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Impfskeptiker werden gezielt in die Irre geführt

Leitartikel: Peter Granwehr über die Revision des Tierseuchengesetzes (Abstimmung vom 25. November)

In der Schweiz kennen wir den Röstigraben. Virulenter aber ist das, was man «Impfgraben» nennen könnte. Er verläuft quer durch die Bevölkerung und teilt diese in Impfgegner und Impfbefürworter. Einen Konsens zwischen den beiden Lagern zu finden, ist unendlich viel schwieriger als zwischen Deutschschweiz und Romandie. Das beginnt schon bei der Beschreibung des Konflikts. Versuchen wir es trotzdem. Mit einer Impfung soll einer Infektionskrankheit vorgebeugt werden, individuell und möglichst auch kollektiv. Zweck ist die Immunisierung der geimpften Personen gegen die Krankheit. Um die Zirkulation des Erregers einzudämmen, ist eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung nötig. Seit ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im grossen Stil geimpft wurde, spielen Krankheiten wie Pocken oder Kinderlähmung in unserem Alltag keine Rolle mehr. Das sehen nicht alle so: «Impfen – ein alter Irrglaube, der sich bis heute hält», heisst es auf der Internetseite Netzwerk Impfentscheid N.I.E. des 2011 gegründeten Vereins für die unabhängige Impfaufklärung, der vom Naturheilpraktiker Daniel Trappitsch präsidiert wird. Impfungen schwächten das Immunsystem. Es gebe «klare Zahlen, dass die Impfungen nicht für den Rückgang der Krankheiten verantwortlich sind». Hauptgrund dafür seien vielmehr Hygiene, Ernährung und Soziales, heisst es in einer längeren Aufzählung von Gründen, «war­um man sehr kritisch ge­gen­über den Impfungen sein muss». Trotzdem schreibt das Netzwerk Impfentscheid, welches das Referendum gegen das TSG zustande gebracht hat: «Die möglichen Zwangsimpfungen sind sicherlich der hervorstechendste Teil des überar­bei­te­ten TSG.» Eine klare Falschaussage, die wohl nur eines bezweckt: die zahlreichen Impfskeptiker und Impfgegner im Land gegen eine Vorlage zu mobilisieren, bei der es in Wirklichkeit primär um ein Frühwarnsystem gegen Tierseuchen geht. Wenn diese Mobilisierung gelingt, könnte bei einer tiefen Stimmbeteiligung das Gesetz an der Urne scheitern. Ein Indiz dafür ist, dass der SVP-Zen- tralvorstand am Vorabend der Delegiertenversammlung (DV) mit 37 zu 25 Stimmen die Nein-Parole beschloss. Dahinter stand wohl die Einschätzung, dank dieser Kehrtwende (im Parlament gab es keine SVP-Gegenstimme!)am Ende zu den Siegern zu gehören – dies, obwohl der Bauernverband das TSG fast einhellig befürwortet. Dessen Präsident Hansjörg Walter (SVP, TG) fand denn auch an der DV kein Gehör mit seinen Argumenten. Zwar musste danach die Kontra-Referentin Yvette Estermann (SVP, LU) einräumen: «Es stimmt, es steht im Gesetz nichts von Impfzwang.» Doch in ihrem auf der SVP-Internetseite abgelegten Referat ist trotzdem von einem «zentralistischen Impfzwang» die Rede.

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