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In kleinen Schritten zurück

beaver creek. Walter Hlebayna, Chefcoach der Schweizer Skirennfahrer, sieht sich nach dem Speed-Auftakt in Lake Louise bestätigt. Die Equipe hat den Weg der kleinen Schritte zu gehen – auch wegen des Handicaps der hohen Startnummern.

«Es gibt keine Wunder», sagt Walter Hlebayna in Beaver Creek, wo in dieser Woche eine Abfahrt, ein Super-G und ein Riesenslalom im Programm stehen. Letzte Vorwoche in Lake Louise durfte der Vorarlberger immerhin erste Ansätze der Besserung konstatieren. «Wir müssen uns wieder herankämpfen und versuchen, uns an die Top Ten heranzuarbeiten. In diesem Sinn sind die Rennen in Lake Louise so verlaufen, wie ich die Si­tua­tion eingeschätzt habe.»

In der Abfahrt hob Hlebayna die Leistung von Carlo Janka hervor, der mit der Startnummer 37 Zehnter wurde. «Es ist erfreulich, dass er wieder ins Fahren kommt. Für ihn war es nicht nur wegen der hohen Startnummer schwierig, sondern auch von den Bedingungen her. Die haben nicht mehr viel zugelassen.» Im Urteil über Janka sieht der Nachfolger des glücklosen Osi ­Inglin gute und weniger gute Phasen. «Die Konstanz ist auch jetzt noch nicht zu hundert Prozent da. Ich denke aber, dass ihm so kleine Schritte guttun werden und ihm weiteres Selbstvertrauen geben. Wir werden generell daran arbeiten, dass alle Fahrer gestärkt und mit einer breiteren Brust an den Start gehen werden.» Dass neben Jankas Auftritt in seiner Equipe noch nicht allzu viel zusammengepasst hat, verneint Hlebayna nicht: «Die drei Tage in Lake Louise entsprechen der Realität.»

Über die Vorstellung von Beat Feuz im Super-G zeigte sich Hlebayna nicht überrascht. «Ich bin erfreut. Ich weiss ja, was er kann, wie zentral er über dem Ski steht. Und natürlich war ich froh, zu sehen, dass das Knie hält und er überhaupt fahren konnte.» Hlebayna sieht Feuz als wichtiges Mitglied im Team: «Einer wie er tut jeder Mannschaft gut, auch aus menschlicher Sicht. Er ist ja nicht einer, der zum Lachen in den Keller geht.»

Europacup kein Abstieg

Erste ansprechende Ansätze sind das eine, die Problematik der hohen Startnummern ist das andere. Davon sind auch arrivierte Fahrer betroffen. «Wenn ein Marc Gisin mit einer Nummer um die siebzig oder achtzig starten muss, ist er eigentlich gestraft.» Strategie und Wege, um sich aus diesem Teufelskreis lösen zu können, sind für die Zeit nach den Nordamerika-Rennen vorgezeichnet. Dazu muss der Athlet seinen Teil beitragen. Er muss die ­Si­tua­tion annehmen: Der Weg zu Fis-Punkten kann nur über Einsätze im Europacup führen, zumal auf Stufe Fis-Rennen praktisch keine Abfahrten im Kalender stehen. Der Fahrer muss annehmen, dass Einsätze auf zweithöchster Stufe nicht einem Abstieg gleichkommen. Er muss sich auch dar­über im Klaren sein, dass gute Ergebnisse dort keine Selbstläufer sind. «Auch der Europacup ist keine ‹gmahte Wiesn›», umschreibt Hlebayna.

Gedacht waren Europacupstarts schon vor der Abreise nach Nordamerika. Auf der Reiteralm hätte eine Möglichkeit bestanden, die Fis-Punkte zu verbessern und in Lake Louise entsprechend besser dazustehen. Hätten jene Rennen in Österreich nicht abgesagt werden müssen, hätte sie Hlebayna beschickt – trotz Nachteilen bei der Vorbereitung auf den Speed-Auftakt im Weltcup in Kanada.

Suche nach dem letzten Glück

Marc Berthod und Sandro Viletta sind zwei der älteren Fahrer, die von den technischen Disziplinen kommen und ihr (letztes) Glück im Speed-Bereich zu finden hoffen. Hlebayna differenziert die Ausgangslagen. Bei Viletta sieht er die Nachteile nicht so gravierend: «Mit einer Nummer um die vierzig hat er die Chance, die Punkteränge zu erreichen.» Schwieriger wird es für Marc Berthod, der gegenwärtig mit Sechziger-Nummern starten muss.

Aus der Gilde der Nachwuchsfahrer sind Nils Mani und Ralph Weber in Nordamerika dabei. Bei ihnen kommt erschwerend dazu, dass sie noch nicht über das Niveau verfügen, um sich vollends auf Weltcupstrecken bewegen zu können. «Bei der Arbeit mit den Jungen gilt es, die richtige Mischung zu finden. Als Hauptzielsetzung gilt nach wie vor der Europacup. Wir wollen ihnen aber auch die Möglichkeit geben, Weltcuppisten kennen zu lernen.» Hlebayna nennt das Wechselspiel «Aufzugfahren». (spg)

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