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«In Tat und Wahrheit harte Arbeit»

GENF. Der Brite Christopher Froome gewann mit 54 Sekunden Vorsprung auf den Slowenen Simon Spilak die 67. Tour de Romandie.

Christopher Froome wurde seiner Favoritenrolle an der Westschweizer Rundfahrt vollends gerecht. Am Ende genügte ihm ein solides Zeitfahren über 18,7 km entlang des Genfer Seebeckens, um sich erstmals in die Siegerliste der seit 1947 ausgetragenen Westschweizer Rundfahrt einzutragen. «Es sieht nur von aussen locker aus, in Tat und Wahrheit ist es harte Arbeit», meinte der Brite auf die Bemerkung, dass bei ihm alles, sogar ein Toursieg, so leicht ausschaue.

Froome und der zweitklassierte Simon Spilak, der das welsche Mehretappenrennen 2010 gewonnen hatte, legten den Grundstein für ihre Topplatzierungen am Samstag auf der Königsetappe nach Les Diablerets. Nach drei Pässen der ersten Kategorie war das Duo auf dem Schlussanstieg zum Skiort bei nasskaltem Wetter der Konkurrenz davongefahren; besonders Froome hatte dem Kampf gegen die Uhr auf der Schlussetappe vom Sonntag entspannt entgegensehen können.

Nach dem Sieg an der Oman-Rundfahrt vor knapp zwei Monaten und dem Triumph am zweitägigen Critérium International freute sich der 27-jährige Profi aus dem Team Sky sichtlich über den dritten Gesamtsieg der Saison: «Mein Team hat gute Arbeit geleistet, wir sind mit der Woche sehr zufrieden.» Dennoch legte Froome den Fokus bereits wieder auf das Hauptziel in diesem Jahr, die Tour de France: «Ich bin noch nicht in Bestform für die Tour und stecke noch mitten in der Vorbereitung. Als Leader habe ich hier viel gelernt – davon werde ich in Frankreich mit Sicherheit profitieren.» Froome, der in Kenia geboren ist und früher für die Afrikaner Rennen bestritt, wird in der Jubiläumsausgabe der Tour de France von Sky als Nummer 1 ins Rennen geschickt, nachdem er im vergangenen Jahr noch der Edelhelfer seines Teamgefährten Bradley Wiggins (Gb) war. Notabene löste Froome nun Wiggins auch hier in der Romandie als Sieger ab.

Im Kampf gegen die Uhr rehabilitierte sich am Sonntag auf dem letzten Teilstück Tony Martin, als Zeitfahr-Weltmeister der Favorit auf den Tagessieg schlechthin. Nachdem er am Vortag noch zu früh angegriffen hatte und beim Schlussanstieg auf Les Diablerets eingebrochen war, fuhr der 28-jährige Deutsche mit der Wut im Bauch und feierte auf dem Rundkurs am See­becken quasi einen Start-Ziel-Sieg. Schliesslich nahm er Froome, der das Zeitfahren als Dritter beendete, 34 Sekunden ab. Überraschend verlor der talentierte Italiener Adriano Malori (25) als Zweiter lediglich 16 Sekunden.

Der Emmentaler Marcel Wyss vom Schweizer Team IAM Cycling beendete das fünfte und letzte Teilstück als 36. (1:32 zurück) und war erneut der beste Schweizer – auch in der Gesamtwertung. Als Zehnter schloss er die Tour ab, was für ihn keine Selbstverständlichkeit war. Von den elf gestarteten Einheimischen (neun kamen ins Ziel) verlor der 26-Jährige auf den knapp 760 km lediglich 2:41 auf Froome. Andere wie Johann Tschopp (IAM/28.) oder Steve Morabito (BMC/24.) enttäuschten da schon mehr. Weil der Österreicher Matthias Brändle dank seiner aktiven Fahrweise das grüne Trikot des Punktbesten definitiv gewann, konnte IAM, das als einziges Team alle Fahrer nach Genf ins Ziel brachte, am Ende der Tour doch noch zufrieden sein. Dennoch wird man die Nichtberücksichtigung für die diesjährige Tour de France zuerst verdauen müssen. «Die Tour de France kann ich auch ein anderes Mal fahren, für mich ist das nächste Rennen wichtig, die Tour de Suisse», sagte Wyss zu diesem Thema.

2014 Prolog im Tessin

Die nächste Tour de Romandie beginnt (nicht zum ersten Mal) im Tessin. Gestartet wird 2014 in Ascona mit einem Prolog über 5 km. In weiteren Etappen werden Städte wie Sitten, Aigle, Freiburg und Neuenburg (Stadion Maladière als Zielort?) angefahren. Zudem ist erneut eine Bergankunft geplant, doch konnte Renndirektor Richard Chassot hierzu noch keine genaueren Angaben machen. Bleibt die Rundfahrt weiterhin ihrem Erfolgskonzept treu und sollte Froome als Favorit in diesem Jahr die 100. Tour de France gewinnen, müssten sich andere Siegesanwärter auf die «grande boucle» durchaus Gedanken machen. In den vergangenen drei Jahren hätte nämlich der Gewinner der TdR stets auch die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. (si)

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