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Industriefirma auf Rekordjagd

Kompressoren made in Winterthur kommen bei den Kunden an: Noch nie sind bei Burckhardt Compression so viele Maschinen bestellt worden wie im letzten Jahr. Davon profitiert auch die Stadt.

Es ist ein leichter Auftritt für Burckhardt-Chef Marcel Pawlicek vor den Medienvertretern. Fast nur «good news» gibt es zu berichten aus dem letzten Geschäftsjahr, das bei Burckhardt Compre ssion von April bis März dauert. «Ich musste lange überlegen, was ich auf die Folie mit den Setbacks schreiben soll.» Dann kam Pawlicek doch ein Rückschlag in den Sinn: Die Kunden in Brasilien und Indien kaufen im Moment weniger Kompressoren aus Oberwinterthur als auch schon.

Mehr Einträge stehen auf der Folie mit den Highlights. Der Bestellungseingang erreichte mit fast 430 Millionen Franken einen Rekordwert. Gut einen Zwanzigstel mehr Ware wurde bestellt als im Vorjahr. Um über einen Zehntel nahmen die Verkäufe zu, auf gegen 370 Millionen – auch das ein hoher Wert, der allerdings im Jahr 2008 übertroffen worden war. Auch Betriebs- und Reingewinn nahmen klar zu, auf 74 respek­tive 56 Millionen Franken.

Für den Erfolg gibt es viele Erklärungen. Als Burckhardt Teil von Sulzer war, lief das Geschäft nicht immer so gut. «Wir sind fokussiert», sagt Pawlicek. «So kann man etwas erreichen, übrigens nicht nur im Business, sondern auch im Privatleben.» Natürlich profitiert die Firma auch von der starken Nachfrage. Burckhardt ist abhängig von der Investitionslust von Firmen aus der Öl-, Gas- und chemischen Indus­trie, die Kompressoren kaufen, um Gase zu verdichten, zu kühlen und zu verflüssigen. Weil die Märkte sich auch in Zukunft positiv entwickeln dürften, ist mit weiterem Wachstum zu rechnen. Bei der Frage nach der Grenze dieser Entwicklung wird der Burckhardt-Chef fast philosophisch: «Solange es Flüssigkeiten gibt, braucht es Pumpen, und solange es Gase gibt, braucht es Kompressoren. Und Gase wird es wohl länger geben als die Menschheit.»

Einstieg ins Fördergeschäft

Vom Höhenflug profitieren die Aktionäre, aber auch die Mitarbeiter und die Stadt Winterthur, wo die Firma den Hauptsitz und eine von drei Produktionsstätten hat. Die Aktionäre erhalten mehr Dividende, die Angestellten eine Erfolgsbeteiligung und Winterthur neue Arbeitsplätze. Etwa 50 Jobs kamen in Oberwinterthur hinzu, wo die Firma nun 557 Personen beschäftigt. Damit ist Burckhardt einer der grössten Arbeitgeber hinter den «Big Four» Axa, Zimmer, Rieter und Sulzer. Viele Arbeitsplätze sind zudem nicht besetzt. Im laufenden Jahr könnten 40 Stellen hin­zukommen, schätzt Pawlicek.

Um noch stärker zu wachsen, will Burckhardt neu ins Gas- und Ölfördergeschäft einsteigen. Gas wird heute oft mit Förderplattformen auf hoher See gefördert und sogleich auf den Plattformen verarbeitet. Dazu braucht es verschiedene Kompressoren. Auch bei der Ölförderung braucht es die Maschinen: Um eine Ölquelle bis zum letzten Tropfen auszuschöpfen, drückt man Gase in den Boden, damit das Öl aufsteigt. Die Verkaufsabteilung für das neue Geschäft wurde bereits aufgebaut, jetzt wartet man auf die erste Bestellung.

Trotz guter Zahlen und Expansionsplänen: Die Firma hat nicht alle Erwartungen erfüllt. Auf eine grössere Übernahme warten die Aktionäre weiter. Er habe «ganz klare Pläne» in dieser Hinsicht, sagt Pawlicek. Er spricht von einem Kaufpreis von etwa 50 Millionen Franken oder mehr. «Die Frage ist nicht, ob wir das stemmen können, aber eine Firma muss auch zu unserem Businessmodell passen.» Burckhardt ist in der angenehmen Si­tua­tion, sagen zu können: Das Geld ist nicht das Problem.

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