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In Winterthur wohnt man noch immer am günstigsten

Kantonsweit zahlt man in Winterthur für ein Wohnungszimmer am wenigsten. Genossenschaften vermieten zwar billiger als Private, sind aber nicht so wichtig wie in Zürich.

«Isch das no eusi Stadt?» Diese Frage prangt auf dem einen oder anderen Transparent, das an Häusern angebracht ist, in denen vermutlich Menschen aus der autonomen Szene wohnen. Die Antwort der Statistik auf die Frage ist eindeutig: Ja. In Winterthur wohnt es sich am günstigsten. Die Statistiker der Stadtentwicklung haben ausgerechnet, dass ein Zimmer einer Miet­wohnung durchschnittlich 482 Franken pro Monat kostet. Das ist genau gleich viel wie in der Gruppe «Land­gemeinden», jedoch viel weniger als im ganzen Kanton (547 Franken) und in den Agglomerations­gemeinden (521 Franken). In der Stadt Zürich kostet ein Zimmer 20 Prozent mehr als in Winterthur (579 Franken) und in den Seegemeinden 29 Prozent mehr (621 Franken, siehe Grafik). Bei der Berechnung des durchschnittlichen Zimmer­preises haben die Statistiker die Zimmer gewichtet; damit soll ausgeglichen werden, dass in Re­gionen mit vielen kleinen Wohnungen der Preis pro Zimmer nach oben gedrückt wird. 15 Prozent günstiger Katharina Gander vom Mieterverband mahnt zur Vorsicht beim Umgang mit diesen Daten. «In vielen Untersuchungen werden Preise herumgeboten, bei denen man denkt: Das ist ja gar nicht so teuer in Winterthur.» Immer aber gehe man von den Bestands­mieten aus, also von Mieten in bestehenden Mietverträgen. Da­gegen lägen die Mieten höher, die beim Abschluss neuer Verträge vereinbart werden (Neuvermietungsmieten): «Wer im Internet sucht, sieht ganz andere Preise.» Die neue Statistik der Stadt­entwicklung zeigt auch, wie viel günstiger Genossenschaftswohnungen im Vergleich zu «normalen» Wohnungen sind. Bei den Genossenschaften kostet ein Zimmer in Winterthur 410 Franken – das sind 15 Prozent weniger als bei den privaten Vermietern. Der Preisunterschied hängt mit der so­genannten Kostenmiete der Genossenschaften zusammen, also damit, dass diese von ihren Mietern nur die Deckung der effektiven Kosten verlangen und keine Rendite anstreben. Verglichen mit anderen Regionen ist der Preisvorteil, den die Genossenschaften herausholen, in Winterthur eher gering. Im ganzen Kanton beträgt die Ersparnis 24 Prozent, in der Stadt Zürich und in den Seegemeinden sogar 28 und 30 Prozent. «Bei den Genossenschaften ist die Rechnung überall dieselbe», erläutert Doris Sutter Gresia, die Präsidentin des Regionalverbands der Schweizer Wohnbaugenossenschaften: «Unsere Mieten er­geben sich aus den effektiven Kosten des Hausbaus.» Dass normale Mieten teurer sind, lasse sich mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage erklären: «In der Stadt Zürich kann man einfach viel mehr verlangen.» Die Statistik unterstreicht also die Bedeutung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus für billigen Wohnraum. Sie zeigt aber auch: In Winterthur sind die Genossenschaften verhältnismässig unwichtig – weil die Mieten relativ tief sind. Christian Gurtner

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