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Ist Castro der nächste Obama?

Washington. Er ist Keynote Speaker der Demokraten und soll Amtsinhaber Barack Obama die Unterstützung der Latinos sichern. Dabei wird Julian Castro das Zeug nachgesagt, bald in Obamas Fussstapfen zu treten.

Julian Castro (37, Bild) hat das Po­ten­zial, der nächste Barack Obama zu werden. Eine Latinoversion. Wie der Präsident wuchs er bei einer alleinerziehenden Mutter auf, die ihre Söhne Julian und Zwillingsbruder Joaquin im armen Westteil der texanischen Grossstadt San Antonio durchbrachte. Die harte Arbeit der Mutter und ihr aktives Engagement in der Bürgerrechtsbewegung «Raza unida» motivierte Julian, als einer der besten seiner Jahrgangsstufe in der Thomas Jefferson High School abzuschliessen. Das bescherte ihm einen Studienplatz an der Eliteuniversität Stanford. Nach seinem Politik- und PR-Studium wechselte er nach Harvard und absolvierte dort wie Obama die Law School. Heute ist Julian Bürgermeister der 1,3-Millionen-Metropole im Süden von Texas, die kürzlich vom renommierten Milken Institute die Auszeichnung der «am besten funktionierenden Stadt Amerikas» erhielt. Sicher auch das Verdienst des aufsteigenden Sterns am Himmel der Demokratischen Partei.

«In zehn Jahren werden die Leute sagen, ich war dabei, als er diese Rede gehalten hat», jubelt Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina das Po­ten­zial des Latinoführers hoch. Geschichte macht er schon jetzt. Er ist der erste latinostämmige Politiker, der die Grundsatzrede auf einem US-Parteitag halten durfte.

Die Grundsatzrede auf dem Parteitag der Demokraten stellt Castro vor die bisher grösste Herausforderung seiner Karriere. In Charlotte soll er Obama dabei helfen, dessen Vorteil unter den Hispanics auszubauen. Castro gehört zu der jungen Garde an Latinoführern, die sich zuvorderst als Amerikaner verstehen. Nirgendwo sonst sei es denkbar, innerhalb von zwei Generationen so weit auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben zu klettern, pflegt er seinen Zuhörern zu sagen.

«Billiger als das Gefängnis»

Anders als Obama machen Julian und sein Bruder, der für einen Sitz im US-Kongress antritt, in einer konservativen Hochburg Politik. Wobei San Antonio eine liberale Insel im ansonsten repu­blikanisch-roten Meer von Texas ist und ihn mit 82 Prozent der Stimmen im Bürgermeisteramt bestätigte.

Castro möchte den amerikanischen Traum auch für die nächsten Generationen am Leben erhalten. Deshalb investiert er sein politisches Kapital in San Antonio in eine Volksabstimmung über eine höhere Mehrwertsteuer. Die Einnahmen sollen genutzt werden, Kindern aus einkommensschwachen Familien den kostenlosen Besuch von Kindergärten zu ermöglichen. «Das ist billiger, als sie später im Gefängnis unterzubringen», lautet eines der Hauptargumente der Befürworter der minimen Steuererhöhung um ein Achtelprozent.

Freunde und Gegner gleichermassen bestätigen das Ausnahmetalent Cas­tros. Eine Kandidatur für die Nachfolge Rick Perrys als texanischer Gouverneur ist ebenso im Gespräch wie ein Kabinettsposten in einer zweiten Amtszeit Obamas. George W. Bushs ehemaliger Berater Mark McKinnon geht noch weiter. «Er hat beste Aussichten, der erste latinostämmige Präsident der USA zu werden.»

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