Die Zeiten, wo man dubiose E-Mails aufgrund ihrer schlechten Übersetzung identifizieren konnte, seien vorbei: So können zum Beispiel Kunden von betrügerischen Auktionsplattformen sehen, wo ihr Paket vermeintlich gerade sein soll. Bekommen tun sie dann aber nichts. Im Gegensatz zu den Vermögensdelikten ging die Zahl der Meldungen zu Kinderpornografie zurück. Rund 420 Anzeigen und Verdachtsmeldungen gab es aus Recherchen von Undercover-Polizisten, das ist etwas weniger als im Vorjahr. Zugenommen haben allerdings Erpressungen mit kompromittierenden Videos, sogenannte Sextortion: Dabei werden Webcam-Aufnahmen mit sexuellen Handlungen für Geld- erpressungen benutzt.

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