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Im Konflikt mit Baumeister Biber

Er fällt Bäume, flutet Wälder und unterhöhlt Strassen – immer wieder geraten Mensch und Biber in Konflikt. Der Kanton will diesen mit einem neuen Konzept entschärfen. Einigen geht das zu wenig weit, sie wollen den Biber lieber jagen.

Handtellergrosse Holzspäne liegen unter einer Pappel, die am Ufer der Thur wächst. Die Späne sind weiss und noch immer feucht. Eine grosse Wunde klafft hell in der sonst braunen Rinde des Baumstamms. «Da war heute Nacht ein Biber am Werk», sagt Petra Zajec, Leiterin des Naturzentrums Thurauen. Überall stösst man in der geschützten Auenlandschaft auf die Spuren des braunen Nagetiers. Gefällte und angenagte Bäume, Pfotenabdrücke im Sand und sogenannte Rutschbahnen am Flussufer – Trampelpfade, die der Biber immer wieder für seine Ausflüge ans Land benutzt. «Die Thurauen bieten einen idealen Lebensraum für den Biber», sagt Zajec. Nicht umsonst sind hier mehrere Reviere zu finden. «Oft staunen auch Experten aus anderen Landesteilen, wie viele Spuren hier zu sehen sind. Zu Hause müssen sie sich oft mühsam auf die Suche nach Hinweisen auf den Biber begeben und freuen sich über jeden angenagten Baum.» Der Biber ist im Zürcher Weinland stark verbreitet. An Rhein und Thur findet er beste Lebensbedingungen. Doch der Platz ist beschränkt und die Population steigt. Auf der Suche nach neuen Revieren weichen die Nager auch auf kleinere Gewässer aus. Immer öfters kommt es zu Konflikten mit dem Menschen – denn der Nager staut Flüsse, überflutet damit Entwässerungssysteme oder ganze Waldstücke, untergräbt Strassen, fällt Bäume und tut sich an Feldfrüchten gütlich. Hoffen auf die Jagd Mit dem neuen Biberkonzept will der Kanton die Konflikte mit dem Wildtier mildern oder diesen vorbeugen. Ziel ist es, innerhalb des Verbreitungsgebiets die Lebensräume zu vernetzen. Diese «Biberfördergebiete» seien «Vermehrungszentren, die aus gut geeigneten Biberlebensräumen bestehen und den Erhalt der Population gewährleisten», heisst es im Konzept. Bei den Schäden setzt der Kanton auf Prävention. Die Umsiedlung oder gar der Abschuss eines Bibers ist nur mit der Zustimmung des Bundes möglich und auch nur dann, wenn alle anderen Massnahmen erfolglos waren. Mit dem Konzept sind aber nicht alle Gemeinden zufrieden. «Ich bin ein wenig frustriert, wie das gelaufen ist», sagt Beat Ramseier, zuständiger Gemeinderat von Altikon. Er hatte gehofft, dass mit dem neuen Konzept auch die Bejagung des Bibers erlaubt wird. «Der Bestand von Rehen und Wildsauen wird auch dezimiert, um eine Überpopulation zu verhindern», sagt er. Er sei vom Biber zwar fasziniert, aber nicht überall sei der Lebensraum passend. Man müsste den Bestand gleich gross halten. «Denn am Ende müssen die Gemeinden für die Schäden aufkommen.» Zwar werden gefressene Zuckerrüben und gefällte Bäume wie andere Wildschäden ersetzt. Aber die Kosten für Infrastrukturschäden sind nicht gedeckt. Die Sanierung von untergrabenen Strassen beispielsweise müssen die Gemeinden selbst berappen. «Und das wird teuer», sagt Ramseier. Das Konzept ändere an dieser Praxis leider nichts. Altikon hat schon jetzt – in Absprache mit dem Kanton – Massnahmen im Umgang mit dem Nager ergriffen. «Es ist uns gelungen, einen Biber zum freiwilligen Umzug zu bewegen», sagt Ramseier. Der Nager hatte seinen Damm an einer Stelle im Bach gebaut, wo Rückstau in den Entwässerungsrohren drohte. «Wir haben den Damm immer wieder entfernt und ihm in einem Waldstück Holz in den Bach gelegt, wo eine Stauung keine Probleme macht.» Der Biber liess sich vom offenbar idealen Bauplatz anlocken und zog um. Die gezielte Jagd auf den Biber sei beim Erstellen des Konzepts nie ein Thema gewesen, sagt Jürg Zinggeler von der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons. «Der Biber ist eidgenössisch geschützt, er steht auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.» Eine Jagd wäre beim Bund nie durchgekommen. Ausserdem halte das Konzept den Abschuss als Ausnahme fest, wenn alle anderen Massnahmen versagt hätten. «Einen Biber zu schiessen, ist aber gar nicht sinnvoll, denn es wird ein nächster Biber kommen und den Lebensraum besiedeln», sagt er. Die Entschädigung von Infrastrukturschäden werde immer wieder gefordert. «Dafür haben wir keine gesetzliche Grundlage.» Deshalb könne man das auch nicht in einem Konzept festschreiben. Abschuss sinnlos Auf eine solche Änderung der bisherigen Praxis hatte man auch in Kleinandelfingen gehofft. Dort unterhöhlte ein Biber eine Strasse, die schliesslich für 20 000 Franken saniert werden musste. «Das Konzept begrüsse ich dennoch und finde es gut, dass die Grundlagen im Umgang mit dem Biber festgehalten sind», sagt der zuständige Gemeinderat Roger Keller. «Für die Schäden kommt am Ende sowieso der Steuerzahler auf, ob nun der Kanton oder die Gemeinde zahlt», sagt er. An der betroffenen Strasse hat man ein Stahlnetz eingebaut, das dem Biber das Graben verunmöglicht. «Diese Massnahme wirkt», sagt Keller. «Wir sehen, dass er versucht Löcher zu graben und immer am Netz scheitert.» In Mar­tha­len wusste man noch gar nichts vom kantonalen Biberkonzept. Obwohl der Nager auch dort ein oft gesehener Gast ist. Vor einiger Zeit schuf er im Wald mit seinem Staudamm gar einen kleinen See. Nach einem Blick in das Dossier äussert sich die zuständige Gemeinderätin Inge Stutz positiv zum Konzept. «Ich erwarte davon zwar nicht allzu viel, aber mir gefällt, dass die Ziele etappenweise erreicht werden sollen», sagt sie. «Man sollte nichts übers Knie brechen.» Auch den Abschuss als letzte Massnahme begrüsst Stutz und dass ein Schwerpunkt bei der offensiven Kommunikation gesetzt werde.

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