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Im Zahnrad der Geschichte

Die Firma Maag Gear feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der einst führende Zahnradhersteller hat einen engen Bezug zu Winterthur.

Als 1994 die beiden grossen Zahnräder auf der Maag-Fabrikhalle in Zürich demontiert wurden, stand dieser Vorgang als Sinnbild für die Desindustrialisierung der Schweiz. Das traditionsreiche Unternehmen Maag hatte sich 1989 in seiner bisherigen Form aufgelöst, zurück blieb zuletzt eine Immobilien­firma, auf deren Areal ein aufsehenerregendes Hochhaus errichtet werden sollte. Stand Maag nur mehr für ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte?

Sulzeraner waren dabei

Die Maag-Zahnräder gehören auch zu Winterthur. Als vor genau 100 Jahren der Tüftler und Pionier Max Maag (1883–1960) aus Dorf am Irchel im April 1913 seine Werkstätte an die Zürcher Hardstrasse verlegte und eine Zahnräderfabrik gründete, kümmerte er sich bald auch um die Konstruktion von Maschinen zur Zahnradbearbeitung. 1916 fand er sich mit der Firma «Gebrüder Sulzer AG» in der «Maag-Maschinen AG» zusammen, die bis 1927 in Ober­winterthur produzierte. Das Winterthurer Adressbuch etwa informierte im Jahr 1923, dass diese AG «Zahnbearbeitungsmaschinen nach den Konstruktionen, Patenten und Erfahrungen des Herrn Max Maag» herstelle.

So ist es kaum Zufall, dass Max Maag 1917 seine bahnbrechenden Forschungsarbeiten ausgerechnet beim Technischen Verein Winterthur vorstellte. Und auch in späterer Zeit gehörten dem Unternehmen Maag immer wieder namhafte Vertreter von Sulzer an, die aus strategischen Gründen an einer Zusammenarbeit Interesse hatten – erinnert sei hier nur an die Fabrikation von Schiffsturbinen. Eine enge Kooperation ergab sich auch mit den Zeppelinwerken in Friedrichshafen.

Technologiestadt Winterthur

Trotz des Austritts von Max Maag am Ende des Jahres 1926 behielt das Unternehmen seinen Namen bei und eta­blier­te sich als weltweit führende Firma im Bereich der Zahnradtechnologie. Sitz war das Areal an der Hardbrücke Zürich, wo die erwähnten, weithin sichtbaren Zahnräder auf der Fa- brikhalle Stolz und Identität eines ungewöhnlichen Industriebetriebes zum Ausdruck brachten. Wie andere Schweizer Betriebe wurde die «Maag Holding» in den 1980er-Jahren aber von technischen Revolutionen und neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen buchstäblich überrollt. Die Restrukturierung mündete schliesslich in die Aufgabe des Standorts Zürich und die Aufgliederung des international lange sehr erfolgreichen Konzerns in zwei eigenständige Töchter: Maag Getriebe und Maag Pumpen.

Der Verkauf dieser beiden Töchter öffnete 1997 ein neues Kapitel in der Geschichte von Maag und brachte überraschenderweise eine Rückkehr nach Winterthur. Die im Besitz des dänischen Unternehmens FLSmidth befindliche «FLSmidth Maag Gear AG» belieferte von 2003 bis 2009 aus Oberwinterthur, seither aus dem Stadtzen- trum die Zement- und Erzindustrie in aller Welt. Dabei stützt sie sich auf altbewährte Zahnrad- wie auf hochmoderne Getriebetechnologie ab.

Produziert wird mittlerweile in Polen und Italien, doch Winterthur bleibt Ort von Tüftelei und Forschung und Hauptsitz einer ebenso ehrgeizigen wie innovativen Firma, die unter dem Dach der dänischen Muttergesellschaft einen breiten Service für Antriebs­lösungen in der Zement- und Mineralindustrie anbietet. Heute arbeiten in Winterthur 112 Personen für die Firma. Trotz Krisen und Turbulenzen ist 100 Jahre nach der Gründung von Maag weiterhin Pioniergeist zu spüren. Das ist auch für den arg gebeutelten Industriestandort Winterthur ein Grund zum Feiern.

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