Zum Hauptinhalt springen

In Überzahl ungefährdet

luzern. Schon nach neun Minuten hatten die Grasshoppers in Luzern einen Mann mehr auf dem Platz. Das nutzten sie zu einem 2:0-Sieg, mit dem sie Leader nach Verlustpunkten blieben.

Fussball ist sehr oft ein Episodenspiel. Und zwei solcher Momente waren für die Entwicklung dieses Matchs zwischen FCL und GC massgeblich – zuerst hin zu einem hitzigen Fight und dann zu einer zweiten Halbzeit, die nicht viel mehr war als das Abspulen eines Pflichtprogramms.

Hitzig war die Atmosphäre nach dem Zwischenfall in der 9. Minute, als GC-Mittelfeldspieler Toko den bulgarischen FCL-Stürmer Dimitar Rangelov foult – und ihm dabei auf den Oberschenkel stand. So wie es aussah, hätte das auch absichtlich geschehen sein können. Sicher aber war, dass Rangelovs Reaktion eine klare Tätlichkeit war und zu Recht mit Platzverweis bestraft wurde. Toko wiederum hatte Glück, mit einer Verwarnung davonzukommen.

Skibbes kluger Entscheid

Zweifellos handelte der Zürcher Trainer Michael Skibbe dann aus zweierlei Gründen klug, als er nach gut einer halben Stunde Toko auswechselte und durch den Brasilianer Caio ersetzte. Er nahm mit der Ersetzung Tokos «Gift» aus dem Spiel, gleichzeitig verlieh er seiner Mannschaft dank Caios guter Technik mehr spielerisches Gewicht. Es war dann kein Zufall, dass der Brasilianer für die zweite gewichtige Episode verantwortlich war: Sein Freistossball aus nahezu 30 Metern, mit dem er in der dritten Minute der Nachspielzeit Luzerns falsch spekulierenden Torhüter David Zibung überlistete, wies den Grasshoppers definitiv den Weg zum Sieg.

Also gingen die Grasshoppers nicht nur mit einem Mann, sondern auch mit einem Tor mehr in die zweite Halbzeit. Das waren der Vorteile mehr als genug, um die weisse Weste unter Skibbe mühelos zu wahren. Sie sind jetzt national in acht Liga- und zwei Cupspielen unbesiegt, seit der Deutsche ihr Trainer wurde. Wie sie das Geschehen fortan kon­trol­lier­ten, entsprach dem Stil einer Spitzenmannschaft. Zu bemängeln war nur, dass sie es bei einem weiteren Treffer bewenden liessen: Nach einer Stunde köpfelte Anatole Ngamukol einen Eckball Izet Hajrovics völlig freistehend ins Tor. Die letzte halbe Stunde danach hätte man sich in der Tat sschenken schenken können.

Skibbe stellte hinterher mit Recht fest, «dass uns der Platzverweis sehr in die Karten spielte und wir erst mit der Einwechslung Caios ruhiger und sicherer spielten.» Gegenspieler Carlos Bernegger mochte sich nicht lange über die Entscheidung des Basler Schiedsrichters Jaccottet aufhalten. «Er stand gut,» sagte er, «und ich denke, dass er es richtig sah.» Er als alter GC-Angestellter wisse natürlich auch um die Eigenheit Tokos, immer wieder zu provozieren. Aber Bernegger hatte die Klasse, die Szene nicht nochmal aufzukochen.

FCL – schlimmer gings nicht

Verständlich war natürlich, dass er noch sagte: «Aber natürlich war es ein Spiel, das für uns nicht schlimmer hätte laufen können – mit der frühen Roten Karte und dem Tor in der Nachspielzeit vor der Pause.» Kam später hinzu, dass Zibung kurz vor Schluss nach einer Aktion Hajrovics, dem er in die Füsse getaucht war, noch mit einer erheblichen Gesichtsverletzung ausschied. Es sah nicht so aus, als habe Hajrovic alles getan, einen Zusammenprall zu vermeiden. Michel Renggli, der angestammte Captain des FCL, sah das alles übrigens von der Tribüne aus. Ihn hatte Bernegger wie schon am Samstag in Bern nicht mal ins Aufgebot genommen.

So gesehen war es ein durch die Entgleisung eines Spielers und eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung massgeblich beeinflusster, ja beeinträchtigter Spitzenmatch. Dass GC zurzeit solide spielt, wurde zwar bewiesen. Aber natürlich sind unter diesen Umständen tiefere Schlüsse nicht angemessen. Für Bernegger war einfach klar, «dass wir in Unterzahl gegen diese spielstarken Grasshoppers nicht alles verhindern konnten.» Vor allem nicht bei Standardsi­tua­tio­nen und mit einer Unachtsamkeit, wie sie Zibung beim 0:1 beging.

Skibbe konnte immerhin registrieren, dass Caio für seine Mannschaft tatsächlich eine Hilfe sein kann und dass Ngamukol eigentlich stets ein Gewinn ist, wenn ihm erlaubt wird, mitzuspielen. Gestern war aber auch Nassim Ben Khalifa eine Offensivkraft, die ihre Zweikämpfe regelmässig gewann. Und wichtig war überdies, dass sich Routiniers wie die zentralen Defensivspieler Stéphane Grichting, Milan Vilotic und Vero Salatic von der zwischendurch aufgekommenen Hektik in keinem Moment beeinflussen liessen. Sie spielten ihren Match ruhig und gelassen – so wie man es tun muss, wenn einem der Gegner schon so schnell die Gelegenheit gibt, in Überzahl zu spielen. (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch