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In Wila ist (fast) alles möglich

Die Wilemer Baubehörde will künftig bei den Kernzonen­vorschriften auch einmal ein Auge zudrücken, falls «besonders gute Projekte mit zeitgenössischer Architektur» eingereicht werden.

Bei der Ortsplanung prallen diverse Interessen aufeinander: Der Bauwillige wünscht sich möglichst wenig Einschränkungen, der Nachbar dagegen sieht es wieder anders und dann gibt es da noch das öffentliche Interesse. Lange Diskussionen sind daher nicht selten. Nicht so bei der von gut 30 Personen besuchten Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in Wila. Die Planungskommission erntete für die neue Version der Bau- und Zonenordnung gar ein Kompliment. Bei den neuen «Freiheiten» gab es dann aber doch noch etwas Klärungsbedarf: Gemeint sind zwei Sonderartikel in der Kernzone. Der eine lässt bei Projekten mit zeitgenössischer Architektur auch Abweichungen von den Regeln zu, falls das Vorhaben von einem Fachgremium als «besonders gut» beurteilt wird. Die Kosten für das Gutachten werden der Bauherrschaft auferlegt. Die andere Sonderbauvorschrift bietet bei der Erstellung von Gebäudegruppen diverse Erleichterungen. Wenn sich die Grundeigentümer also zusammentun, können sie auch mehr bauen. Es muss allerdings ein gemeinsames Baukonzept vorgelegt werden, das laut Verordnung eine «besonders gute Gestaltung» aufweist. Spielraum für Sonderregeln Einem Votant war dies alles zu wenig konkret. Er wollte wissen, in welchem Bereich sich die Flexibilität denn nun bewegt: «Geht es um Zentimeter oder Meter?» Darauf erwiderte Planer Alwin Suter: «Wir machen schlechte Erfahrungen mit Zahlen.» Stattdessen soll der Baubehörde ein Ermessensspielraum für Sonderregeln gewährt werden. «Wenn sie diesen verantwortungsvoll nutzt, führt dies zu besseren Lösungen», so Suter. Seiner Meinung nach lässt sich Qualität sowieso nicht über Spielregeln steuern. «Wir wollen nicht jeden Zentimeter reglementieren», ergänzte Ernst Wullschleger, Gemeinderat und Präsident der Planungskommission. Stattdessen sollen Bauwillige, die mit einem guten Projekt kommen, auch mehr Möglichkeiten haben. «Uns ist aber auch sonnenklar, dass dabei die Gefahr der Willkür besteht», so Wullschleger. Ein anderer Teilnehmer störte sich daran, dass sich diese Sonderregeln nur auf Neubauten beziehen. «Drei Viertel wollen ihre Gebäude doch bloss optimieren.» Er sah nicht ein, weshalb es dafür noch immer restriktive Regeln braucht, wie etwa für Dachaufbauten oder -einschnitte. Für Planer Suter sind diese Kernzonenvorschriften bei Umbauten aber nötig: «In einem Flarzhaus finde ich einen Dacheinschnitt beispielsweise schlecht.» Weitere Revisionspunkte sind:

  • Dorfkern: Rund um den Volg wird eine Zentrumszone ausgeschieden, die eine hohe bauliche Dichte zulässt. Im Erdgeschoss sind nur Räume mit publikumsorientierter Nutzung erlaubt. Die minimale Geschosshöhe ist auf 4,5 Meter festgelegt. Mit diesen Massnahmen soll die Entwicklung eines echten Zen- trums gefördert werden. «Das Engagement muss allerdings von privater Seite kommen», sagte Planer Reto Wild.
  • Umzonungen : Die Kernzone wird verkleinert, indem diverse Gebiete in Wohnzonen umgewandelt werden.
  • Neues Bauland : Ein Drittel der 8,2 Hektaren grossen Reservezone Schochen zwischen Bahnlinie und Töss soll eingezont werden. Im Vordergrund steht neuer Wohnraum. Das Vorhaben steht nach dem Ja zur Kulturlandinitiative allerdings auf wackligen Beinen. Trotzdem wurde die Einzonung nicht gestrichen. «So muss der Kanton nun dazu Stellung beziehen», erklärte ­Planer Suter.

Die öffentliche Auflage der Bau- und Zonenordnung läuft noch bis zum 1. Oktober. Danach werden die Einwendungen behandelt, bevor das Geschäft im nächsten Jahr der Gemeindeversammlung vorgelegt wird.

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