Nachgefragt

«Irgendwann muss unser Papst herkommen»

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Vor knapp eineinhalb Jahren hat ihre koptisch-orthodoxen Gemeinde die katholische Kirche in Grafstal für die nächsten 99 Jahre im Baurecht übernommen. Wie haben Sie sich eingelebt?
Refaat Rizkallah: Tipptopp. Wir fühlen uns sehr wohl hier und sind dankbar, dass wir diese Möglichkeit erhalten haben. Denn der Platz in unserer Kirche in Dietlikon, unserer bis vor kurzem einzigen im Kanton Zürich, wurde immer knapper.

Derzeit besuchen auch zahlreiche Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien ihre Gottesdienste. Wird es nicht langsam wieder eng bei Ihnen?
Das ist so. Doch wir können die Menschen aus diesen Ländern nicht ausschliessen. Es sind Christen, die hier in der Schweiz sonst keine Kirche haben.

Bevor Sie kamen, hatten Anwohner Bedenken, dass es während der Gottesdienste zu viel Verkehr und Lärm geben könnte. Mussten Sie schon Reklamationen entgegennehmen?
Nein. Denn die meisten unserer Kirchgänger kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es sind nur etwa 20 Familien, die das Auto benützen. Ausserdem dürfen wir auf den Parkplatz beim Sportplatz ausweichen, falls wir doch einmal mehr Platz benötigen. Der ist etwas weiter weg von der Kirche. Lustigerweise haben sich Anwohner gemeldet, weil sie den Glockenschlag vermissten, nachdem ein Blitz in den Turm eingeschlagen hatte. Die Glocke blieb eine Zeit lang stumm.

In Zürich und Umgebung leben etwa 70 koptische Familien. In der ganzen Schweiz sind es rund 5000 Menschen. Werden es mehr oder weniger?
Unsere Gemeinde wächst. Man sieht es nur schon an den zahlreichen Kindern, die zum Gottesdienst kommen.

Dürfen junge Kopten nur untereinander heiraten?
Nein, keineswegs. Es gibt durchaus auch gemischte Ehen, bei denen der eine Partner katholisch oder reformiert ist. Er oder sie muss einfach ein Christ oder eine Christin sein.

Was unterscheidet Kopten von Katholiken oder Protestanten?
Es sind vor allem spirituelle Dinge. Bei uns dürfen schon die Kinder das Abendmahl nehmen. Ausserdem fasten wir viel länger. Im Jahr sind das 280 Tage. Dann gibt es auch einen organisatorischen Unterschied: Wir ordnen uns nicht dem Papst in Rom, sondern unserem eigenen Papst, dem Papst Tawadros II mit Sitz in Kairo, unter.

Papst Tawadros weiht in der Regel alle Kirchen im Ausland. Wann kommt er in die Schweiz?
Wir haben ihn schon letztes Jahr erwartet. Doch wegen einer Rückenoperation musste er die Reise verschieben. Irgendwann muss er kommen. Wann, wissen wir nicht. (Landbote)

Erstellt: 21.02.2018, 18:38 Uhr

Refaat Rizkallah, Vorstand Kopten

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