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Im Reich der Leseratte

60 Jahre Bibliothek Hettlingen – trotz grosser technischer Veränderungen ist die Gemeindebibliothek geblieben, was sie immer war: Viel besuchter Treffpunkt und Tummelplatz für Leseratten.

Die Schulglocke klingelt. Ein paar Bücher noch ins Regal verräumen, dann gehts los: Primarschulkinder stürmen zur Türe der Gemeindebibliothek Hettlingen herein. Von der Krise des Buchs, von der man seit Jahren munkeln hört, bekommt man an diesem Nachmittag nichts mit. «Manche Dinge ändern sich auch in 60 Jahren nicht. Kinder kommen gern in die Gemeindebibliothek», sagt Bibliotheksleiterin Käthi Burger. Sie selber ist zwar erst seit zwei Jahren hier angestellt als Leiterin des vierköpfigen Frauenteams. Sie schaut aber auf mehrjährige Erfahrung als Bibliothekarin zurück. «Sie verschlingen Buchreihen und Comic-Heftli, die Kinder.» Stimmt: Der zehnjährige Nicolas wirft seinen Schulthek in eine Ecke und schnappt sich die aktuelle «Micky Mouse»-Zeitschrift. Ansonsten steht er auf Percy Jackson, eine fünfbändige Fantasy-Buchreihe des Autors Rick Riordan. «Solche Trends beobachten wir immer wieder», sagt Rita Wirth, die seit 20 Jahren in der Bibliothek arbeitet. Derzeit laufe zum Beispiel bei den Kindern «Gregs Tagebuch» so gut, dass man es grad doppelt einkaufe. «Gregs Tagebuch» ist eine Comic-Romanreihe des Gamedesigners und Autors Jeff Kinney, derzeit gleichermassen bei Jungs und Mädchen hoch im Kurs: «Das ist an sich eher untypisch», sagt Marisa Ott, seit 16 Jahren Bibliothekarin in Hettlingen. «Mädchen lesen schon mehr. Jungs brauchen halt viel Bewegung.» Auch erwach­sene Männer sind eher selten zu Gast. Manche kommen mit ihren Kindern vorbei. Manche schicken ihre Frauen, um Lesestoff für sie mitzubringen. Zeitschriften und Fantasy-Romane sind auch bei Erwachsenen beliebt: Barbara Casanova bringt heute zwar Kinderbücher zurück, sie ist selbst aber auch eine Leseratte. Während sie einen Stapel vor sich auftürmt, plaudert sie mit den Bibliothekarinnen. Mehr als Bücher Eine andere Kundin möchte ungestört bleiben, während sie sich ihre Lieblingsmagazine zur Ausleihe aussucht. Die Auswahl ist bemerkenswert. Alle gängigen Titel vom Klatsch- über Koch- bis hin zu anderen Fachzeitschriften für verschiedene Alters- und Geschmackskategorien liegen auf wie in einem Kiosk. Die achtjährige Alexandra steigt auf einen Stuhl, um eine Schachtel aus einem der oberen Regale hervorzuziehen: «Mac Mäuseschreck» steht darauf, ein Gesellschaftsspiel, das sie nun mit ihrer Freundin in der Bibliothek testspielen wird. Die Bibliothek Hettlingen ist heute auch eine Ludo­thek, ein Spieleverleih. In den Regalen stehen neben Büchern, Zeitschriften und Spielen auch Hörbücher, Tonkassetten, CDs, CD-ROMs und DVDs zur Ausleihe bereit, insgesamt über 8500 Medien. Da hat sich doch einiges getan in den letzten 60 Jahren. «Und ob», sagt Marisa Ott und lacht: «Modern Times!» Seit 2001 ist die Bibliothek nicht mehr im Gemeindehaus im Dorf unten, sondern in der Primarschule un­tergebracht. Keiner hätte zudem auch nur vor der Halbzeit geglaubt, was heute Usus ist: Scannen der Barcodes, Einlesen ins System, alles per Mausklick abrufbar und somit überschaubar. «Früher, da gab es noch die Zettelkasten», sagt Käthe Burger und kramt einen hervor. Da steht dann auch geschrieben, wer was ausgeliehen hat. Grosszügige Gemeinde Die Klassiker der Belletristik haben einen eher schweren Stand: «Die Leute kommen wegen unserer Aktualität her», sagt Rita Wirth. Man sei hier sehr schnell und immer auf dem Laufenden. «Wir haben Glück», sagt Käthi Burger, der Gemeinderat ist uns sehr wohlgesinnt und entsprechend grosszügig. Das Budget ist eine der wichtigen Aufgaben in der Bibliothek, hinzugekommen sind in den letzten Jahren immer mehr Marketingaufgaben und das Organisieren von Leseabenden und anderen Veranstaltungen –zum Beispiel die eigene Jubiläumsfeier. Die Jubiläumsfeier findet am 9. November ab 13.30 Uhr statt.

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