Saisongemüse

«Im Winter gibt es sehr gutes Lagergemüse»

Daniel Bachmann von der Fachstelle Gemüse beim Strickhof weiss genau, wann was Saison hat und ob der Importspargel die einheimischen Produzenten unter Druck setzt.

Obwohl sie hierzulande nur im Sommer reif sind, kann man Tomaten überall das ganze Jahr hindurch kaufen. Stören daran, tut sich kaum jemand.

Obwohl sie hierzulande nur im Sommer reif sind, kann man Tomaten überall das ganze Jahr hindurch kaufen. Stören daran, tut sich kaum jemand.

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Bei den grossen Detailhändlern liegen bereits überall Spargeln in der Auslage. Ich nehme an, sie stammen nicht aus Schweizer Produktion?
Daniel Bachmann:Nein, letztes Jahr waren die Spargeln früh dran. Da war es, glaube ich, Woche 14. Jetzt sind wir in Woche 10, es dauert also noch. Dieses Jahr dürfte es generell später werden.

Weshalb?
Die Temperaturen waren niedriger, wir kommen ja gerade aus einer Kältephase. Normalerweise arbeiten die Produzenten im Februar und März intensiv mit Folien, damit sich in den Dämmen auf den Feldern Wärme entwickeln kann.

Die Arbeit ist also noch in vollem Gange, die Kunden kaufen in den Läden aber trotzdem schon Spargeln. Was halten Sie davon?
Für die Schweizer Produktion entsteht so natürlich ein falsches Bild. Die erste Konsumwelle wird meistens von Importprodukten aufgenommen. Der Anteil an Schweizer Spargeln ist aber auch relativ klein. Bedeutend kleiner als etwa der Marktanteil von Schweizer Kopfsalat.

«Wir können den Leuten nicht vorschreiben, wann sie was zu kaufen haben.»

Der Druck auf einheimische Spargelproduzenten ist also gross?
Spargeln haben im Gegensatz zu den meisten anderen Produkten gar keinen Importschutz. Die Preise müssen direkt konkurrieren mit Deutschland oder auch Übersee. Wenn man es sich in diesem Nischenmarkt aber gut einrichtet und klug plant, kann man dort gut leben.

Weshalb gibt es keinen Importschutz?
Bei den meisten Gemüsesorten unterteilt man in zwei Phasen: bewirtschaftet und nicht bewirtschaftet. Befindet sich das Gemüse in der Schweiz in der bewirtschafteten Phase, so ist es durch relativ hohe Zölle geschützt. Es gibt aber Ausnahmen wie eben Spargel, aber auch Peperoni oder Kürbis, wo es gar keine bewirtschaftete Phase gibt und immer nur ein Minimalzoll auf Importprodukte erhoben wird.

Hat im Moment überhaupt irgendetwas hier Saison?
Die Inlandproduktion ist tatsächlich auf Sparflamme. So langsam geht es los mit der Salatproduktion, Kopf- oder Eichblattsalat etwa. Unsere Fachstelle erhebt einmal in der Woche die Zahlen. Was es auch bereits hat, ist Lauch aus überwintertem Anbau. Und natürlich viele Lagerartikel wie Zwiebeln, Sellerie, Karotten, Kabis oder Randen. Die gibt es eigentlich immer.

Man käme mit nur regionalen Produkten also gut aus?
Ja, bei den Lagerartikeln hat es eine sehr gute und grosse Auswahl an Schweizer Produkten.

Wann darf man mit frischem Gemüse rechnen?
Fruchtgemüse wie etwa Tomaten oder Gurken kommen in etwa einem Monat auf den Markt. Nebst dem Lauch und den Salaten gibt es zudem Radieschen und natürlich auch Nüsslisalat.

Wieso stören sich eigentlich alle an den Spargeln, aber niemand daran, dass wir das ganze Jahr durch Bananen essen?
Wahrscheinlich weil es bei Bananen keine Inlandproduktion gibt. Deshalb wird das weniger als Problem wahrgenommen.

Stört Sie das nicht?
Grundsätzlich schon, aber wir können den Leuten nicht vorschreiben, was sie zu kaufen haben. Ich würde schon empfehlen, innerhalb des Gemüsesegments zumindest auf Region und Saison zu achten. Dafür gibt es auch ausführliche Saisonkalender.

Ist das Bewusstsein bei weniger exotischen Produkten wie etwa Auberginen kleiner?
Das ist schon so. Auberginen kommen im Winter aus Spanien, Italien, Frankreich oder den Benelux-Staaten. Bei Fruchtgemüse gibt es in der Schweiz im Winter eine Lücke. Bei uns fängt das erst Mitte Mai voll an. Die Produzenten sind auf die Konsumentenwünsche und die Strategie der Detailhändler angewiesen.

Wie beurteilen Sie die Strategie?
Man darf Gemüse nicht einfach nur als einen Markt betrachten. Man vergisst beispielsweise oft den Gastrobereich und Grossverbraucher wie Spitäler, die als Abnehmer fast ein Drittel ausmachen. Dort ist der Preiskampf noch grösser als sonst, weil Regionales und Bio eine viel kleinere Rolle spielt. Sonst ist nach wie vor ein Trend da, aber alles hat eine Sättigungsgrenze, die durch Angebot und Nachfrage definiert wird.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2018, 16:49 Uhr

«Jeder Trend hat eine Sättigungsgrenze.» Daniel Bachmann von der Fachstelle Gemüse beim Strickhof (Bild: pd)

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