Zum Hauptinhalt springen

In den Tiefen des Sofaspalts

Am Mittwoch zeigte Hanspeter Müller-Drossaart im Casinotheater sein viertes Soloprogramm «himmelhoch». Dabei überzeugte er durch Wandlungsfähigkeit, doch die Nummernrevue tat es weniger.

Hanspeter Müller-Drossaart ist ein begnadeter Schauspieler und ein sprachliches Multitalent; er hat seine Fähigkeiten in vielen Filmen und Bühnenproduktionen unter Beweis gestellt. Bemerkenswert ist immer wieder seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit: Er beherrscht nicht nur unzählige Dialekte, sondern schlüpft regelrecht in die schrulligsten Charaktere (am Mittwochabend wieder zu erleben, als er sich vor den Augen des Publikums in einen greisen Oswald Grübel verwandelte: Hervorragend!)

Kraft seiner Fähigkeiten kann Hans­peter Müller-Drossaart nicht nur Sprachen imitieren, sondern die dazugehörigen Menschen überzeugend darstellen. Und wohl deshalb ist sein Programm als Nummernrevue angelegt: um möglichst viele dieser Charakterköpfe zu zeigen.

So viel Realität kann aber auch ganz schön beklemmend sein, wie die Szene im Bahnhofbuffet Zürich, wo sich ein ungebetener Gast zu ihm an den Tisch setzt und ihm monologisch sein (unser) Leben und seine (unsere) Welt erzählt: «Heute hängst du an der Fernbedienung wie früher am Rosenkranz», sagt er etwa.

Menschen im O-Ton

Das ist nicht überzeichnende Satire, sondern traurig-lebensechter Originalton: Geradezu erschreckend! Oder mit den Worten seines Gegenübers: «Es ziet di abe in Sofaspalt …» Dem Zuschauer bleibt das Lachen im Hals ­stecken.

Müller-Drossaart macht auch pointierte politische Aussagen, etwa zum 9. Februar, «als nur die Hälfte der Stimmberechtigten an die Urne ging und somit ein Viertel dem Rest der Schweiz die Regeln diktierte». Als Folge davon muss der alternde Kranführer Giuseppe die zusehends überflüssiger werdenden CEOs zu Hilfskranführern umschulen: Hier läuft Müller-Drossaart zur Hochform auf – sein gebrochenes Italoschweizerdeutsch führt dann zu prächtigen Wortschöpfungen, wie etwa «Christoforo Bloccatore».

Der Glarner «Südgmeindler» Fridolin Zwicki (Zwiggi, natürlich), der «äs schööös Päggli» erhält; Therese, die «Wallischer» Kioskfrau, die sich fragt, ob eine Ananas «ins Täschli geit» (genau, hahaha!) und die sich über Alterssex auslässt («d Carrosserie chrooset»); die Obwaldnerin Trudi Friäliger vom Mosterei-TV, die ihren «Tack-Gascht» Dr. Schlüter-Bernheim interviewt: Mül­ler-Drossaart schlüpft im Handumdrehen in jede Rolle. Und das in Sprache, Mimik, Gestik immer äusserst lebensecht und durchaus auch amüsant (im Saal finden es einige sogar zum Schreien).

Und jetzt ein Most

Auf die Dauer wirkt das Ganze etwas stereotyp: Die Nummernrevue bleibt an der Oberfläche – wo sie zwar durchaus Lacher auszulösen vermag. Dennoch vermisst man ein wenig einen ­tieferen, feineren Humor sowie einen roten Faden.

Vielleicht fehlen Müller-Drossaart die herausfordernden Partner auf der Bühne – und eventuell auch die scharf­sin­nigen Denker, spitzzüngigen For­mulierer, kritischen Hinterfrager beim Schreiben der Nummern, bei der Dramaturgie, bei der Regie. Jedenfalls sagt man sich zum Schluss: «Jetz bruuchsch bigoscht en Friäliger Moscht!»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch