Porträt

«Jede Rosenpflanze ist ein Individuum»

Die Winterthuerin Regula Reinhart ist eine Frau mit vielen Interessen. Das zeigt sich auch in ihren zahlreichen Ehrenämtern.

Die Kartause Ittingen ist für Regula Reinhart ein Kraftort. Regelmässig kümmert sie sich um die historischen Rosen in den Gärten der Kartause.

Die Kartause Ittingen ist für Regula Reinhart ein Kraftort. Regelmässig kümmert sie sich um die historischen Rosen in den Gärten der Kartause. Bild: Johanna Bossart

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Rosen. Diese Blumen sind ihre Leidenschaft. Dafür investiert Regula Reinhart viele Stunden. Sie ist Präsidentin der Rosengesellschaft Winterthur und kümmert sich zusammen mit rund einem Dutzend anderer Mitglieder um die historischen Rosen in den Gärten der Kartause Ittingen. Derzeit ist sie zweimal pro Woche dort, um den Rosen den richtigen Schnitt angedeihen zu lassen. Die Arbeit bringt sie richtiggehend ins Schwärmen: «Ich spüre die Kartause als Kraftort. Ich schätze es, dass an den Rosen in Gruppen gearbeitet wird. Die Arbeit ist sehr kreativ. Wir sind immer im Austausch, denn jede Rosenpflanze ist ein Individuum. Man muss lernen, sich auf die Pflanzen individuell einzulassen.»

Wer sieht und hört, wie begeistert Regula Reinhart von ihrer Aufgabe erzählt, bekommt fast den Eindruck, bei ihr drehe sich alles um Rosen. Doch weit gefehlt! Die Rosen nehmen zwar einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben ein. Platz hat aber noch ganz viel anderes. Obwohl im Pensionsalter, übt sie immer noch verschiedene Ehrenämter aus. So ist sie Stiftungsrätin und Geschäftsführerin der Adele Koller-Knüsli Stiftung, die soziale Projekte und Organisationen in Winterthur fördert. Engagiert ist sie ferner im Vorstand der Stiftung Sprachheilschulen im Kanton Zürich. Zudem ist sie Mitglied im Club Winterthur von Soroptimist International. «Ich habe einfach viele Interessen», sagt sie, fast entschuldigend. «Kultur und Natur, Musik, Kunst, Geschichte, Politik – da fasziniert mich so vieles.»

Regula Reinhart ist Winterthurerin. Ihr Vater war Kinderarzt, aufgewachsen ist sie mit zwei Brüdern im Breitequartier. Nach dem Gymnasium studierte sie Jura in Zürich und zog dann nach Bern, wo sie beim Schweizerischen Roten Kreuz arbeitete. Anschliessend schrieb sie ihre Doktorarbeit und war als Dozentin an Krankenpflegeschulen tätig. Der nächste Arbeitsort in Bern war der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK). Schliesslich zog es sie zurück in ihre Heimatstadt, wo sie bei den Winterthur Versicherungen eine Aufgabe im Bereich der Krankenversicherung fand und bald zur Vizedirektorin aufstieg – als erste Frau im Schweizer Geschäft der Unternehmung. Eine Karriere im Versicherungsgeschäft strebte sie nie an. Die Stellung in der Unternehmung habe sich aufgrund ihrer Erfahrung ergeben.

«Inhalte waren mir immer wichtiger als Karriere.»Regula Reinhart

Vor zwanzig Jahren verliess sie die «Winterthur» und widmete sich dem Aufbau der Freiwilligenagentur Winterthur, die heute Benevol heisst. «Das war etwas völlig anderes als die Arbeit bei der Versicherung. Dort war ich in einen Grossbetrieb eingebunden. Bei der Freiwilligenagentur war ich auf mich alleingestellt und musste für jedes Problem selber eine Lösung finden.» Nach acht Jahren hatte sie das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sie liess sich deshalb frühzeitig pensionieren. Fortan widmete sie sich ehrenamtlichen Tätigkeiten. Hätte sie mehr aus ihrem Beruf machen können? «Ich hätte mit anderen beruflichen Entscheidungen eine andere Karriere machen und mehr verdienen können. Aber Geld hat mich nie sehr interessiert. Inhalte waren mir immer wichtiger als Karriere.»

Regula Reinhart lebt allein und hat keine Kinder. Sie wurde oft das Gefühl nicht los, als Alleinstehende im Beruf nicht genug ernst genommen worden zu sein. Halt fand sie im Freundeskreis und bei ihrem jüngsten Bruder, dessen Krankheit und Tod vor acht Jahren sie sehr traf. «Das war furchtbar.» Eine Freundin habe sie schliesslich zum Rosenschneiden in die Kartause Ittingen mitgenommen. «Ich habe mich darauf eingelassen und das hat mir bei der Verarbeitung geholfen. Seither bin ich von den Rosen nicht mehr losgekommen.» Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung wurde sie schon bald angefragt, in der Rosengesellschaft aktiv mitzuarbeiten. Vor kurzem übernahm sie nun auch noch das Präsidium.

Die Mitglieder der Rosengesellschaft Winterthur eint das gemeinsame Interesse an den Rosen in ihrer faszinierenden Vielfalt. Sie helfen mit bei der Pflege der über 1000 Rosen in den Gärten der Kartause Ittingen. Die Rosengesellschaft vermittelt ihnen in Kursen und Vorträgen Kenntnisse über die Kultur, Pflege, Sortenwahl und die gärtnerischen Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem veranstaltet sie Exkursionen und Gartenreisen und gibt das monatlich erscheinende «roseninfo» heraus.

Zum Schluss des Gesprächs wird Regula Reinhart besinnlich: «Je älter ich werde, desto wichtiger werden mir Gärten mit ihrem Wachsen, Blühen und Vergehen – mit ihrem immerwährenden jahreszeitlichen Kreislauf.» (Der Landbote)

Erstellt: 25.03.2018, 16:15 Uhr

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