Zum Hauptinhalt springen

Immobilienschwindler verurteilt

Ein notorischer Betrüger aus der Immobilienbranche muss ins Gefängnis. Mit gefälschten Rechnungen knöpfte er ­Mietern und seinem Arbeitgeber 725'000 Franken ab.

6000 Franken im Monat waren ihm nicht genug: Ein heute 38-jähriger Angestellter einer Winterthurer Immobilienfirma besserte jahrelang sein Einkommen mit findigen Betrügereien auf, um dem Glücksspiel zu frönen. Über gefälschte Rechnungen und eingesteckte Mietkautionen flossen Hunderttausende Franken in seine Tasche. Gestern musste er sich vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten. Beim Immobiliendienstleister war der Beschuldigte für Budgetplanungen, Wohnungsübergaben und Abrechnungen zugunsten von Handwerkern zuständig. Letzteres nutze er erstmals im Juni 2009 aus, ein halbes Jahr nach Stellenantritt: Er durchforstete das interne IT-System nach Objekten mit nicht ausgeschöpften Budgets und stellte Rechnungen für erfundene Reparatur- und Renovationsarbeiten in Höhe von maximal 20 000 Franken aus. Das Geld kassierte eine Hauswartfirma, die es abzüglich einer Entschädigung an den Betrüger weiterleitete. Dieses Vorgehen wurde zum System. Die auf diese Weise erbeuteten 560 000 Franken gab der Beschuldigte für Hotelaufenthalte, seine Freundin und Onlineglücksspiele aus. Zudem zahlte er Alimentenschulden bei Ex-Frau und Kindern ab. Briefkastenfirma in Töss Als die Hauswartfirma die Beziehung zum Beschuldigten beendete, gründete er kurzerhand eine Scheinfirma mit Postfach in Töss. Eine weitere Geldquelle legte er sich zu, indem er an Wohnungsübergaben Mietkautionen entgegennahm – und einsteckte. Als sich eine Rückzahlung aufdrängte, fälschte er eine Gutschriftenanzeige. Die Sache flog Ende 2012 auf, als die geschädigte Immobilienfirma in einer Revision auf die fiktive Firma stiess. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Angeklagte um 725 000 Franken bereichert. Bei der gestrigen Verhandlung bezeichnete der Staatsanwalt das Vorgehen des Beschuldigten als arglistig, unverfroren und raffiniert. «Er ging der Delinquenz bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach.» Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 12 Monate unbedingt, wegen mehrfacher Veruntreuung, gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung. Der Angeklagte sitzt heute auf einem Schuldenberg in Höhe von einer Million Franken; was er in den letzten Monaten verdiente – er doziert heute Teilzeit in einer Kaderschule für Immobilienfachkräfte –, wurde verpfändet. Vor Gericht gab er sich reuig. Schon zur Tatzeit habe er jeweils abends ein schlechtes Gewissen gehabt. «Doch am nächsten Tag war das weg, und ich sagte mir: nur noch ein letztes Mal. Es war wie ein Drang, irgendwie an Kohle zu kommen. Egal wie.» Mit den Einkünften stiegen seine Lebenskosten, insbesondere im Glücksspiel. Für seinen Verteidiger ist klar, dass sein Mandant mit Geld seine «offensichtlichen Minderwertigkeitskomplexe kompensieren» wollte. Die Behörden hätten es versäumt, ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen: Der Beschuldigte leide an einer bipolaren Störung und sei suizidgefährdet gewesen. Es sei deshalb von einer leichten bis mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit auszugehen. Der Verteidiger plädierte für eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Gericht erhöht Strafmass Dar­auf ging das Gericht nicht ein. Der Gerichtspräsident erklärte den Angeklagten gemäss Anklage für schuldig und erhöhte gar das vom Staatsanwalt beantragte Strafmass: 3 Jahre Freiheitsstrafe, davon 18 Monate unbedingt. Hierbei handle es sich um ein schweres Vergehen mit «enorm hohem Deliktbetrag», so das Gericht. Erschwerend kommt eine Vorstrafe hinzu: Der Beschuldigte war bereits 2007 von einem Gericht in der Nordschweiz wegen Veruntreuung verurteilt worden. Als sein Winterthurer Arbeitgeber davon erfuhr, hielt dieser zum Bewirtschafter. «Man hat Ihnen trotz Vorstrafe Vertrauen geschenkt, und Sie haben es massiv missbraucht», sagte der Gerichtspräsident. «Das war besonders dreist.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch