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Jucker-Rummel sorgt für Ärger

Der Ausflugstourismus zum Erlebnisbauernhof der Gebrüder Jucker sorgt für wachsenden Unmut in Seegräben. Der Gemeinderat will Massenveranstaltungen strenger reglementieren. Derweil eröffnet Jucker Farm eine neue Attraktion.

Es sei «gnueg Höi dune», finden nicht wenige Bewohner des alten Seegräbner Dorfkerns. Sie ärgern sich über die stetig wachsende Betriebsamkeit auf dem Hof der Gebrüder Jucker – und wenden sich an die Gemeindekanzlei, an einzelne Gemeinderäte und die Gemeindepräsidentin Marlis Schmalzl. Und in letzter Zeit treten sie vermehrt an die Öffentlichkeit. «Seegräben ist an einem Tiefpunkt angelangt», konstatiert beispielsweise Samuel Wiesmann in einem Leserbrief im «Seegräbner Boten». «Verkauft von einem ständig wachsenden Krebsgeschwür», das eine immer grösser werdende Masse von Ausflüglern anziehe und das Dorf erdrücke. Wiesmann wohnt neben Kirche und Friedhof. Mit «Krebsgeschwür» meint er seinen direkten Nachbarn, den Erlebnishof von Jucker Farm. Ihn stört der wachsende Rummel, und das nicht nur während der Kürbisausstellung, sondern auch bei all den anderen Events, die Juckers tagaus, tagein organisieren. Seit 2007 gelte zwar ein kantonaler Gestaltungsplan für das Jucker-Areal, doch dieser sei zu schwammig formuliert und werde von den Gebrüdern Jucker bis zum Letzten ausgereizt, moniert er. Von einem griffigen Regelwerk, wie einst vom früheren Gemeindepräsidenten Pierre Derron versprochen, könne keine Rede sein. «Ich werde in und mit meinem Dorf verkauft», klagt Wiesmann den Gemeinderat und die geschäftstüchtigen ­Gebrüder Jucker an. «Das macht mich je länger, je wütender. Und traurig.» Ab Freitag lockt Strohfestival Mit seiner Kritik stiess Wiesmann im Dorf auf offene Ohren. Wer sich umhört, spürt rasch: Da ist einigen der Kragen geplatzt. Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte nicht zuletzt die grosse Medienpräsenz in den letzten Monaten. Die verwegenen Pläne für eine Seilbahn vom Bahnhof Aathal nach Seegräben etwa oder die Verleihung des Milestone-Tourismuspreises. Letztere nutzten Juckers umgehend, um eine neue Attraktion anzukündigen: ein Strohfestival mit riesigen, teils begehbaren Strohfiguren. Es beginnt morgen Freitag und dauert bis Anfang Mai. Die Eröffnungsrede hält Elmar Ledergerber, Präsident von Zürich Tourismus; am Sonntag von 11 bis 16 Uhr wird die grösste Heusuppe der Schweiz serviert. Das Festival soll helfen, das flaue Wintergeschäft auf dem Erlebnishof zu beleben. Um die aufkommenden Wogen zu glätten, luden die Gebrüder Jucker für einmal die gesamte Bevölkerung zum traditionellen Informations- und Diskussionsabend ein. Nach einem «bewegten Jahr soll endlich Platz geschaffen werden, um Kritik und Unmut oder Lob, aber auch Fragen entgegenzunehmen und zu beantworten», hiess es in der Einladung. Sie ist bereits wieder Makulatur. Die auf heute Mittwoch terminierte Veranstaltung wurde abgesagt. Der Grund sei ein Missverständnis, sagt Martin Jucker, für das der Gemeinderat mitverantwortlich sei. «Seit Juli verweigert die Behörde das Gespräch mit uns. Zwischenzeitlich haben wir vernommen, dass sie weitreichende Konzepte zur Beruhigung der Verkehrsemissionen erarbeitet hat.» Diese würden Ende Monat präsentiert. Vorher mache eine Diskussion keinen Sinn. Gemeinderat zieht Reissleine Ganz so überraschend können die Pläne des Gemeinderats für Jucker allerdings nicht sein. Die Behörde hatte nach eigenen Angaben Jucker Farm bereits im November 2013 dar­über informiert, dass sie aktiver in das Geschehen eingreifen werde, und Vertreter zur Januar-Sitzung eingeladen. Im vergangenen Herbst sei die Si­tua­tion rund um die Kürbisausstellung erneut eskaliert, sagt Gemeindepräsidentin Marlis Schmalzl. «Der Ausflugsverkehr hat nochmals deutlich zugenommen, und es zeigte sich, dass die getroffenen Massnahmen nicht ausreichen, um ihn in den Griff zu bekommen.» Nachdem Jucker Farm für Januar 2014 bereits weitere Veranstaltungen angekündigt habe, sei für den Gemeinderat klar gewesen: «So kann es nicht weitergehen.» Die Behörde erar­bei­te­te eine neue Verordnung für Massenveranstaltungen. Das Regelwerk soll im Frühjahr in die Vernehmlassung geschickt und im Sommer der Gemeindeversammlung unterbreitet werden. Es ergänze und präzisiere die im letzten Sommer in Kraft gesetzte neue Polizeiverordnung, sagt Schmalzl. Genauer will der ­Gemeinderat erst nach den Gesprächen mit den Gebrüdern Jucker informieren. Das war auch der Grund, weshalb er ­beschlossen hatte, auf eine Teilnahme am Informations- und Diskussionsabend von Jucker Farm zu verzichten.

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