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Italiener sparen beim Essen

Florenz. Die Wirtschaftskrise vermiest den Italienern eine ihrer Leidenschaften: das Essen. Die Verarmung der Bevölkerung führt zu einem Umsatzrückgang bei Lebensmitteln um knapp fünf Prozent.

Antipasti, Primi und Secondi Piatti, Dolce, Obst und Kaffee – diese Reihenfolge kennzeichnet ein typisches italienisches Abendessen, das im Kreise der Familie oder mit Freunden genossen wird. Doch fünf Jahre Wirtschaftskrise haben ihre Wirkung gezeigt: Die Italiener sparen bei dem, was sie am liebsten tun – beim Essen.

Wie die jüngsten Zahlen des italienischen Statistikamtes Istat ausweisen, ging der Einzelhandelsumsatz bei Lebensmitteln im Februar 2013 zum Vergleichsmonat des Vorjahres um 4,8 Prozent zurück. Vor allem die kleinen Einzelhandelsläden und kleinere Supermärkte spüren die Zurückhaltung der Haushalte empfindlich. Bei ihnen verzeichnen die Statistiker einen Umsatzrückgang von bis zu 6,5 Prozent, während die grossen Ketten 3,5 Prozent weniger Waren als im Vorjahr verkaufen. Wie der Präsident von Istat, Enrico Giovannini, bei der Präsentation der neuen Statistiken ausführte, gaben 71 Prozent der Haushalte an, beim Lebensmittelkauf zu sparen.

Giovannini führte diesen Wechsel des Kaufverhaltens einerseits auf die steigende Arbeitslosigkeit, andererseits auf die schwierige Si­tua­tion der Mittel- und Kleinbetriebe zurück. Im selben Zeitraum, da die Italiener an Lebensmittelkäufen sparten, sei die Arbeitslosigkeit auf fast 12 Prozent gestiegen, bei jugendlichen Arbeitnehmern bis 25 Jahre sogar auf 36,9 Prozent. Zeitgleich haben sich auch die Preise erhöht, in vielen Bereichen um bis zu drei Prozent.

Giovannini – der als einer der Kandidaten für ein Ministeramt im wirtschaftlichen Bereich gehandelt wird – forderte die Parlamentarier auf, dringend Massnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung zu ergreifen. Das tägliche Sterben von Unternehmen – laut Istat melden jeden Tag 167 Betriebe Insolvenz an – und die zögerliche Bereitstellung der bereits datierten 40 Milliarden Investitionskredite seien nicht geeignet, die wirtschaftliche Lage zu verbessern.

Nicht nur im Lebensmittelbereich stellt das staatliche In­sti­tut einen Rückgang der Ausgaben fest. Auch Dienstleistungen des Gesundheitswesens werden von den Italienern weniger wahrgenommen. Sieben von zehn Familien geben an, auf diesem Sektor drastisch zu sparen. Eine weitere Folge der zunehmenden materiellen Not sind die Auswirkungen im Bereich der Schul- und Berufsausbildung. Bei sinkenden Haushalteinkommen steigen die Überlegungen, den Nachwuchs vorzeitig aus der Ausbildung zu nehmen und im Arbeitsmarkt zu integrieren. Eine widersprüchliche Entwicklung, da Unternehmen eher an ausgebildetem Personal als an einfachen Arbeitern interessiert sind. «Wir riskieren, mit dieser Tendenz auf dem europäischen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein», warnte Giovannini.

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