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Jagd nach Stimmen auf dem Acker und im Wald

Haften Erdschollen an den Schuhen von Politikern, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Wahlkampf auf dem Land begonnen hat. Am Wochenende waren Jacqueline Fehr (SP) und Markus Kägi (SVP) im Zürcher Weinland unterwegs.

Wie im Wald oder auf dem Acker ist es auch im Wahlkampf nützlich, ein Zugpferd zu haben. SP-Regierungsratskandidatin Jac­que­line Fehr übernahm diese ­Rolle am Samstag in Mar­tha­len, SVP-Regierungsrat Markus Kägi gestern Sonntag in Guntalingen. Fehr leistete den Kantonsratskandidaten Markus Späth, Dominique Späth, Albert Wiss und Eugen Staub Schützenhilfe, Kägi tat das Gleiche für Konrad Langhart, Martin Zuber, Jürg Grau und Paul Mayer. «Das ist reiner Wahlkampf»: Um dem Vorwurf zu ­entgehen, wurden geflissentlich Sachthemen in den Vordergrund gestellt – das Endlager bei der SP sowie Wald und Wild bei der SVP. Die für den Kantonsrat Kandidierenden blieben so etwas verdeckt. Auf der Einladung der SP waren sie «auch präsent», auf jener der SVP «auch anwesend».

Mit einem rot-weissen Absperrband war am Samstag das Areal nördlich von Mar­tha­len abgesteckt, auf dem eines Tages das «Tor zum Endlager» gebaut werden könnte. Wenn die Regierungsratskandidatin Fehr ins Weinland komme, «geht die Sonne auf», sagte Markus Späth bei der Ankunft des Gastes aus Winterthur. Tatsächlich lugte in dem Moment die Sonne hinter den Wolken hervor – auf der Einladung der SP tut dies das «SVP-Sünneli»: Auf der Fotomontage schwebt der Gebäudekomplex des «Tors zum Endlager» wie ein Ufo über dem Gebiet Isenbuck/Berg. Ein Seitenhieb an die Volkspartei, die sich in den Augen der Sozialdemokraten zu wenig oder gar nicht gegen ein Endlager im Weinland wehrt. «Der Widerstand wird dar­über entscheiden, ob das Endlager hier gebaut wird», sagte Fehr vor den rund 50 Teilnehmern. «Alibiübung», «abge­kar­tetes Spiel», «Feigenblattprozess» oder «verschaukelt werden»: Fehr kritisierte den Suchprozess für ein Endlager scharf. Für eine vollendete Tatsache werde jetzt noch viel Papier produziert, «das macht mich wütend». Gegen den Schluss ihres Referats fuhren Feuerwehr- und Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenen Richtung Rhein­au – durch das ­Gelände des imaginären «Tors zum Endlager». Der Grund war ein Feuer in einem Lieferwagen.

Wohlig war das Feuer hingegen gestern Sonntag bei einer Waldhütte ob Guntalingen im Stam­mertal. Bevor man den Gastgeber, Waltalingens Gemeindepräsident Martin Zuber, in echt sah, begegnete man ihm zuvor gleich mehrmals – als lebensgrosse Figur in den Weinländer Äckern. «Das war die Idee meiner Frau», erzählte Zuber. Der SVP-Kantonsrat kandidiert erneut fürs Parlament. Es gebe viele Weinländer Themen, für die er einstehen wolle, «gerade wie die Tanne hinter euch». Bevor Regierungsrat und Jäger Markus Kägi das Wort zum ­Thema Wald und Wild ergriff, spielte die Jagdgesellschaft Guntalingen zuerst einen Jägergruss, dann das Stück «Aufbruch zur Jagd», die tschechische Version – und Jagdhornbläser Kägi spielte mit. Ist die Jagd nur eine Freizeitbeschäftigung «für reiche Säcke», eine «Trophäenjagd»? Dem sei nicht so, antwortete er auf seine eigene Frage. Es sei ein Leistungsauftrag von Bund und Kanton an die Jäger, für den Erhalt von gesundem Wild zu sorgen. «Es ist mehr als nur das Schiessen, es ist auch eine Tradition.» Und es gehe auch nicht um das Vernichten von Parasiten: «Jedes Tier hat seine Daseinsberechtigung.» Markus Brupbacher

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