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Ineffizient und doch siegreich

In letzter Minute vermied der FCZ einen Punktverlust gegen den FC Thun, was als Fehlstart gewertet worden wäre. Nach 92 Minuten und 40 Sekunden traf Berat Djimsiti zum 3:2.

Der FCZ war knapp hinter dem Meister aus Basel die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde – und dies mit einer Offensive, die gar um ein Tor erfolgreicher war als jene des FCB. Sie wollten nicht nur diese guten Resultate bestätigen, sagte FCZ-Trainer Urs Meier deshalb vor dem Start zur neuen Saison. Er sagte auch mit Nachdruck, dass es selbst nach dem Abgang Josip Drmics, mit dem «26 Skorerpunkte verloren gegangen» seien, beim angriffigen Stil bleiben solle. Die erste Bestätigung ist dem FCZ nun gelungen, gegen einen FC Thun, der zwar so unangenehm auftrat wie so oft, allerdings nicht verbergen konnte, dass er doch nicht in Bestbesetzung spielte. Der eine oder andere jenes Quintetts, das nebeneinander auf der Tribüne sass, hätte vor allem im Mittelfeld geholfen – beispielsweise Luca Zuffi. Der Mangel an Effizienz Allerdings bestätigte sich der FCZ auf Umwegen: Offensiv und attraktiv spielte er von Anfang an. Vor allem Mario Gavranovic und Pedro Henrique kennzeichneten mit ihrer guten Technik, ihrer Leichtfüssigkeit und, jedenfalls Pedro Henrique, auch ihrer stupenden Schnelligkeit die Vorzüge des Zürcher Spiels. Was die FCZler allerdings nicht taten: diese Überlegenheit im Resultat umzusetzen. Die Zahl der Chancen war gross – und dennoch stands bei Halbzeit nur 1:0, durch ein Tor, das Gavranovic auch erst Sekunden vor dem Pausenpfiff erzielte. Damit schien immerhin der wichtigste Schritt zum Startsieg getan. Wie diese Halbzeit zu werten war, formulierte Urs Fischer, der Zürcher Trainer auf der Thuner Bank, später übrigens treffend: Trotz des Rückstands sei das Resultat «nach dieser ersten Halbzeit das beste für uns gewesen». Aber schon eine Viertelstunde später waren der Resultattafel Zahlen zu entnehmen, die bedrohliches Zeichen für die mangelnde Effizienz der Zürcher waren – und Nachweis einer Steigerung der Berner. «In der zweiten Halbzeit sah man doch einen besseren FC Thun», sagte Fischer zu Recht. Dieser FC Thun schoss binnen weniger Minute durch den neuen Venezolaner Josef Martinez und den Captain Dennis Hediger jene zwei Tore, die ihm selbst stark ersatzgeschwächt Punkte im Letzigrund einzubringen schienen. Sie waren aber auch Folge des zweiten Defizits dieser «schön» spielenden Zürcher Mannschaft: Sie beging in der Defensive zu viele Fehler, vor allem Captain Philippe Koch als Rechtsverteidiger, aber auch Rückkehrer Alain Nef. Weil auf der andern Seite Ersatztorhüter David Moser (24) in seinem erst zweiten Super-League-Match von Beginn weg erstklassig spielte, weil er in der 81. Minute gegen Pedro Henrique nochmals brillant reagierte, verdichteten sich diese Anzeichen: dass der FCZ einen Match verlieren würde, den er längst hätte gewonnen haben müssen. Aber einen Vorzug spielten die Zürcher dann doch noch aus: Sie gaben nie auf, sie wirkten gegen Schluss dieses Hitzespiels auch etwas frischer. Meiers wichtige Wechsel Da half Meier mit Wechseln mit. Djimsiti, der für Philippe Koch kam, Davide Mariani und Stjepan Kukuruzovic waren massgebliche Figuren bei den beiden späten Toren, die dem FCZ schliesslich auch die erste resultatmässige Bestätigung des Frühjahrs eintrugen. Mariani bereitete für Pedro Henrique in der 84. Minute den Ausgleich vor; es wirkte schon fast wie ein kleines Wunder, dass Pedro Henrique den Ball doch noch einmal über die Linie brachte. Wenig später liess er sich auswechseln, «völlig überhitzt», wie Meier die Folgen der Hitze bewertete. Manche seien nach dem Spiel auf der Waage vier Kilo leichter gewesen als vorher, sagte der Trainer noch. Schliesslich hob Kukuruzovic den letzten Eckball auf den Kopf Djimsitis, der sich mit seinen 1,90 m am «Fünfer» entscheidende Vorteile schuf. Also konnte sich Meier ein erstes Mal bestätigt fühlen, zu Recht Vertrauen in jene zu haben, denen er zutraut, Drmic zu ersetzen. Zufrieden sein konnte er auch mit dem Debüt des Israelis Avi Rikan, der diesmal wirkungsvoller spielte als Davide Chiumiento, sein Partner im zentralen Mittelfeld. Die Defizite in der Defensive überging Meier nicht. Aber er sah auch, «wie wir bis zuletzt an den Sieg glaubten.» Fischer wiederum sprach begreiflicherweise davon, «dass die Enttäuschung gross ist – wenn man nach über 80 Minuten noch 2:1 führt und dann verliert». Aber er hatte auch die Klasse anzuerkennen, «dass das Resultat – über 90 Minuten gesehen – korrekt ist». Ein Thuner Sieg bei diesem Chancenverhältnis – das wäre schon etwas viel gewesen. (-li)

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