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Irak versucht den Terror zu stoppen

Im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis bat der Irak gestern die USA um militärische Hilfe. Derweil versuchte Isis, die grösste Ölraffinerie des Landes zu erstürmen.

Der Irak hat gestern die USA offiziell ersucht, Militärschläge gegen die sunnitische Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) durchzuführen. Iraks Aussenminister Hoshyar Zebari gab dieses Begehren an einer Medienkonferenz in Saudiarabien bekannt. US-General Martin Dempsey bestätigte dies während einer Anhörung im US-Senat. Die USA behalten sich eine Militäraktion im Irak vor, um den Vormarsch von Isis auf Bagdad zu stoppen. Als eine Option gelten Luftangriffe. Der Einsatz von Bodentruppen hingegen wurde ausgeschlossen. Näheres wollte US-Präsident Barack Obama noch gestern mit hochrangigen Kongressmitgliedern diskutieren. Die USA haben mehrere Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Zurückhaltend blieben die USA in Bezug auf eine Kooperation mit dem Iran. «Wir sprechen nicht über eine Koordination von militärischen Aktionen», sagte der Sprecher des Weissen Hauses. Dies stand einem Eindruck entgegen, den US-Aussenminister John Kerry zuvor erweckt hatte. Die Terrorgruppe Isis will offensichtlich die Lebensadern im Irak kappen. In Bayji rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad griffen die Extremisten gestern die grösste Ölraffinerie des Landes an und besetzten sie zeitweise. Deren Betrieb war bereits am Vortag aus Sicherheitsgründen gestoppt worden.

Stromversorgung bedroht

Bayji ist für Bagdad strategisch bedeutend. Dort steht auch ein Elektrizitätswerk, das die Hauptstadt mit Strom versorgt. Stundenlang tobten heftige Kämpfe der Islamisten mit Regierungstruppen, die auch Luftangriffe auf Isis-Stützpunkte flogen. Die irakische Führung rief die Menschen auf, Benzin und Strom zu sparen und mit Lebensmitteln umsichtig umzugehen. Vor allem im stark gesicherten Bagdad, das die Extremisten stürmen wollen, herrscht Angst und Schrecken. Zahlreiche Sicherheitskräfte sind dort zusammengezogen. Vereinzelt gab es Stromausfälle, Internetdienste wie Twitter und Facebook waren zeitweise unterbrochen.

Gemeinsam gegen den Terror

Der umstrittene irakische Regierungschef Nouri al-Maliki, ein Schiite, beschwor angesichts der Eskalation die Einheit aller Iraker. In einer im Staatsfernsehen ausgestrahlten Rede betonte er: «Der Irak ist eine Einheit – aus Sunniten, Schiiten, Arabern und Kurden.» Und dies, obwohl er mit seiner religiös geprägten Politik das Land selber jahrelang spaltete. Zugleich entliess Maliki ranghohe Militärs in den von der Terrorgruppe überrannten Gebieten. Die politischen Kräfte des Landes hätten bei einem Treffen am Vorabend in Bagdad eine gemeinsame Botschaft gesendet: Zusammen wolle man den Terroristen entgegentreten. Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen müssten beigelegt werden, sagte der ehemalige Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari in Anwesenheit führender Sunniten und Schiiten. Darunter waren auch der ehemalige Präsident des unlängst aufgelösten Parlaments, der Sunnit Osama al-Nujaifi, und Maliki. Maliki wies Berichte zurück, wonach sich nur Schiiten als Freiwillige zum Kampf gegen die Terrorgruppe Isis gemeldet hätten. «Das ganze irakische Volk stellt sich dieser Gefahr entgegen», betonte er. Ministerpräsident Nouri al-Maliki kündigte weiter an, das neu gewählte Parlament werde in wenigen Tagen zu einer ersten Sitzung zusammenkommen. Ende April war die Allianz Malikis als stärkste politische Kraft aus den Parlamentswahlen hervorgegangen. Der Schiit ist bei der Regierungsbildung auf die Unterstützung anderer Blöcke angewiesen. Er ist aber wegen seines autoritären Führungsstils äusserst umstritten. Der Präsident der kurdischen Autonomieregion, Massoud Barzani, rief die Bevölkerung zur Gegenwehr auf. «Es ist die Pflicht aller in der Region Kurdistan, die Peschmerga, das heisst die Kurdentruppen, und die kurdischen Sicherheitskräfte zu unterstützen», erklärte er. Die Kurdenverbände stellen sich im Norden des Landes und in der Region um die ölreiche Stadt Kirkuk der Isis entgegen. Pensionierte Peschmerga-Angehörige forderte Barzani auf, ihre früheren Militäreinheiten zu kontaktieren.

Vormarsch Richtung Aleppo

Nach ihrem Vormarsch im Irak eroberte Isis weitere Ortschaften im Nachbarland Syrien. Nach eigenen Angaben nahmen Isis-Kämpfer mehrere Dörfer in der ostsyrischen Provinz Deir al-Zor ein und rückten im Norden des Landes näher an die Stadt Aleppo heran. 60 Bauarbeiter sind gemäss einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Dogan im Irak verschleppt worden. Unter den Entführten seien auch 15 Türken, meldet die Agentur unter Berufung auf einen Arbeiter, der entkommen konnte.

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