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Jugendliche Leichtigkeit

Max Prosa sang am Donnerstag auf dem Kirchplatz von Stadtflucht und Sehnsucht. Der junge Berliner brachte mit seinem Neo-Folk alle zum Schwelgen.

«Und wenn ich könnt, flög ich davon, mit meinen Flügeln aus Beton», singt eine kraftvolle Stimme, und während man sich noch wundert, wie das genau funktionieren soll, trägt einen die Musik schon weiter. Sie fliegt luftig leicht über den Kirchplatz und verhallt dann im pastellfarbenen Abendhimmel, bis auf der Bühne das nächste Lied angestimmt wird. Es sind leichte Songs, verschlungene Melodien und verspielte Gedankengänge und Geschichten, die an diesem Abend geboten werden. Für den zweiten Abend auf der Kirchplatzbühne haben die Musikfestwochen ein weiteres Zückerchen nach Winterthur geholt: Max Prosa aus Deutschland, ein aufstrebender Stern am Singer/Songwriter-Himmel. Bis vor Kurzem war er noch ein unbeschriebenes Blatt. Der 1990 geborene Berliner begann nach dem Abitur zunächst ein Philosophie- und ein Physikstudium. Beides brach er ab, um sich der Musik zu widmen. Letztes Jahr veröffentlichte er sein erstes Album «Die Phantasie wird siegen» und startete heuer seine erste Tour. Songs für Stadtmenschen Der schlaksige Mann mit Wuschelkopf und einnehmendem Lachen gab sich souverän und bühnenerprobt; unerfahren wirkte er in keiner Art und Weise. Ohne viele Worte zu verlieren, begann er mit einem kraftvollen Song. Begleitet von einer fünfköpfigen Band, entsandte er dar­auf eingängige Melodien in die Menge und entführte sie mit seinen Geschichten in eine surreale Märchenwelt. Bei Prosa ist der Name Programm: Er ist nicht nur Sänger, sondern vor allem Geschichtenerzähler. In einer Welt des Unwirklichen und Fantastischen lässt er Helden und Clowns auftreten und handelt mit ihnen die grossen Themen des Lebens ab. Er ist ironisch und verträumt, realitätsnah und sehnsüchtig. Mit einer unverbrauchten Leidenschaft und einer erfrischenden Offenheit dichtet er sich bisweilen haarscharf am Kitsch vorbei und drückt damit Gefühle und Stimmungen aus, welche dem Stadtmenschen des 21. Jahrhunderts nur allzu bekannt sind. Verpackt werden die Geschichten in Songs, die sich in einem Neo-Folk-Umfeld ansiedeln lassen. Auf technische Angebereien und ausufernden Firlefanz wird weitgehend verzichtet. Im Vordergrund steht das Songwriting, das von den Instrumenten eingebettet und weitergetragen wird. Klassische Songstrukturen werden weitgehend eingehalten. Das ist zum einen sympathisch, gleichzeitig täte etwas mehr musikalische Abwechslung Max Prosa als Live-Band aber gut. So vermochten die Musiker es bei ihrem Auftritt in Winterthur auch nicht, das Publikum über die ganzen generösen neunzig Minuten hinweg zum kon­zen­trier­ten Zuhören zu bewegen. Zu reduziert und dabei noch zu wenig intensiv waren Musik und Gesang stellenweise. Wenn Prosa und die Band aber aufdrehten, dann konnten sie mit ihrem Spiel die Menge für sich einnehmen, konnten sie sie mit erinnerbaren Refrains einlullen und sie für die Ideen und Träume der Songs gewinnen. Mit Max Prosa stand ein talentierter junger Musiker auf der kleinen Bühne der Musikfestwochen. Man darf gespannt sein, wann er zurückkehrt, um auf der grösseren Bühne der Steinberggasse zu spielen.

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