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Jammern auf hohem Niveau

Misano. Mit den Rängen 4 und 5 erreichten die Moto2-Piloten Tom Lüthi und Dominique Aegerter beim GP von San Marino Spitzenplätze und jammerten nach dem Rennen fast mehr, als sie Freude zeigten.

Bezeichnend die Szene, als Tom Lüthi in seine Hospitality zurückkehrte: Die vielen Gäste empfingen den 27-jährigen Emmentaler mit heftigem Applaus. «Was soll das?», fragte der fast peinlich berührte Lüthi, «ich bin ja nur Vierter geworden und habe nicht gewonnen.» Der beste Suter-Pilot hatte sich nach seinen 3. Plätzen in Brünn und Silverstone sowie den gelungenen Trainings mit Startplatz 4 mehr ausgerechnet.

Lüthi: «Im Vergleich zum Training konnte ich heute keine Spitzenzeiten fahren. Dabei war ich überzeugt, um den Sieg mitkämpfen zu können.» Einen Grund für die fehlende Pace könnte die Tatsache sein, dass die Mechaniker nach dem Warm-up per Zufall einen angerissenen Bolzen in der Aufhängung entdeckten. «Nach der Reparatur hatte ich leider nicht mehr das gleich gute Gefühl für das Motorrad.»

Der Start war schon nicht optimal: Lüthi befürchtete gar, dass er für ein leichtes Zucken wegen eines Jump-Starts mit einer Durchfahrtsstrafe belegt werden würde. Dieses Zögern führte dazu, dass er gleich auf Rang 7 zurückfiel und schon in der ersten Kurve auch von Dominique Aegerter überholt wurde. Erst in den letzten sieben von 26 Runden konnte Lüthi zur Aufholjagd ansetzen. Nacheinander überholte er Aegerter, WM-Leader Scott Redding und Johann Zarco. «Klar haben diese Kämpfe Spass gemacht, das sind ja keine Nasenbohrer. Aber es wurmt mich, dass es dabei nicht ums Podest gegangen ist. Zwölf Sekunden Rückstand sind einfach zu viel.»

Vierter Saisonsieg

Das Spitzentrio aus der ersten Startreihe hatte sich rasch abgesetzt. Bis zwei Runden vor Schluss führte Takaaki Nakagami klar und träumte von seinem ersten Sieg im 62. WM-Rennen. Doch der Japaner musste sich am Ende von Pol Espargaro geschlagen geben, der wie bei seinem drei Saisonsiegen zuvor aus der Poleposition gestartet war. Als Dritter unterstrich Esteve Rabat die Kalex-Dominanz in der Moto2 (10:2-Siege ge­gen­über Suter).

Espargaro hat in der WM seinen Rückstand auf Leader Scott Redding (wurde 6.) um 15 auf nun 23 Zähler verkürzt. Tom Lüthi liegt mit 94 Punkten immer noch auf Rang 8 und hat nur noch 25 Punkte Rückstand auf Aegerter. Der Rohrbacher verlor seinen 5. Rang an Nakagami. «Das ärgert mich schon», sagte Aegerter, der schon nach einer Kurve vom 10. auf den 6. Platz vorgestossen war. Obschon er sein Ziel, immer unter die ersten fünf zu fahren, zum siebten Mal in dieser Saison erreichte, war ihm gar nicht zum Lachen zumute. Dabei zeigte er, dass er auch im Finish brandgefährlich sein kann.

Nach packenden Positionskämpfen, sogar mit Feindberührung («Das Duell gegen Redding war fair, aber nicht nötig»), fand sich Aegerter in der letzten Runde auf Rang 7, konnte aber gegen Redding und Zarco wie schon so oft in den letzten Kurven kontern. Aegerter: «Das Team hat sicher sehr gut gearbeitet. Aber wenn wir wirklich regelmässig ums Podest mitfahren wollen, dann müssen wir einiges ändern.»

Von Spitzenplätzen nur träumen kann im Moment sein Teamkollege Randy Krummenacher, der mit zwei gebrochenen Fingern der Form, der Moral und den WM-Punkten nachrennt. Gestern fehlten dem Zürcher Oberländer als 17. fünf Sekunden. «Ich werde bis zum nächsten Rennen in zwei Wochen in Aragon einiges checken lassen. Vielleicht haben meine Stürze von Silver­stone doch zusätzlich irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen gehabt.»

Lorenzos «Revier»

In der MotoGP-Klasse bezwang Titelverteidiger Jorge Lorenzo (Yamaha)wie schon in Silverstone das Honda-Duo mit den Spaniern Marc Marquez und Dani Pedrosa. Marquez, der an diesem Wochenende zweimal stürzte, fehlten 3,379 Sekunden auf den Sieger, Pedrosa lag 7,368 Sekunden zurück, während Valentino Rossi als Vierter schon über 15 Sekunden verlor.

Lorenzo stand in den letzten drei Jahren bei den GPs von Italien in Mugello und den GPs von San Marino in Misano immer zuoberst auf dem Podest. Nach seinem 49. Sieg, dem 107. Podestplatz im 191. WM-Rennen, hat er in der WM Pedrosa eingeholt und verkürzte den Rückstand auf den Moto2-Champion Marquez auf nun 34 Punkte.

Das Moto3-Debüt von Rossis Halb-Bruder Luca Marini (16) dauerte nach einem Sturz in der ersten Kurve nur gerade 13 Sekunden. Später erwischte es auch Pole-Mann Jonas Folger, der nach seinem Highsider keine gravierenden Verletzungen davontrug. Gewonnen wurde das Rennen von Alex Rins (4. Saisonsieg) vor Maverick Viñales, Alex Marquez und WM-Leader Luis Salom. Es war bereits der 16. KTM-Sieg in Serie – nur Honda hatte 1990/91 (19 Siege) und 1992/93 (17) eine längere Serie.

Besonders gefreut hat sich auch Tom Lüthis Teamchef Daniel M. Epp: Sein Schützling Philipp Oettl (16) fuhr in seinem 13. WM-Rennen als Neunter zum ersten Mal in die Top Ten. (si)

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