The Take

Theater auf der Beale Street

‹If Beale Street Could Talk› bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Romanverfilmung ist zu gesetzt.

Tish (Kiki Layne) und Fonny (Stephan James) haben es nicht einfach.

Tish (Kiki Layne) und Fonny (Stephan James) haben es nicht einfach.

James Baldwin ist einer der wichtigsten Autoren der Vereinigten Staaten. Barry Jenkins hat vor einigen Jahren mit ‹Moonlight› einen unerwarteten Hit geliefert, der mit einem Oscar gewürdigt wurde. Die Erwartungen für ‹If Beale Street Could Talk›, Jenkins Adaption von Baldwins gleichnamigen Roman, sind also dementsprechend hoch. Ganz erfüllen kann sie der Film aber nicht.

‹If Beale Street Could Talk› erzählt die Geschichte von Tish (Kiki Layne) und Alonzo ‚Fonny‘ Hunt (Stephan James) und ihren Familien in den frühen siebziger Jahren. Tish und Fonny kennen sich seit Kindesbeinen und sind seit kurzem ein Paar. Die 19-jährige Tish wird unerwartet schwanger, worüber die beiden sich eigentlich freuen würden, doch Fonny ist im Gefängnis. Er wird beschuldigt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Er und seine Familie wissen, dass er unschuldig ist, doch wer als Afro-Amerikaner einmal in die Mühlen der Justiz gelangt ist, kommt nur schwierig wieder raus. Tish und ihre Familie tun alles, um Fonnys Unschuld zu beweisen, damit er im Leben seines ungeborenen Kindes eine Rolle spielen kann. Gleichzeitig müssen sie auch die alltäglichen Hindernisse in Harlem meistern.

Der Trailer zu ‹If Beale Street Could Talk›

Dem Film haftet beinahe etwas Zeitloses an, denn der Stil der siebziger Jahre könnte genauso gut die Retro-Welle von heute sein. Ein Zeichen dafür, dass die Geschichte sich auch heute noch so abspielen könnte. Die Filmbilder sind mit äusserster Sorgfalt komponiert, die Farben sind intensiv und springen einem direkt an.

Doch die sorgfältige Komposition schlägt häufig ins theaterhafte über. Statt einer flüssigen Erzählung sind Szenen aneinandergereiht, die in sich stimmig sind, aber nicht zusammenhängen. Hinz kommt, dass die Geschichte nicht linear erzählt wird. Die einzelnen Szenen selbst wirken als seien sie fürs Theater geschrieben worden, Jenkins nutzt die Möglichkeiten des Mediums Films nur beschränkt. Auch das Schauspiel wirkt teilweise zu überlegt, zu steif, sodass die Figuren wie Typen wirken statt Individuen.

All dies führt dazu, dass der Film auf der emotionalen Ebene nur bedingt funktioniert. Als Kommentar über die schwierige Situation der schwarzen Bevölkerung und die Wichtigkeit von Familienbanden in dieser Situation, bleibt Baldwins Erzählung jedoch so relevant wie eh und je. ‹If Beale Street Could Talk› ist ab Donnerstag im Kino.

Erstellt: 07.02.2019, 15:55 Uhr

ZSZ-Mitarbeiterin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

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