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Jackson und die kecke Elbin

Eine neu erfundene Elbin, ein gereizter Drachen, Zwerge, die in Fässern einen Fluss hinunterdonnern, und sehr viel Gold: Peter Jacksons zweiter Hobbit-Film ist visuell auf dem Höhepunkt heutiger 3-D-Technologie und ein prächtiges Fantasy-Kino-Gaudi.

Und dann taucht eines Tages Prinz Thorin in Bree am Rande des Auenlandes auf und begibt sich in die Kneipe «Zum tanzenden Pony». Er wird beobachtet, erkannt, die Spannung – auf Thorin ist ein Kopfgeld ausgesetzt – steigt. Doch bevor die Si­tua­tion eskaliert, setzt sich Gandalf der Graue zu ihm. Es ist nicht zufällig, dieses Treffen von Zwerg und Zauberer zum Auftakt von «The Hobbit: The Desolation of Smaug». Es verknüpft Peter Jacksons zweiten Hobbit-Film elegant mit dem ersten, der letztes Jahr im Kino lief. Drei Hobbit-Filme sollen es zum Schluss sein, zu Grunde liegt der Film-Trilogie J. R. R. Tolkiens 1937 erschienenes Buch «Der Hobbit». Die Hobbit-Geschichte spielt rund 60 Jahre vor der – ebenfalls von Tolkien verfassten und von Jackson bereits früher verfilmten – «The Lord of the Ring»-Saga; ich will hier nicht langweilen, doch ohne ein bisschen «Drumherum-Wissen» ist man – und das ist dann auch die wirklich einzige Kritik, die man gegen diesen Film vorbringen kann – ohne Vorwissen ist man als Zuschauer in «The Hobbit: The Desolation of Smaug» rettungslos verloren. Denn anders als in «An Unexpected Journey», der weitgehend gemütlich daherkam und sich Zeit nahm, die Charakteren – wie etwa Thorin Eichenschilds dreizehn recht eigenwilligen, so verfressenen wie aber auch wackeren zwergigen Begleiter – einzuführen, treibt Jackson hier die Handlung über weite Strecken stringent und zügig voran. Gigantische Spinnen im Düsterwald So spielt die zweite Szene des Films bereits zwölf Monate später. Gandalf (Ian McKellen) und Thorin (Richard Armitrage) sind zusammen mit dem Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und den dreizehn Zwergen unterwegs zum Einsamen Berg, in dessen Innern der Drache Smaug den riesigen Schatz bewacht, der eigentlich den Zwergen gehört. Nachdem der abenteuerlich Tross die Begegnung mit dem Hautwechsler Beorn (Mikael Persbrandt), der bald ein Bär, bald ein Mensch ist glimpflich hinter sich gebracht hat, trennt sich am Rande des verzauberten Düsterwalds Gandalfs Weg von dem der anderen. Diese bekommen es im trügerischen Düsterwald mit gigantischen Spinnen zu tun. Sie werden von den Waldelben zuerst zwar aus den Netzen der Achtbeiner befreit, dann– weil sich Thorin und Elbenkönig Thranduil (Lee Pace) nicht einig werden – aber hinter Schloss und Riegel gesetzt. Dank Bilbo gelingt ihnen – und zwar in einer der atemberaubendsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte die Flucht – von Orks verfolgt treiben sie in Fässern stehend in rasendem Tempo einen reissenden Fluss hinunter. Und irgendwann dann landen sie tatsächlich auf dem Einsamen Berg, in dessen Innern sich Bilbo schliesslich mit dem bösen Drachen Smaug anlegt und diesem den legendären Arkenstein abzujagen versucht. Hübsche Bereicherung «The Hobbit: The Desolation of Smaug» ist spannend, abenteuerlich, dialogwitzig und – in bestechend klarer 48-Frame-Technik und in 3-D gedreht – ein audio-visuelles Vergnügen. Und weil die 300 Seiten, die Tolkiens Roman stark ist, dann doch etwas zu wenig Inhalt für die zum Schluss dann wohl gut achtstündige Filmtrilogie hergaben, hat Jackson die Story clever ergänzt. So tritt etwa auch der aus der «Der Herr der Ringe»-Trilogie bereits bekannt Elbenprinz Legolas (Orlando Bloom) auf. Legolas hat eine Gespielin, die in keinem von Tolkiens Bücher anzutreffen ist: die Elbin Tauriel (Evangeline Lilly). Tauriel ist eine einfache Waldelbin, aber flink und klug und eine glänzende Bogenschützin. Legolas ist trotz des Standesunterschiedes über beide Ohren in sie verliebt, derweil Tauriel, was mindestens ebenso unstatthaft ist, ihrerseits dem Zwerg Kili (Aidan Turner) schöne Augen macht. Mit Tauriel lässt Jackson in Tolkiens sonst stark männerdominierten Fantasy-Welt unverhofft eine neckische weibliche Figur auftreten, auch verpasst er damit der eher prüden Story ein wohltuendes Fünklein Erotik. Dass «The Hobbit: The Desolation of Smaug» genauso mittendrin abbricht, wie er anfängt, liegt in der Natur der Sache. Ehrlich gesagt aber würde man den dritten Hobbit-Film liebend gerne jetzt schon sehen. Denn bei allem Respekt vor Jackson und seiner grossartigen Filmkunst: sich nächstes Jahr kurz vor Weihnachten, nur um dessen Ende zu sehen, zum dritten Mal in die Geschichte von Bilbo, Gandalf & Co. einzuarbeiten, scheint mir etwas gar viel des Guten verlangt. Der Film kommt am Donnerstag in die Kinos.

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