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Intensität und Weitblick

Ihr Ton und ihre gestalterische Kraft sind einfach hinreissend. Die Bratschistin Tabea Zimmermann begeisterte am Montag mit der Camerata Zürich im Festspielkonzert.

Wenn Tabea Zimmermann die Bühne betritt, zieht sie alle in ihren Bann. Sie bewegt sich agil, strahlt mit ihrem wachen Blick eine starke Präsenz aus und fügt sich dennoch kammermusikalisch ins Streicherensemble der Camerata ein. Dass sie zu den weltweit führenden Bratschisten zählt, offenbarte sich schon bei den ersten Tönen von Paul Hindemiths «Trauermusik» von 1936. Tabea Zimmermann spielt auf einer Bratsche von Etienne Vatelot, deren Klangfarbe gerade in der sonoren Lage reich und üppig ist. Zimmermann tauchte in der langsamen Einleitung mit aller Ruhe in die harmonisch reichhaltige Textur von Hindemiths «Trauermusik» ein, um die Intensität und rhyth­mische Verdichtung mit Weitblick über die ersten drei Sätze hin zu steigern. Und dann der Choral «Für den Thron tret ich hiermit», der sich im Wechselspiel mit solistisch-rezitativischen Einwürfen der Solobratsche durch das ganze Streichorchester zieht – Kammermusik pur. Die Camerata Zürich spielte stehend, angeführt von Konzertmeister Igor Karsko. Sie fand zu einem der «modernen» Kammerorchester-Literatur entsprechenden, intensiven und gut ausbalancierten Gesamtklang, die harmonischen Reibungen wurden ebenso bedeutungsvoll ausgespielt wie die kammermusikalische Phrasierung ausformuliert. Tabea Zimmermann trumpfte auch in Alexander Glasunows Konzert für Viola und Streichorchester op. 109 auf, das ursprünglich für Altsaxofon geschrieben wurde. Die Solistin lotete hier nicht nur die «romantische» Grundhaltung aus, sondern brillierte auch im lebendigen Fugato und der virtuosen Solokadenz. Die Camerata reagierte hellwach und agil auf ihr beredtes Spiel. Für den begeisterten Applaus bedankte sich Zimmermann mit einer wunderbar verinnerlichten Zugabe. Farbig und leicht Eröffnet worden war der Abend mit Antonín Dvoráks «Notturno» op. 40, in welchem das tiefe Streicherregister in einem schier endlosen Klangteppich ausgebreitet wird. Diese slawische Klangstudie passte gut zu Leoš Janá­ceks Suite für Streichorchester, einer subtilen Mischung von tänzerischer Leichtigkeit und farblichem Raffinement, welche die Camerata hingebungsvoll und differenziert auskostete. Ein insgesamt beeindruckender Konzertabend.

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