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«It’s a Sony» zieht nicht mehr

Japans einst stolzer Elektronikkonzern Sony ist gestern von einer Ratingagentur auf Ramschniveau herabgestuft worden. Doch auch andere japanische Elektronikkonzerne werden laufend abgestraft.

Besucher von Tokios Edeleinkaufsmeile Ginza beobachten den Niedergang der japanischen Elektronikindustrie schon lange: Noch vor zehn Jahren bildeten sich vor dem Sony Building Schlangen von Technikfans, die sehen wollten, was die Zukunft bringt. Hier wurden die Standards für Digitalkameras, Notebooks und tragbare Musikgeräte gesetzt, hier konnte man die neuen Playstations ausprobieren, hier spielte der Roboterhund Aibo Fussball. Doch «It’s a Sony» zieht nicht mehr. Heute braucht man vor dem Sony-Showroom in der japanischen Hauptstadt nicht mehr anzustehen, dafür bilden sich die Menschentrauben 300 Meter weiter: vor Ginzas Apple Store. Nach den Technikbegeisterten wenden sich nun auch die Investoren von Sony ab. Die Ratingagentur Fitch senkte ihre Bewertung gestern auf Ramschniveau, von «BBB–» drei Stufen tiefer auf «BB–». Ein fast ebenso schweres Misstrauensvotum sprach Fitch auch gegen Sonys grossen Konkurrenten Panasonic aus, der auf «BB» abrutschte. Anfang November war auch Sharp auf «BB–» gesunken. Deutliche Warnung Die neue, tiefere Bewertung ist nichts anderes als eine deutliche Warnung an Anleger, den einst stolzen Elektronikriesen noch Geld zu leihen. Japans einstige Vorzeigeindustrie steckt tief in der Krise. Zwar kann sie noch immer mit guten Produkten aufwarten, doch ihre überragende Technologieführerschaft ist längst Vergangenheit: Was früher Sonys Walkman war, ist heute Apples iPod. Der starke Yen tut das Seinige, um die Konkurrenzfähigkeit japanischer Produkte zu untergraben. Sharp, der Pionier der Flachbildfernseher, muss heute mit ansehen, wie die Südkoreaner von Samsung ihm den Rang abgelaufen haben. Vergangenes Jahr machten die drei Branchengrössten zusammen Verluste von mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Zehntausende Jobs wurden abgebaut und zahlreiche Werke stillgelegt. Sharp gestand kürzlich ein, die Finanzlage sei so desolat, dass bald der Fortbestand des Unternehmens in Frage stehen könnte. Für 2012 rechnet Sharp erneut mit einem riesigen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar. Ein wenig besser laufen die Dinge bei Panasonic. Dort glauben die Fitch-Analysten trotz eines erwarteten Jahresverlusts von zehn Milliarden Dollar, dass die Sanierung auf dem richtigen Weg ist. Sony prognostiziert für 2012 einen leichten Gewinn, der aber massgeblich auf den Verkauf seiner Chemiesparte zurückzuführen ist. Zu den Gründen für den Absturz der japanischen Elektronikriesen zählen unglückliche Investitionen, etwa in den Aufbau neuer japanischer Produktionsstätten in den Jahren vor der Finanzkrise. So errichtete etwa Sharp teure Anlagen für die Herstellung seiner Flachbildschirme. Doch seit 2008 leidet Sharp nun unter Überkapazitäten, deren Abbau schmerzhaft ist. Auch die Konkurrenz aus Südkorea und China wurde in Japan lange unterschätzt. Zwar sind die Japaner ihren Nachbarn technologisch noch immer überlegen, doch im Massenmarkt immer weniger konkurrenzfähig. Japan steuert auf Krise zu Mit den Elektronikkonzernen wankt derzeit das ganze Land auf seine nächste Krise zu. Erst Anfang vergangener Woche musste die Regierung bekannt geben, dass Japan wegen sinkender Exporte und flauer Binnenkonjunktur erneut in eine Rezession zu rutschen droht. Wenige Tage später löste sich dann das Parlament auf. Mitte Dezember gibt es Neuwahlen.

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