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In Birmensdorf entstehen Waffen gegen die Feinde der Pflanzenwelt

In einem neuen Labor wird geforscht, wie die Verbreitung von Schädlingen eingedämmt werden kann. Gestern wurde die Einrichtung vorgestellt.

Noch ist die gefährliche Fracht nicht in Birmensdorf angelangt. Im Gewächshaus des neu gebauten nationalen Pflanzenschutz- labors der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) stehen zwar bereits einige einheimische Baumsetzlinge. Doch ihre gefürchteten Feinde wie der Asia- tische Laubholzbockkäfer, der Buchsbaumzünsler oder die Eschenwelke sind noch nirgends zu sehen. Ab Januar untersuchen die Forscher der WSL hier solche Schädlinge, um mit neuen Mitteln deren Verbreitung einzudämmen und die Ökosysteme in der Schweiz zu schützen. Derzeit ist an Forschung im modernen Neubau aber noch nicht zu denken. Denn wenige Stunden bevor Bundesrat Johann Schneider-Ammann das 15 Millionen teure Labor feierlich eröffnet, wuseln überall Journalisten, Politiker und Putzequipen herum. Ohne es zu wissen, tragen sie auf ihrer Strassenkleidung Keime und Kleinstlebewesen aus der Natur ins Labor und vor allem von dort hinaus. Die späteren Untersuchungsobjekte – schädliche Insekten, Pilze, Bakterien und Würmer – sind deshalb noch nirgends zu sehen: Zu gross wäre die Gefahr, dass sie einen Weg in die Freiheit finden könnten. Für die Menschen gehe von den Schadorganismen zwar keine Gefahr aus, sagt Christoph Hegg, der stellvertretende Direktor der WSL: «Ein entwichener Schädling könnte aber Pflanzen befallen und sich in Windeseile ausbreiten, was verheerende Folgen für die Flora in der Schweiz und im nahen Ausland hätte.» Dusche und Dampfkochtopf Das Gewächshaus und die angrenzenden Labors unterstehen hohen Sicherheitsanforderungen. Denn dort untersucht, züchtet und lagert die WSL ab 2015 Organismen der sogenannten Risikogruppe 3. Bei diesen Pflanzenschädlingen handelt es sich um solche, die in die Schweiz eingeschleppt wurden, die hier noch gar nicht aufgetreten oder nur lokal vorhanden sind. Ein aktuelles Beispiel ist der Asiatische Laubholzbockkäfer, der in der hölzernen Verpackung einer Lieferung chinesischen Granits in die Schweiz gelangte. Er wird energisch bekämpft und kommt höchstens noch lokal vor. Nach Inbetriebnahme des Labors haben nur noch geschulte Mitarbeitende Zutritt zum Quarantänebereich. Auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen müssen sie zwei Sicherheitsschleusen passieren. Bei der zweiten am Ein- und Ausgang des Gewächshauses müssen sich die Forscher je nach Versuchs- und Schädlingsart per Nebel- oder Wasserdusche von Keimen befreien. Arbeitsmaterial, Abfall und Kleidung werden in einem Autoklav – einer Art grossem Dampfkochtopf, in dem der Inhalt auf rund 120 Grad Celsius erhitzt wird – auch von kleinsten Rückständen der Schadorganismen befreit. Die Glashülle des Pflanzenschutzlabors ist bruchsicher und absolut dicht. In den Räumlichkeiten besteht ausserdem ein Unterdruck, um zu verhindern, dass Keime und andere Erreger ins Freie dringen können, falls die Hülle leckt. Die abgesogene Luft wird von einem speziellen Filter gereinigt. Handel und Wärme als Risiko Die Forschungsanstalt wird künftig vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst wohl vermehrt Proben von Pflanzen mit seltsamen Sym­pto­men, Insekten oder verdächtige Stücke von Transportverpackungen zur Analyse zugeschickt erhalten. «Der globale Handel und die Klimaerwärmung führen dazu, dass immer mehr Schädlinge aus anderen Teilen der Welt zu uns gelangen und hier überleben», sagt Daniel Rigling, der Leiter des Pflanzenschutzlabors. Fadenwürmer aus Portugal Alleine zwischen 1950 und 2008 traten dadurch in der Schweiz 203 neue Schädlingsarten auf. Zuletzt sind etwa in Portugal sogenannte Kiefernholznematoden gefunden worden. Diese winzigen Fadenwürmer werden sich mit grosser Wahrscheinlichkeit terrestrisch bis in die Schweiz ausbreiten, sagt Rigling: «Im neuen Labor können wir diese Schädlinge nun unter sicheren Bedingungen züchten und nach Gegnerorganismen suchen. So könnte sich Europa gegen die Nematoden wappnen.» Im Neubau der WSL werden auch Schädlinge der Risikostufen 1 und 2 erforscht. Diese sind nicht so gefährlich und in der Schweiz bereits etabliert. Ein Quarantänelabor, wie es nun gebaut wurde, gab es in der Schweiz zuvor nur für Krankheitserreger bei Menschen und Nutztieren.

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